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31.08.2015

16:44 Uhr

EZB-Kaufprogramm

Zentralbank hält Tempo der Anleihenkäufe

Die EZB hat in der vergangenen Woche Anleihen für insgesamt 9,8 Milliarden Euro erworben und behält damit die bisherige Geschwindigkeit bei. Das groß angelegte Kaufprogramm soll die Inflation und Konjunktur anschieben.

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben seit dem Start der Käufe am 9. März insgesamt Staatsbonds im Gesamtumfang von mittlerweile 289,5 Milliarden Euro. dpa

Neubau der EZB

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben seit dem Start der Käufe am 9. März insgesamt Staatsbonds im Gesamtumfang von mittlerweile 289,5 Milliarden Euro.

Frankfurt am MainDie Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geschwindigkeit ihres großangelegten Anleihen-Kaufprogramms annähernd beibehalten. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben seit dem Start der Käufe am 9. März insgesamt Staatsbonds im Gesamtumfang von mittlerweile 289,5 Milliarden Euro, wie die Euro-Wächter am Montag in Frankfurt miteilten. In der Woche zum 28. August nahmen sie für 9,8 Milliarden Euro Staatsbonds in ihre Bücher. In der Woche davor waren es 9,9 Milliarden Euro gewesen.

EZB-Chef Mario Draghi will mit der großen Geldschwemme Banken in der Euro-Zone dazu bewegen, statt in Anleihen zu investieren mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Durch die Käufe sollen die Bondrenditen sinken, wodurch die Titel als Investment weniger attraktiv werden. Reichen die Banken deshalb mehr Kredite an Firmen und Haushalte aus, würde die Konjunktur beflügelt und auch die nach Ansicht der EZB gefährlich niedrige Inflation nach oben getrieben.

Zuletzt war die Kreditvergabe im Euro-Raum bereits leicht gestiegen. Trotz der Käufe blieb aber bislang der große Inflationsschub aus: Die Teuerung lag im August wie schon im Juli nur bei 0,2 Prozent und damit deutlich vom EZB-Ziel von knapp zwei Prozent entfernt. Einen solchen Preisanstieg betrachtet die EZB als ideal für die Wirtschaftsentwicklung.

Inflation: Preise in Europa steigen kaum

Inflation

Preise in Europa steigen kaum

Die Preise in der Euro-Zone steigen um 0,2 Prozent im August. Trotz sehr lockerer Geldpolitik liegt das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank in weiter Ferne. Die Zweifel an der Macht der EZB wachsen.

Pro Monat wollen die Währungshüter im Schnitt Wertpapiere - dazu gehören neben Staatsbonds auch Pfandbriefe ("Covered Bonds") und Hypothekenpapiere ("ABS") - im Umfang von rund 60 Milliarden Euro erwerben. Während der Ferienzeit soll der Umfang etwas geringer sein. Das Gesamtprogramm soll bis mindestens September 2016 laufen und dann einen Umfang von etwa 1,14 Billionen Euro haben. Griechische Staatsanleihen sind gegenwärtig nicht Teil des Kaufprogramms.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Herr Gerd St

31.08.2015, 17:23 Uhr

Kann es sein, dass auf ihrem Bild bereits die Pleitegeier um den Turm der EZB kreisen ?
Das mach Sinn.

Herr Werner Wilhelm

31.08.2015, 17:26 Uhr

Inflation = Erhöhung der nachfragewirksamen Geldmenge [im Vergleich zum Vorjahr; nach BIP-relevanten Gütern] - Wirtschaftswachstum

1. Man kann die nachfragewirksame Geldmenge erhöhen wie man will, es wird keine Inflation entstehen, wenn dies, wie im Euroraum vorhanden, auf hohe Arbeitslosigkeit trifft. Das Geld wird durch das Wirtschaftswachstum neutralisiert.

2. Ob trotz niedriger Zinsen überhaupt mehr Kredite nachgefragt werden, ist schon mal nicht selbstverständlich. Wer sollte denn das tun? Die privaten Haushalten sind schon mal zum Teil aus den unterschiedlichsten Gründen nicht kreditwürdig (Arbeitslose, prekär Beschäftigte mit Einkommen unter der Pfändungsfreigrenze, Insolvente) oder nehmen grundsätzlich keine Kredite auf, was vernünftig ist, nachdem man sich in kurzer Zeit im Falle von Arbeitslosigkeit auf dem sozio-kulturellen Existenzminimum wiederfindet. Die Staaten sollen ja sparen und die Unternehmen haben die Angewohnheit nur zu investieren, wenn die entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

3, Selbst wenn Kredite in Anspruch genommen werden, heißt das noch lange nicht, dass dies auch BIP-relevant ausgegeben wird. Der Kauf von Aktienpaketen etc. zählt eben nicht.

Kurz: Die traditionelle Geldpolitik ist am Ende und das ist auch kein vorübergehendes Phänomen, sondern das erwartbare globale Ergebnis von hohen Sparsummen aufgrund von hohen Einkommensungleichverteilungen.

Das weiss auch Draghi. Er kommuniziert es zwar so wie beschrieben, in Wirklichkeit ist aber QE eine Methode um Geld ins Ausland zu pumpen und damit den Export der Eurozone anzukurbeln. Die Anlage in Wertpapiere des Gemeinschaftswährungsraum wird mehr und mehr unattraktiv und die Spekulanten schauen sich nach Fremdwährungsanlagen um. Damit wird der Euro geschwächt, genau das ist das Ziel und dies wird nur vorübergehend etwas nützen. Die anderen Zentralbanken werden diesem Treiben nicht lange zusehen. Auch das weiß Draghi.

Herr Werner Wilhelm

31.08.2015, 17:35 Uhr

@ Herrn Gerd St

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine phänomenale Fähigkeit: Wann immer Sie Ihre rechte Hand schließen und wieder aufmachen, liegt ein Goldstück darin.

Was würde Sie jemandem erwidern, der zu Ihnen kommt und mahnt Sie sollten vorsichtiger mit dem Ausgeben sein, sonst wären Sie bald pleite?

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