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20.11.2013

14:03 Uhr

Eurozone erholt sich

Bundesanleihen weiten Kursverluste aus

Die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich schneller als gedacht – in der Folge nimmt das Interesse an Bundesanleihen ab. Ihre relative Sicherheit ist nicht mehr so gefragt.

Die Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zuletzt bei 1,75 Prozent drei Basispunkte höher. dpa

Die Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zuletzt bei 1,75 Prozent drei Basispunkte höher.

Deutsche Bundesanleihen haben am Mittwoch den zweiten Tag in Folge Kursverluste verzeichnet. Investoren spekulieren, dass die Volkswirtschaft der Eurozone sich schneller erholt. Das dämpfte das Interesse an der relativen Sicherheit der Papiere.

Die Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zuletzt bei 1,75 Prozent drei Basispunkte höher. Der Terminkontrakt Bund-Future fiel um 36 Basispunkte auf 141,05 Prozent.

Kursverluste verzeichneten auch die zehnjährigen Anleihen anderer Kernländer der Eurozone sowie die Peripherie-Bonds. Bei den Italien-Bonds stieg die Rendite um drei Basispunkte auf 4,09 Prozent. Spanische Anleihen rentierten drei Basispunkte höher bei 4,10 Prozent. Die zehnjährige Portugal-Rendite erhöhte sich um sieben Basispunkte auf 5,98 Prozent.

Für dieses Jahr bis zum 19. November kommen deutsche Staatspapiere auf Verluste von 1,2 Prozent, wie die Bloomberg World Bond Indizes zeigen. Spanische Bonds haben dagegen elf Prozent Ertrag eingebracht und italienische Staatspapiere kommen auf ein Plus von 7,4 Prozent.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Am Primärmarkt hat Portugal einjährige Papiere im Volumen von 700 Millionen Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,493 Prozent gegenüber 1,619 Prozent bei der vorhergehenden Auktion am Markt untergebracht. Des weiteren kamen Drei-Monats-Papiere im Volumen von 300 Millionen Euro mit einer Durchschnittsrendite von 1,076 Prozent (zuvor 1,159 Prozent) an den Markt.

Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse ebenfalls gesunken. Zehnjährige Treasuries rentierten zuletzt bei 2,72 Prozent knapp zwei Basispunkte höher.

Im Tagesverlauf werden Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz vorgelegt. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten für Oktober einen Anstieg um 0,1 Prozent, nach einem Rückgang um 0,1 Prozent im September.

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