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25.07.2013

16:21 Uhr

EZB-Anleihenkauf

Investoren zweifeln an Draghis Versprechen

Vor einem Jahr versprach EZB- Präsident Mario Draghi, den Euro zu schützen. Heute sind sich die großen Investmentfondsgesellschaften uneins, ob sein Versprechen, alles Notwendige zu tun, ausreichen wird.

Trotz Politik- und Wirtschaftskrise blieben die Anleihenmärkte in diesem Jahr relativ ruhig. Über die Leistung des EZB-Präsidenten Draghi sind sich die Investoren dennoch nicht einig. AFP

Trotz Politik- und Wirtschaftskrise blieben die Anleihenmärkte in diesem Jahr relativ ruhig. Über die Leistung des EZB-Präsidenten Draghi sind sich die Investoren dennoch nicht einig.

Ein Jahr, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi versprach, den Euro notfalls durch den Kauf von Staatsanleihen zu retten, bleiben die Anleihenmärkte ruhig. Obwohl der Bankenkrach in Zypern und die politischen Patts in Italien und Portugal drohten, die Schuldenkrise in der Region wieder aufflammen zu lassen, blieben die Renditen der Südländer unter Druck.

Was das über die Leistung des Draghis aussagt, darüber sind sich die Großinvestoren uneinig. Für das Deutsche Asset & Wealth Management und den Vermögensverwalter BlackRock  ist es ein Zeichen für Draghis Erfolg. Andere Investmentfonds zweifeln, dass Notenbank-Chef hält, was er verspricht und verkleinern ihre Bestände an europäischen Staatsanleihen.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

Mehr Transparenz

Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

Verzicht auf Limits

So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

EZB verzichtet auf Privilegien

Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

Inflationsbremse bleibt angezogen

Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

Claus Meyer- Cording, Fondsmanager bei DWS in Frankfurt, die zu Deutsche Asset & Wealth Management gehört, glaubt, dass der Markt Draghi Glauben geschenkt hat. „Niemand wagt es, gegen die EZB zu spekulieren, und ich bin recht optimistisch, dass wir diese Situation aufrechterhalten können. Es war eine gute Strategie von Draghi“, sagt er. Und: „Die Drohung ist manchmal stärker als die Umsetzung.”
Das Versprechen des Notenbank-Präsidenten hat die Kreditkosten für die höchstverschuldeten EU-Länder gesenkt, ohne dass die EZB einen einzigen Euro ausgeben musste. Die Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen liegt heute bei 4,68 Prozent. Am 26. Juli 2012 – dem Tag vor Draghis Rede –  musste sich der krisengebeutelte spanische Staat zu Rekordzinsen von 7,75 Prozent refinanzieren. Auch Italien profitierte von Draghis Versprechen: Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen fiel binnen eines Jahres um mehr als zwei Prozentpunkte.

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