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08.08.2016

16:20 Uhr

EZB drosselt Kaufprogramm

Währungshüter kaufen weniger Staatstitel

Die EZB fuhr in der Woche bis zum 5. August ihre Anleihenkäufe deutlich zurück. Das Volumen der Ankäufe sank im Vergleich zur Vorwoche um vier Milliarden Euro. Bei den Unternehmensanleihen schlug die EZB aber weiter zu.

Die Euro-Wächter nahmen in der vergangenen Woche Staatstitel der Euro-Länder im Volumen von 12,41 Milliarden Euro in ihre Bücher. In der Vorwoche waren es 16,45 Milliarden Euro. dpa

EZB drosselt Anleihenkäufe

Die Euro-Wächter nahmen in der vergangenen Woche Staatstitel der Euro-Länder im Volumen von 12,41 Milliarden Euro in ihre Bücher. In der Vorwoche waren es 16,45 Milliarden Euro.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) fährt in der Hauptferienzeit ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe deutlich zurück. Die Euro-Wächter nahmen in der Woche bis zum 5. August Staatstitel der Euro-Länder im Volumen von 12,41 Milliarden Euro in ihre Bücher, wie die EZB am Montag in Frankfurt mitteilte. In der Vorwoche waren es 16,45 Milliarden Euro. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben damit seit März 2015 Staatspapiere im Volumen von 957,27 Milliarden Euro. Das Wertpapier-Kaufprogramm soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen und dann ein Gesamtvolumen – Regionalbonds, Pfandbriefe, Hypothekenpapiere und seit kurzem auch Firmenanleihen eingeschlossen – von 1,74 Billionen Euro haben.

Als Teil des Kaufprogramms erwarben die Währungshüter in der vergangenen Woche Unternehmensanleihen im Volumen von 1,76 Milliarden Euro nach zuvor 1,37 Milliarden Euro. Inzwischen halten sie auch viele Schuldtitel deutscher Konzerne, darunter Anleihen von BASF, Daimler, RWE und Bosch. Neben der Bundesbank beteiligen sich die Notenbanken Italiens, Frankreichs, Spaniens, Belgiens und Finnlands an dem Erwerb von Firmenanleihen, der von der EZB gesteuert wird.

Die Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB: OMT und QE

Das „Outright-Monetary-Transactions“-Programm...

...wurde 2012 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise beschlossen. „OMT“ steht für „Outright Monetary Transactions“, was übersetzt „direkte geldpolitische Geschäfte“ bedeutet.

(Quelle: Reuters)

Die Situation

Mit dem Programm sollen gezielt Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern aufgekauft werden, um extreme Renditeausschläge bei den Papieren einzudämmen. Als es beschlossen wurde, waren mit Italien und Spanien die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ins Fadenkreuz von Investoren geraten. Die Zinsaufschläge der Staatsanleihen schossen in die Höhe – den Staaten fiel es zunehmend schwerer, ihre Schulden zu bedienen. Die Länder drohten in eine gefährliche Schieflage zu geraten.

Das Ziel

Mit OMT-Käufen kann die EZB in genau solchen Situationen gezielt gegensteuern. Denn Investoren steht die Notenbank dann als mächtiger Gegenspieler mit prinzipiell unerschöpflicher Finanzkraft gegenüber. Voraussetzung für den Ankauf von Staatsanleihen im Rahmen von OMT ist jedoch, dass sich das betreffende Land einem Rettungsprogramm unterwirft.

Die Praxis

OMT wurde noch nie aktiviert. Es gilt dennoch neben dem berühmt gewordenen Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun („Whatever it takes“), um den Euro zu verteidigen, als stärkste Waffe im Kampf gegen die Schuldenkrise und Spekulationen gegen den Euro. Schon die Ankündigung, die EZB werde wenn erforderlich unbegrenzt Anleihen aufkaufen, beruhigte damals die Märkte.

Die Kritik

Kritiker werfen der EZB vor, mit OMT gezielt einzelne Krisenstaaten mit der Notenpresse indirekt zu finanzieren. Denn Staatsanleihenkäufe hätten unter anderem zur Folge, dass die Zinsaufschläge der betreffenden Bonds sinken, so dass die Länder ihre Schuldendienste leichter leisten können. Die Notenbank argumentiert, ihr gehe es darum, den Zusammenhalt des Währungsraums zu wahren und Verzerrungen auf den Märkten zu beheben. Deren Funktionieren ist für ihre Geldpolitik von größter Bedeutung, weil sie als erste auf Zinsänderungen und andere EZB-Schritte reagieren. Seien diese Märkte gestört, könne die Geldpolitik nicht wirken, argumentiert die Notenbank.

Das „Quantitative Easing“ dagegen...

...ist ein Abwehrgeschütz gegen eine Deflation. Seit März 2015 kauft die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken im Währungsraum im Rahmen eines anderen Programms – „QE“ genannt – Staatsanleihen der Euro-Länder auf. „QE“ steht dabei für „Quantitative Easing“, was ins Deutsche übersetzt quantitative Lockerung bedeutet.

Das Ziel von „QE“

QE soll die derzeit aus EZB-Sicht viel zu niedrige Inflation künstlich anheizen. So soll eine ruinöse Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen verhindert werden. Dies nennen Volkswirte „Deflation“. Dagegen gibt es kaum ein wirksames geldpolitisches Mittel. Das zeigt etwa der Blick auf Japan, wo die Wirtschaft gut ein Jahrzehnt lang in einer Deflation gefangen war.

Der Unterschied

QE wird als geldpolitisches Instrument für ganz andere Zwecke eingesetzt als OMT. Letztendlich ist bei QE die Wiederherstellung von Preisstabilität das Ziel, was die EZB als Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent definiert. Denn dann besteht ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer Deflation. Bis mindestens Ende März 2017 will die EZB im Rahmen dieses Programms Staatsanleihen und andere Wertpapiere – darunter seit kurzem auch Firmenanleihen – im Volumen von insgesamt 1,74 Billionen Euro erwerben. Pro Monat sind Wertpapierkäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro geplant.

Mit der Geldflut will die EZB das Wirtschaftswachstum anschieben und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anheizen. Durch die Käufe sollen die Anleihen-Renditen nach unten gedrückt werden, so dass Banken weniger in diese Titel investieren. Die Geldhäuser sollen stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben.

Von

rtr

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