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18.05.2015

11:01 Uhr

EZB-Anleihekaufprogramm

Draghi greift bei Staatsanleihen noch einmal zu

Es wird eng für die EZB: Bald dürfte es weniger europäische Staatsanleihen am Markt geben, die sie aufkaufen kann. Erste Stimmen fordern eine Anpassung der Ankaufvolumina. Ein Direktoriumsmitglied hat eine klare Meinung.

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DüsseldorfFür Mario Draghi ist hinter der dunklen Wolke über den Anleihemärkten ein Silberstreifen am Horizont erkennbar: Sechs Wochen quantitative Lockerung hatte die Renditen der Staatsanleihen mitunter auf ein Niveau gedrückt, das rund acht Prozent der Bonds vom EZB-Kaufprogramm ausschloss. Der jüngste Kursrückgang und Anstieg der Renditen füllt jetzt den Vorrat wieder auf. Diese Korrektur erleichtert dem EZB-Präsidenten und seinen Kollegen ihre Aufgabe, denn sie müssen sich auf einen Engpass vorbereiten: Im August verflüchtigt sich gewöhnlich die Marktliquidität.

Die Währungshüter waren bislang in der Lage, ihr monatliches Ankaufziel von 60 Milliarden Euro an Wertpapieren zu erreichen, das mindestens bis September kommenden Jahres laufen soll. Wegen des drohenden Anleiheengpasses forderten erste stimmen jedoch bereits, die Ankaufvolumina dem geringeren Angebot anzupassen. EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch erteilte diesem Ersinnen jedoch am Montag eine harsche Absage.

Die EZB solle weiter an den Märkten intervenieren, um ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent zu erreichen. Man müsse die Geschwindigkeit und das Volumen der Eingriffe beibehalten, sagte der luxemburgische Währungshüter auf einer Konferenz in Stockholm laut Redemanuskript. Doch leichter gesagt als getan.

Der EZB-Chef will monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen. dpa

Der EZB-Chef will monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen.

Einige kleinere nationale Notenbanken hatten aber bereits Schwierigkeiten, genügend Anleihen zum Kauf zu finden. Das schürt Spekulationen, dass die Aufgabe der EZB schwieriger wird, weil der Mangel an Anleihen im Laufe der Zeit eher noch zunehmen dürfte: Regierungen mühen sich derzeit, die Neuverschuldung im Zaum zu halten und emittieren weniger neue Anleihen.

„In den Sommermonaten geht es tendenziell sehr ruhig zu, mit schlechterer Liquidität und beträchtlich weniger Anleiheemissionen”, fasst es Michael Riddell, Portfoliomanager bei M&G Group in London, zusammen. „Bislang schien die EZB entschlossen genug, sich weiter durchzubeißen, egal wie die Marktlage aussah. Eine Änderung des Tempos der Ankäufe ist möglich, aber wohl eher unwahrscheinlich.”

Kommentare (6)

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Herr Paul Rimmele

18.05.2015, 11:08 Uhr

Mario kann ja griechische Anleihe erwerben, die gibts mit Sicherheit reichlich!

Herr Wilfried Runft

18.05.2015, 12:09 Uhr

Wenn die EZB ehrlich wäre, müsste sie eingestehen, dass ihre Anleihekäufe rein garnichts bislang bewirkt haben. Der Anstieg der Inflation ist einzig und allein auf die gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Die öffentlichen Haushalte des Euro-Raumes sind bemüht, so wenig wie möglich neue Schulden zu machen und gehen deshalb auch keine Risiken ein. Investitionen der öffentlichen Haushalte sind in Relation zu dem von der EZB in Umlauf gebrachten Geld viel zu gering. Wohin geht das Geld also? Ich fürchte, dass sich viele auf das Terrain der Spekulation an den Aktienmärkten begeben haben, die steigenden Kurse lassen darauf schließen. Die Auswirkungen eines Kurssturzes wären für die Steuerzahler des Euro-Raumes fatal, denn sie würden direkt dafür haften. Der Crash an den Finanzmärkten ist geradezu fühlbar, Soro hat auch schon darauf gewettet und der hat noch selten Geld in den Sand gesetzt...

Herr x y

18.05.2015, 13:59 Uhr

Dem Volk aufs Maul schauen: Der Krug geht solang zum Brunnen bis er bricht.

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