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05.01.2005

09:36 Uhr

Experten warnen vor zu geringen Risikoaufschlägen

Bei Unternehmensanleihen drohen Rückschläge

VonAndrea Cünnen

Fondsmanager für europäische Unternehmensanleihen gehen sehr vorsichtig in das neue Jahr. Manchem wird angesichts der historisch niedrigen Risikoaufschläge (Spreads), die Firmenbonds im Vergleich zu Staatsanleihen bieten, mulmig zu Mute.

FRANKFURT/M. „Die geringen Spreads mahnen zur Vorsicht“, sagt Allan Valentiner von der Fondsgesellschaft Johannes Führ. Die Renditen vieler Unternehmensanleihen – gerade im mittleren Bonitätsbereich mit Ratings von Dreifach-B – seien für das Risiko einfach zu niedrig.

Im abgelaufenen Jahr stiegen die Kurse von Unternehmensanleihen mit einem Rating innerhalb des soliden Investment-Grades nur noch sehr moderat. Die Renditen beziehungsweise Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen verringerten sich dementsprechend ebenfalls nur noch leicht. Im Schnitt bieten europäische Firmenanleihen nach Daten der US-Investmentbank Merrill Lynch noch 0,60 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen und damit so wenig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr sanken die Aufschläge um 0,10 Punkte. Verglichen mit dem Jahr 2003, als sich die Spreads halbierten, war die Entwicklung aber nicht berauschend.

Dennoch gibt es Optimisten, die davon ausgehen, dass die Risikoaufschläge noch weiter sinken werden. Sie argumentieren, dass die Unternehmen weiter auf Schuldenabbau setzen und die Wirtschaft zumindest moderat wachsen wird. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass auch die Bond-Bullen vorsichtig sind. Barclays Capital beispielsweise glaubt, dass sich Unternehmensanleihen in diesem Jahr gut halten, aber die Erträge deutlich geringer als im vergangenen Jahr ausfallen werden.

Die Mehrzahl der Experten fürchtet dagegen vor allem ab der zweiten Jahreshälfte zumindest leichte Kursverluste und steigende Risikoaufschläge der Unternehmensbonds. Ihr Argument: Die Wirtschaft wird weniger stark wachsen als 2004, und die Erträge europäischer Unternehmen werden zusätzlich durch den festen Euro gedämpft. Zudem werden die Unternehmen langsam den Schuldenabbau stoppen. Das verschlechtere die Kreditqualität der Unternehmen. Hinzu kommt, dass die meisten Experten in diesem Jahr steigende Renditen bei den Staatsanleihen erwarten. Dies würde die Unternehmensbonds belasten. Denn wenn sichere Staatsbonds wieder mehr Rendite bringen, werden die riskanteren Unternehmensbonds bei niedrigen Renditen unattraktiver.

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