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27.05.2011

20:31 Uhr

Farmland-Index

Wald und Ackerland bringen Investoren reiche Ernte

VonUdo Rettberg

Ein Stück Wald in Neuseeland oder amerikanisches Ackerland können ein lohnendes Investment sein. Schließlich wächst die Bevölkerung und die Menge an Rohstoffen wird dabei nicht größer - dafür aber teurer.

Rotbuchen im Steigerwald bei Ebrach in Oberfranken. Quelle: dpa

Rotbuchen im Steigerwald bei Ebrach in Oberfranken.

FrankfurtDie wachsende Bevölkerung und ihr zunehmender Energiehunger verknappen und verteuern Bodenschätze und landwirtschaftliche Rohstoffe. Anleger können davon profitieren, wenn sie ihr Geld in Ackerland und Wald investieren.

Bisher lohnte sich das: Der Wert von US-Agrarland, gemessen am NCREIF-Farmland-Index, hat sich seit 1992 verdreifacht. Auch die Renditen, die der Wald abwirft, sind beeindruckend. Der NCREIF Timberland Index stieg seit 1987 jährlich durchschnittlich um rund 15 Prozent. Zum Vergleich: Aktien legten seit 1992 weltweit im Schnitt zwar insgesamt um 150 Prozent zu. Allerdings mussten Anleger Jahre mit kräftigen Kursverlusten bis über 40 Prozent verkraften. Amerikanisches Ackerland dagegen gewann selbst im schlechtesten Jahr des Betrachtungszeitraums, 2001, noch zwei Prozent an Wert.

Vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und auch reiche Familien investieren in Farm- und Forstland. Der deutsche Kleinanleger findet an den internationalen Finanzmärkten eine Vielzahl Investmentmöglichkeiten. Dabei wird von Banken und Fondsgesellschaften praktisch die gesamte Anlagepalette von Aktien und Anleihen über Investmentfonds, Indexfonds (ETF) bis hin zu geschlossenen Fonds und Beteiligungsgesellschaften sowie zu strukturierten Produkte geboten.

Fallstricke beim Investment in Wald oder Ackerland

Beschränkungen

Wer als Privatanleger in Wald oder Ackerland investieren will, muss dies in der Regel indirekt tun. Da bieten sich etwa Aktien von Unternehmen an, die Holz verarbeiten oder Weizen oder Mais anbauen. Denn der Kauf von Ländereien oder forstwirtschaftlichen Nutzflächen kommt meist nur für Großinvestoren infrage.

Anlagehorizont

Private Anleger agieren meist weniger langfristig als große Vermögenseinrichtungen. Großinvestoren oder Gesellschaften kommt es nicht selten weniger auf kräftige Wertsteigerungen an, sondern vielmehr auf den Erhalt und die Streuung des Vermögens.

Der Unterschied

Zwischen Acker- und Forstland gibt es unter anlagetaktischen Aspekten einen wesentlichen Unterschied. Während die Aussaat agrarischer Rohstoffe bereits nach relativ kurzer Zeit von etwa einem Jahr Erträge bringt, vergehen von der Anpflanzung neuer Bäume bis zu ihrer wirtschaftlichen Nutzung nicht selten mehr als 20 Jahre.

Illiquide Anlagen

Anleger müssen zudem beachten, dass Äcker und Wälder als Direktinvestments illiquide und vergleichsweise schwer handelbare Vermögenswerte darstellen. An ihr Geld kommen sie also auf lange Zeit nicht heran. Am liquidesten sind Aktien von Agrar- und Forstunternehmen.

Überhitzungsgefahr

Nach der spektakulären Preisentwicklung der vergangenen Jahrzehnte sehen einige Beobachter nun die Gefahr einer „spekulativen Blase“. So hat Thomas Hoenig, Chef der Federal Reserve Bank von Kansas City, kürzlich vor „spekulativen Exzessen“ am Markt für Ackerland gewarnt. Das verwundert nicht, denn China, Südkorea und die finanzstarken arabischen Länder haben sich in vielen Regionen der Welt agrarische Nutzflächen gekauft – und das zu fast jedem Preis.

 

Ökologie

„Wir empfehlen Investoren, in diese Anlageklassen fünf bis zehn Prozent ihres freien Anlagekapitals zu stecken“, rät Harry Assenmacher von der Forest Finance Group, einem Anbieter dieser Anlagen mit Sitz in Panama. Dabei sollten Investoren darauf achten, dass die Waldflächen nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.


Im Interesse der Anleger standen vor allem wegen der massiven chinesischen Investments in jüngster Zeit Aktien europäischer Unternehmen, die Ackerland besitzen und bewirtschaften. In Deutschland gilt dies für die KTG Agrar AG in Hamburg, die in Ostdeutschland und in den baltischen Ländern aktiv ist. Vorstandschef Siegfried Hofreiter sagt, die Preise für Ackerland hätten sich sowohl in Deutschland als auch im Baltikum in den vergangenen fünf Jahren in etwa verdoppelt. Die Agrarius AG mit Sitz in Bad Homburg bewirtschaftet Ackerland in Rumänien. Die auf Jersey ansässige und an der Nasdaq OM in Stockholm notierte Black Earth Farming ist in Russland aktiv.

Banken wie UBS, HSBC und Societé Générale haben zahlreiche Zertifikate etwa auf Aktienindizes von Bauholz-Unternehmen (Timber) lanciert, etwa auf den Global Timber Index von UBS oder den von Dow Jones berechneten World Timber Total Return Index (Timbex). Anlagen in Wald lohnen vor allem in Regionen mit warmem Klima. Grund: In tropischen Regionen wachsen die Bäume rascher als in der nördlichen Hemisphäre. Anbieter setzen auf Länder wie Panama, Vietnam oder Neuseeland.

Kommentare (1)

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Johanns

27.05.2011, 21:38 Uhr

Eine Farm in God’s Own Country, das wäre es doch. Schließlich betrieben auch meine Vorfahren eigene Landwirtschaft, in den Krisen- und Notzeiten der ersten Jahrhunderthälfte eine prima Rückversicherung. Die Elterngeneration führten sie nach dem Krieg noch eine Weile gemeinsam im Nebenerwerb fort. Als Neunjähriger fuhr ich erstmals selbstständig Traktor.
.
Am besten finanziere ich mit einem langfristigen spottbilligen Dollarkredit, den ich beim unvermeidliche Absacken des Greenbacks mit Hartwährung billig tilge. Die fortschreitende wirtschaftliche Talfahrt der USA beschert mir billige und willige Arbeitskräfte, und der Staat zahlt dort bekanntlich fette Agrarsubventionen, während sich der Fiskus bescheiden zurückhält. Der Verfall des Dollars macht die Produkte auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig – den Millionengewinnen steht nichts mehr im Wege. Allerdings, mit dem Abpumpen des restliche Grundwassers zu Bewässerungszwecken muss ich mich eventuell beeilen, bevor der Landstrich verödet. Aber nach mir die Sintflut …

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