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16.09.2014

16:31 Uhr

Facebook, Telekom, Infineon und GM

Von diesen Börsen-Flops können Sie lernen

VonAnnika Janßen

Mit Spannung erwarten Anleger die Börsengänge Alibaba, Zalando und Rocket Internet. Sie sollten aber ihre Euphorie bremsen – denn Flops wie das Facebook-Desaster haben gezeigt, dass Skepsis vor Verlusten schützen kann.

Börsengänge haben jetzt Hochkonjunktur. Aber nicht immer geht der Kurs nach dem IPO auch durch die Decke. Getty Images

Börsengänge haben jetzt Hochkonjunktur. Aber nicht immer geht der Kurs nach dem IPO auch durch die Decke.

KölnBörsengänge haben derzeit Hochkonjunktur. Mit besonderer Spannung erwarten Anleger die Aktienneuemissionen des chinesischen Internetgiganten Alibaba sowie der deutschen Online-Unternehmen Zalando und Rocket Internet. Der Online-Modehändler und die Start-Up-Schmiede der Samwer-Brüder dürften die beiden größten Internet-Börsengänge in Deutschland seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 werden, sagen Analysten.

Anlegern steht also ein spannender Herbst bevor, hier und da macht sich schon Euphorie breit. Denn die Zeit für einen IPO (Initial Public Offering) scheint günstig. Hohe Bewertungen und positive Geschäftsaussichten der Unternehmen sowie relativ geringe Kursschwankungen an den Börsen schaffen Analysten zufolge ein gutes Umfeld für Erfolgsgeschichten.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Ein Blick in den Rückspiegel zeigt allerdings, dass zu viel Euphorie nicht angebracht ist, sondern gesunde Skepsis geboten ist. Zu oft schon haben Unternehmen Anleger mit ihren Börsengängen enttäuscht. Zum Beispiel Facebook: Das Desaster um die Aktie des sozialen Netzwerks dürfte vielen Anlegern noch gut im Gedächtnis sein. Im Jahr 2012 sollte der IPO des Unternehmens der Börsengang des Jahrhunderts werden. Das Unternehmen, das es damals erst seit acht Jahren gab, machte bereits einen Milliardenumsatz, mehr als 800 Millionen Menschen weltweit nutzten Facebook. Die Börsenbewertung lag bei 100 Milliarden US-Dollar.

Nach dem Auftakt an der US-Technologiebörse Nasdaq stieg die Facebook-Aktie zwar kurzzeitig über den Ausgabekurs von 38 US-Dollar, doch danach ging es steil bergab. Händler kämpften angesichts des Ansturms der Händler mit Serverproblemen. Im September erreichte der Kurs des Papiers mit 17,73 US-Dollar seinen Tiefpunkt. Die Aktie hatte etwa 50 Milliarden US-Dollar Börsenwert eingebüßt.

Mittlerweile hat sich das Papier berappelt, der Facebook-Aktienkurs liegt derzeit bei 77 US-Dollar (60 Euro). Das liegt auch daran, dass das Unternehmen einige Maßnahmen ergriffen hat, um auf Wachstumskurs zu bleiben. Facebook hat unter anderem auf Smartphones zugeschnittene Werbeformen eingeführt. Der verpatzte Börsengang hat vielen Anlegern dennoch hohe Verluste beschert.

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