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20.05.2011

11:10 Uhr

Europas Anleger

Kein Interesse an Google-Anleihen

VonAndrea Cünnen

Anteile an Google stehen bei Investoren in der Regel hoch im Kurs. Der Konzern scheffelt Milliarden und hat kaum Schulden. Doch die neuen Anleihen des Suchmaschienen-Riesen sind für Privatanleger in Europa uninteressant.

Die neuen Google-Anleihen sind kein lukratives Investment für europäische Privatanleger. Quelle: dpa

Die neuen Google-Anleihen sind kein lukratives Investment für europäische Privatanleger.

FrankfurtGroßer Name, kleine Schulden. Das ist der Stoff, aus dem die Träume von Anleiheinvestoren sind. Kein Wunder also, dass die ersten Bonds, die der US-Internetkonzern Google in dieser Woche begeben hat, bei institutionellen Investoren reißenden Absatz fanden. Wie bei Anleiheplatzierungen üblich, können Privatanleger die Zinspapiere mit ein paar Tagen Verspätung jetzt auch über Banken, Broker und die Börse kaufen. Doch ein lukratives Investment sind die Google-Anleihen gerade für europäische Privatanleger nicht.

Dafür gibt es zwei simple Gründe. Erstens sind die Renditen der Anleihen äußerst niedrig. Für die in drei Jahren fällige Anleihe liegt die Effektivverzinsung bei gerade mal rund 1,3 Prozent, für die fünfjährige bei 2,3 und für die zehnjährige bei 3,8 Prozent. Zweitens lauten die Anleihen auf Dollar, das heißt: Wenn der Greenback gegenüber dem Euro verliert, rutschen hiesige Anleger, die Währungsrisiken nicht absichern, schnell ins Minus - ganz egal, wie gut Google dasteht.

Ein Grund dafür, dass der Bond so gefragt war: Viele Anleger trauen breit aufgestellten, wenig verschuldeten Konzernen mehr als den hochverschuldeten USA. Firmenbonds wie die von Google gelten deshalb als Alternative zu Regierungsanleihen. Dazu kommt, dass Google 37 Milliarden Dollar an Bargeld und liquiden Anlagen auf der hohen Kante hat und laut Fondsmanagern die drei Milliarden Dollar für die neuen Anleihen morgen aus der Portokasse zahlen könnte.

Wenig Risikopuffer

Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) sehen das nicht ganz so. Sie bewerten die Bonität der führenden und profitablen Suchmaschine mit "Aa2" beziehungsweise "AA-" und damit zwar im sehr guten Bereich, aber schlechter als die der USA. Immerhin kann ja auch die größte Volkswirtschaft auf die gesamten Steuereinnahmen des Staates zurückgreifen, bei Google kommen dagegen 97 Prozent der Einnahmen aus dem zyklischen Werbegeschäft. Google bietet für seine Anleihen in den verschiedenen Laufzeiten trotzdem nur zwischen 0,2 und 0,5 Prozentpunkte mehr Rendite als die USA für ihre Bonds. Die Risikoprämien sind niedriger als die, die der US-Softwaregigant Microsoft, dem die Ratingagenturen eine Spitzenbonität attestieren, für neue Anleihen zuletzt bot.

Für Google sind die niedrigen Risikoprämien ein großer Erfolg, für Anleger sind sie schmerzlich. Dazu kommt, dass Renditen der US-Staatsanleihen spätestens dann steigen dürften, wenn die US-Notenbank die Leitzinsen erhöht. Und das dürfte angesichts des geringen Puffers auch die Google-Renditen mit nach oben ziehen. Von daher ist jetzt kein guter Zeitpunkt für einen Einstieg.
cuennen@handelsblatt.com


Kommentare (1)

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Einstein

20.05.2011, 17:41 Uhr

Kann mir jemand erkaeren wieso man bei 37 Milliarden Dollar an Bargeld eine Anleihe ausgibt? Eine Megaubernahme geplant? Verstehe ich nicht...

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