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13.01.2005

08:19 Uhr

Europaweit steigt das Volumen strukturierter Anleihen stetig – Deutscher Markt hinkt hinterher

Moody’s erwartet mehr Verbriefungen

Der Markt für Verbriefungen boomt. In ganz Europa wurden 2004 nach vorläufigen Schätzungen der Ratingagentur Moody’s Vermögenswerte über gut 280 Mrd. Euro verbrieft und damit 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

cü FRANKFURT/M. Damit schlug der Markt das Segment für herkömmliche Unternehmensanleihen in Europa um Längen, das um 30 Prozent auf 107 Mrd. Euro einbrach. Für das laufende Jahr rechnet Moody’s damit, dass der europäische Markt für Verbriefungen weiter wachsen wird.

Bei Verbriefungen übertragen vor allem Banken bestimmte Forderungen – zum Beispiel für Hypotheken, Leasing-Verträge oder Kreditkarten – an eine extra dafür gegründete Gesellschaft. Diese begibt begibt darauf oft handelbare Wertpapiere, so genannte Asset Backed Securities (ABS). Man unterscheidet zwischen synthetischen und True- Sale-Strukturen. Bei den synthetischen Strukturen werden nur die Kreditrisiken, bei True-Sale- Strukturen die tatsächlichen Vermögenswerte übertragen.

Das Wachstum des Marktes erklärt Detlef Scholz, Deutschland-Chef von Moody’s, unter anderem mit der großen Nachfrage der Investoren nach diesen speziellen Anleihen. „ABS haben sich im vergangenen Jahr im Markt endgültig als eigene Anlageklasse etabliert“, sagt auch Jens Schendzielorz, der bei der Citigroup Investoren von strukturierten Anleihen berät. Zum einen seien die Produkte bekannter geworden zum anderen lockten die Renditeaufschläge gegenüber Unternehmensanleihen oder Pfandbriefen mit gleicher Bewertung. Asset Backed Securities werden so strukturiert, dass die einzelnen Tranchen unterschiedliche Ratings bekommen. Für die Banken seien die Refinanzierungskosten über strukturierte Anleihen inzwischen so günstig, dass sie eine gute Alternative zu anderen Refinanzierungsmöglichkeiten seien. Das wird laut Schendzielorz auch in diesem Jahr das Emissionsvolumen hoch halten.

Auch deutsche Investoren sind sehr an ABS interessiert, von der Emittentenseite her hinkt Deutschland Europa aber nach wie vor hinterher. Im vergangenen Jahr zählte Moody’s nur 18 Transaktionen aus Deutschland – eine weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sank das verbriefte Volumen um fast 29 Prozent auf 14,5 Mrd. Euro. Über die KfW-Plattform Promise für die synthetische Verbriefung von Mittelstandskrediten wurde erstmals nichts emittiert. Dafür kam im November von der deutschen True-Sale-Inititiative (TSI) der KfW Bankengruppe und 13 privaten Banken endlich die erste Transaktion auf den Markt. Die Volkswagen Bank nutzte die TSI-Plattform um Autobmobilkredite über 1,2 Mrd. Euro zu verbriefen. Die TSI war schon 2003 gegründet worden, um den Finanzplatz Deutschland mit Blick auf Verbriefungen voranzubringen. KfW-Chef Hans Reich erwartet für das laufende Jahr Verbriefungen über die TSI von mindestens fünf Mrd. Euro. Auch Moody’s hält weitere Verbriefungen über die TSI für „sehr wahrscheinlich“.

Daneben rechnet Moody’s damit, dass in diesem Jahr die ersten „Non Performing Loans“ in Deutschland verbrieft werden. 2004 hat etwa Hypo Real Estate solche Darlehen, für die Kunden mit Zins- und Tilgungszahlungen in Rückstand geraten sind, verkauft. Insgesamt erwartet Moody’s, dass sich der deutsche Verbriefungsmarkt stabilisieren oder moderat wachsen wird.

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