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14.06.2012

04:21 Uhr

Fast Ramschniveau

Moody's stuft Spanien um drei Noten herab

Das Rettungspaket für Spanien sollte die Märkte beruhigen. Doch die Wirkung ist verpufft. Nun sagt auch noch die Ratingagentur Moody's, dass die Kreditwürdigkeit des Landes in Gefahr sei.

Moody's stuft Spanien herab - Dax nahezu unverändert erwartet

Video: Moody's stuft Spanien herab - Dax nahezu unverändert erwartet

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Washington/London/Mexiko-StadtDie Ratingagentur Moody's hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die Bonität Spaniens sei um drei Stufen von der Note A3 auf die Note Baa3 gesenkt worden, teilte Moody's am Mittwoch mit. Die Herabsetzung erfolgte wenige Tage, nachdem Madrid die Zusicherung der Eurozone erhielt, Spaniens angeschlagene Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro krisenfest zu machen.

Dies werde Spaniens Schuldenlast weiter erhöhen, erklärte Moody's zur Begründung. Die Note Baa3 liegt nur noch eine Note über dem so genannten Ramschniveau. Zudem droht Moody's gleich eine weitere Herabstufung für das Land an. Eine Entscheidung darüber soll spätestens in drei Monaten erfolgen.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Spanien ist finanziell in Bedrängnis, weil es seinen unter einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase leidenden Bankensektor vor dem Zusammenbruch bewahren muss. Dafür können der derzeitige Eurorettungsfonds EFSF und der künftige Dauerfonds ESM Hilfen vergeben, die an weniger strenge Auflagen als etwa die Hilfen für Griechenland geknüpft sind.

Das vor knapp einem Jahr beschlossene Instrument wurde bislang noch nicht angewandt. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die spanischen Banken mindestens 40 Milliarden Euro, womöglich aber auch das Eineinhalb- bis Zweifache dessen, um die Märkte zu beruhigen.

Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag zugesagte Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, schreibt Moody's. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen.

Staatsverschuldung könnte auf 90 Prozent des BIP steigen

Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, heißt es bei Moody's. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) großzügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes.

Moody's hat zudem die Bewertung des spanischen Bankenrettungsfonds FROB um drei Noten auf „Baa3“ gesenkt.

Ob das Land weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalisierung ab, schreibt Moody's. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Eurozone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone zunehme.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Moody's erwartet, dass die spanische Staatsverschuldung in diesem Jahr auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und bis zur Mitte des Jahrzehnts weiter zunehmen wird.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte am Mittwoch Hilfen der Europäischen Zentralbank für sein Land. In einem Schreiben an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso hieß es, die EZB solle ein Programm zum Aufkauf spanischer Staatsanleihen wiederaufleben lassen. Mit den Käufen hatte die EZB im vergangenen Herbst die Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt.

Kreuzverhör in Mexiko

Spanien dürfte beim bevorstehenden G20-Gipfel in Mexiko gehörig ins Kreuzverhör genommen werden. Die 20 größten Wirtschaftsnationen (G20) wollen von Ministerpräsident Mariano Rajoy Klarheit über die Nutzung der zugesagten europäischen Hilfen über bis zu 100 Milliarden Euro zur Stützung der Banken, wie der mexikanische Finanzminister Jose Antonio Meade am Mittwoch sagte.

Er hoffe, Spanien werde die Zweifel an dem Programm auf dem Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs am Montag und Dienstag zerstreuen. Offen sei etwa, wie genau die Regierung in Madrid das Geld einsetzen werde, sagte Meade. An den Finanzmärkten hat die Hilfszusage nicht zur erhofften Beruhigung geführt. Anleger bezweifeln, dass das Land damit seine Krise nachhaltig in den Griff bekommt. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg am Mittwoch auf ein Rekordhoch.

Kommentare (30)

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so_what

14.06.2012, 00:28 Uhr

Bereits vorher hatte die Ratingagentur Egan-Jones die Bonitätsnote für Spanien von "B" auf "CCC+" nach unten korrigiert. Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen kletterte am heutigen Tag auf 6,75 Prozent.

Egan Jones: Spanien hat wie erwartet Hilfe für seinen Bankensektor in Anspruch genommen und wird auch Geld für seine schwächeren Provinzen benötigen

+++ Die Assets der zwei größten spanischen Banken übersteigen das Bruttosozialprodukt des Landes +++

Weitere Hilfsanfragen aus dem Bankensektor sind zu erwarten

Account gelöscht!

14.06.2012, 00:43 Uhr

Nicht nur die Grünen hassen Deutschland und wollen uns abwickeln. Auch andere etablierte Parteien tun viel dafür, dass es Deutschland in seiner jetzigen Form bald nicht mehr geben wird. Sie verpfänden unsere Zukunft und verkaufen unsere Selbstständigkeit. Ich bin in keinster Wiese ein Nationalist - ich fühle mich als Europäer. Doch der geplante dauerhafte Rettungschirm wie auch Fiskalpakt, Eurobonds, Bankenunion usw. laufen immer auf das selbe Ziel hinaus: die dauerhafte und nicht mehr rückabwickelbare Totalbürgschaft für ganz Europa. Die Politik ist völlig benebelt von ihrer blutleeren Europa-Ideologie und sieht nicht, dass die Krisenländer ur durch eine Rückkehr zu naionalen Währungen eine wirtschaftlich efolgreiche Zukunftsperspektive haben. Spanien ist, wie man hier lesen kan, am Ende, Zypern ist pleite, Italien wird es in wenigen Monatn sein. Ende der Kandidatenliste? Nein! Wer spricht über die zerstrittenen Belgier, Österreichs probleme, Frankreichs wirtschaftlichen Niedergang. Wir Deutschenkönnen nicht 300 Mio Europäer retten - 15 Mio Ostdeutsche haben uns schon fast überfordert!

Gast

14.06.2012, 01:04 Uhr

"Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die spanischen Banken mindestens 40 Milliarden Euro, womöglich aber auch das Eineinhalb- bis Zweifache dessen"
Das heißt: nichts genaues weiß man nicht? Wenn ich 1000 Euro Schulden habe, dann weiß ich doch ganz genau, wieviel ich brauche, um sie zu tilgen. Gibt es in Spanien keine Buchhalter? Gibt es in der EU keine? Wie ist der Plan? Warten wir einfach mal ab, es wird sich schon herausstellen? Ist das der Plan?
Uns kann es egal sein, diese Regierung hat uns dermaßen verschuldet, das kann von uns nicht mehr geleistet werden, wir müssen uns nur noch an diesen Zustand gewöhnen.

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