Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2012

09:37 Uhr

Falschberatung

Wann der Bankberater haften muss

VonLaura de la Motte

Wenn Banken falsch beraten, können Anleger Schadensersatz fordern. Mehrere Kanzleien bereiten nun Klagen gegen Banken vor. Ob Anleger über Risiken bei Griechenbonds richtig informiert wurden, muss das Gericht klären.

Als letzte Instanz entscheidet der Bundesgerichtshof über den richtigen Zeitpunkt der Beratung. dpa

Als letzte Instanz entscheidet der Bundesgerichtshof über den richtigen Zeitpunkt der Beratung.

Anleger können unter Umständen von ihrer Bank Schadensersatz fordern, wenn sie ihrem Institut eine falsche Beratung nachweisen können. Mehrere Kanzleien bereiten momentan Klagen gegen verschiedene Banken vor. "Entscheidend ist hierbei, welche Anlageziele und welche Risikobereitschaft der Anleger zum Zeitpunkt der Beratung hatte", sagt Mathias Nittel, Fachanwalt für Kapitalmarktrecht.

Seiner Meinung nach handelte es sich bei griechischen Staatsanleihen aufgrund der maroden Staatsfinanzen des Landes bereits 2010 um hochriskante Papiere. Sie hätten den risikoscheuen Anlegern daher nicht mehr angeboten werden dürfen. "Wenn die Kunden als risikoavers eingestuft worden sind und das anhand der entsprechenden Beratungsunterlagen nachweisbar ist, verstieß die Empfehlung griechischer Staatsanleihen gegen die Beratungspflichten der Bank." Schadensersatzansprüche seien die Folge, so der Anlegeranwalt.

Die wichtigsten Urteile zur Falschberatung

Beratung ohne

Die Gerichte müssen sich immer wieder mit dem Thema fehlerhafte Anlageberatung beschäftigen. Die Fälle sind immer individuell. Eine Auswahl von richtungsweisenden Urteilen für verschiedene Lebenslagen zeigt, welche Chancen Opfer von falscher Beratung haben.

Versteckte Kosten

Bankberater, die eine Anlageempfehlung aussprechen, müssen alle Provisionen offen legen, die sie erhalten. Dazu gehören sämtliche Rückvergütungen, der Ausgabeaufschlag, einmalige Provisionen oder zum Beispiel Bestandsprovisionen aus der laufenden Managementgebühr. Werden nicht sämtliche Provisionen offengelegt, kann der Anleger Schadensersatz geltend machen. Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: XI ZR 56/05)

Provisionen offenlegen

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs müssen Banken über Provisionen aufklären, die sie beim Verkauf von Anlageprodukten erhalten. Wenn die Bank nicht ausreichend informiert hat, können Privatanleger auch nach Ablauf der Verjährungsfrist von drei Jahren das Geschäft rückgängig machen. Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: XI ZR 586/07)

Mangelnde Auskunft

Will ein Kunde Anleihen kaufen, muss der Berater bei Auslandsanleihen über das Risiko des Zahlungsausfalls informieren. Wenn er dieser Pflicht nicht nachkommt oder Bedenken des Anlegers nicht ernst nimmt, ist die Bank schadensersatzpflichtig. Im behandelten Fall hatte das Geldhaus der Klägerin Argentinien-Anleihen empfohlen, obwohl diese auf eine sichere Geldanlage Wert gelegt hatte. Oberlandesgericht Bamberg (Aktenzeichen: 5 U 246/05)

Kritische Presseberichte

Berater müssen darüber informieren, wenn in der Presse Kritik an einem bestimmten Finanzprodukt laut wird. Die Bank muss ihre Geldhäuser darüber in Kenntnis setzen, wenn sich in der anerkannten Wirtschaftspresse derartige Berichte häufen. Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: XI ZR 89/07)

Begrenzte Einlagensicherung

Banken, die ihren Kunden nur eine begrenzte Absicherung der Einlagen bieten können, müssen darüber informieren. Der Bundesgerichtshof hat in diesem Fall die Rechte von Bankkunden gestärkt. Die Geldinstitute müssen ihre Kunden unmissverständlich darauf hinweisen, wenn ihre Spareinlagen nur bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt sind. Bundesgerichtshof, (Aktenzeichen: XI ZR 152/08 und XI ZR 153/08)

Schadenersatzansprüche wegen Falschberatung

Die Deutsche Bank muss 540.000 Euro Schadenersatz an einen mittelständischen Unternehmer bezahlen, dem sie zum Kauf von hochspekulativen Zinswetten geraten hat, ohne vorher im notwendigen Umfang beraten und aufgeklärt zu haben. Der Kunde investierte in ein hochkomplexes Swap-Geschäft und die Zinsen entwickelten sich anders als erwartet. Das Gericht sah zudem einen Interessenkonflikt der Bank. Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XI ZR 33/10)

Haftung einer Direktbank

Wenn ein Anleger einen Depotvertrag mit einer Direktbank abschließt, entscheidet er sich bewusst gegen das klassische Angebot einer Filialbank. Gibt eine Direktbank eine Empfehlung, so muss diese transparent und richtig sein. Eine Verpflichtung zu einer umfassenden und vollständigen Anlageberatung ergibt sich daraus nicht. Amtsgericht München (Aktenzeichen 111 C 24503/09)

Vermittler haften

Anlagevermittler müssen Immobilienfonds auf Wirtschaftlichkeit überprüfen hinweisen. So müssen sie das Anlagekonzept zumindest auf Plausibilität hin prüfen. Bundesgerichtshof, (Aktenzeichen III ZR 144/10)

Aufklärungspflicht beachten

Das Landgericht Frankfurt bestätigt seine Rechtsprechung, wonach eine Aufklärungspflicht über die Vertriebsvergütung besteht und andernfalls eine Schadensersatzpflicht vorhanden ist.
Landgericht Frankfurt (Aktenzeichen 2-190 116/09)

Telefonisch beraten

Wenn bei einer Anlageberatung Twin-Win-Zertifikate empfohlen werden, muss über das Rückzahlungsszenario bei Berühren oder Unterschreiten der Sicherheitsschwelle unterrichtet werden. Zudem muss die Bank auch über ein vorzeitiges Kündigungsrecht des Emittenten aufklären. Die Beratung erfolgte telefonisch. Über das komplexe Produkt muss aber auch mit schriftlichem Material aufgeklärt werden, so das Gericht. Oberlandesgericht Frankfurt (Aktenzeichen 17 U 207/09)

Investoren, die einen etwas progressiveren Anlagestil verfolgten, hätten unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls in der Beratung darauf hingewiesen werden müssen. "Über den Zeitpunkt entscheiden die Gerichte, in letzter Instanz der Bundesgerichtshof", so Nittel.

Dieser Vermerk muss auch im Beratungsprotokoll stehen. Seit 2009 sind die Protokolle Pflicht. Vorher wurden zumindest die Anlageziele und die Erfahrungen in einem sogenannten Wertpapierhandelsgesetz-Bogen vermerkt. Doch wahrscheinlich landen sowieso nur Fälle mit einem Beratungsprotokoll vor Gericht.

Denn normalerweise ist die Beratung mit dem Kauf der Anleihen abgeschlossen. Wer seine Griechenbonds also schon vor fünf Jahren gekauft hat und keinen Vermögensbetreuungs- oder Vermögensverwaltungsvertrag mit seiner Bank abgeschlossen hat, der kann jetzt nicht darauf pochen, die Bank hätte in sein Depot schauen und ihn von sich aus auf die Gefahr hinweisen müssen.

So erkennen Sie falsche Banknoten

Fühlbare Schrift

Auf der Vorderseite der Geldscheine sind erhabene Teile des Druckbildes zu fühlen (Schriftzug „BCE ECB EZB EKT EKP“ am oberen Rand).

Wasserzeichen

Hält man den Geldschein gegen das Licht, ist im unbedruckten Bereich ein Wasserzeichen zu erkennen.

Hologramme

Beim Kippen der Banknote verändern sich die Hologrammelemente.

Glanzstreifen

Auf der Rückseite der Banknote befindet sich ein Perlglanzstreifen mit dem Wert des Geldscheins (Scheine bis 20 Euro) oder die rechte Wertzahl wechselt beim Kippen der Noten die Farbe (Scheine ab 50 Euro).

Vergleichen

Wer unsicher ist, ob eine Banknote echt ist, sollte sie mit einem anderen Geldschein vergleichen, etwa einem, der von einem Geldausgabeautomaten ausgezahlt wurde.

Kam ein Anleger jedoch erneut zu seinem Berater und fragte ihn nach dem Risiko der Griechenbonds, entstand dadurch ein neuer Beratungsvertrag, bei dem der Berater die unter Umständen neu entstandenen Risiken mit den Anlagezielen und der Risikobereitschaft erneut abgleichen musste.

Vor Gericht kommen dabei häufig die vier Pflichtlektüren für Anlageberater zum Einsatz: "Börsenzeitung", "Financial Times Deutschland", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und Handelsblatt. Standen in diesen Zeitungen beispielsweise Berichte, die auf ein gestiegenes Risiko einer griechischen Staatspleite hinweisen, muss der Berater seinen Kunden im Anlagegespräch darüber informieren.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Blinse

29.07.2012, 11:30 Uhr

Mal unabhängig von dem ganzen Procedere eines Beratungsgespräches: Wenn die deutsche Bundeskanzlerin sich 2010 hinstellt und sagt, die Finanzierung Griechenlands sei bis 2013 gesichert und die 2012er GR-Anleihen bekommen dann im Jahr der Fälligkeit einen ordentlichen "Haarschnitt," dann weiß ich, wer mit Klage rechnen müßte. Ich geb mal 'n Tipp: Der Berater wärs nicht.

Account gelöscht!

29.07.2012, 13:19 Uhr

Herr Ackermann hat sie beraten.... ;-)

Charly

29.07.2012, 13:42 Uhr

Bitte bei Bankstern und anderem Gesocks nicht die Bezeichnung "Herr" verwenden.
Das ist einfach unangemessen !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×