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02.08.2016

17:38 Uhr

Europas Banken brechen ein

Deutsche Bank auf neuem Allzeittief

Die Kurse vieler europäischen Banken stürzten am Dienstag ab. Die Commerzbank brach ein, Unicredit wurde sogar zeitweise vom Handel ausgesetzt. Die Deutsche Bank musste am Abend einen historischen Tiefschlag hinnehmen.

Nicht nur deutsche Bankaktien stürzten ab. dpa

Börse Frankfurt

Nicht nur deutsche Bankaktien stürzten ab.

Frankfurt/DüsseldorfAn den Börsen in Europa haben die Anleger am Dienstag voll auf Risikovermeidung gesetzt. Insbesondere schwache Bankaktien drückten die meisten der großen Länderindizes zwischen einem und phasenweise mehr als zwei Prozent auf die tiefsten Stände seit rund zwei Wochen.

Europaweit gerieten Banken unter mächtigen Abgabedruck, obgleich die Europäische Bankenaufsicht nach ihrem Stresstest der allergrößten Mehrheit eine ausreichende Kapitalisierung attestiert hatte. Dazu zählte auch die Commerzbank, die nach ihrem Abschied vom bisherigen Gewinnziel mit 9,2 Prozent Kursverlust im Dax fast doppelt so stark nachgab wie die Deutsche Bank, die 4,8 Prozent im Minus schloss. Die Commerzbank erreicht damit ein Allzeittief, die Deutsche Bank unterschritt ihren Tiefststand zumindest kurz vor Handelsschluss.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Unicredit waren zeitweise vom Handel an der Borsa Italiana ausgesetzt und sanken wegen Spekulationen auf eine Kapitalerhöhung zuletzt 7,6 Prozent, während die am Vorabend noch freundlich Monte dei Paschi als letztplatzierte Aktie im Mib 11,6 Prozent einbrach. Ministerpräsident Matteo Renzi sicherte eine marktkonforme Lösung für den Umgang mit faulen Krediten bei der Problembank zu.

Andere Banken mit weit überdurchschnittlichen Kursverlusten waren etwa die Athener Alpha Bank mit 6,3 Prozent, die UBS mit zwischenzeitlich 6,7 Prozent Minus, die Credit Suisse mit zwischenzeitlich 6,3 Prozent und die im Stresstest schwache Bank of Ireland mit 5,8 Prozent.

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