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17.12.2015

15:52 Uhr

Fed-Entscheid

Zinswende – was nun?

VonAndrea Cünnen

Die US-Notenbank hat erstmals seit neuneinhalb Jahren die Zinsen erhöht. Die Anleger reagierten zumindest kurzfristig gelassen. Doch wie geht es weiter – und was bedeutet das für die Märkte? Ein Überblick.

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Zinswende: Genau richtig, oder viel zu spät?

Handelsblatt in 99 Sekunden: Zinswende: Genau richtig, oder viel zu spät?

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FrankfurtAuf kaum etwas haben Investoren so lange gewartet wie auf die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Thema wurde sie erstmals im Mai 2013. Dabei deutete die Fed zu dieser Zeit lediglich an, dass die lockere Geldpolitik nicht ewig andauern könne. Das war damals ein Schock für die Märkte. Die Aktienkurse weltweit brachen ein, die Schwellenländerwährungen gerieten unter Druck, und die Kurse von Anleihen stürzten ab, entsprechend stiegen ihre Renditen. Dabei war die Aussage des damals amtierenden obersten US-Notenbankers Ben Bernanke vergleichsweise banal – Bernanke bezog sich lediglich auf ein mögliches Auslaufen der massiven Anleihekäufe, von Zinserhöhungen war da noch keine Rede.

Inzwischen hat sich die Lage – zumindest auf den Märkten der Industrieländer – beruhigt. Die Fed kauft schon lange keine neuen Anleihen mehr, und Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen hat nun am gestrigen Mittwoch den US-Leitzins tatsächlich erhöht, um 0,25 Prozentpunkte. Der US-Leitzins liegt liegt jetzt in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Seit Dezember 2008 lag der Zins in einer Bandbreite zwischen null und 0,25 Prozent – was meist einfach als Nullzins bezeichnet wurde. Eine Zinserhöhung in den USA gab es zuletzt Ende Juni 2006.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Den Märkten in den USA und in Europa machte das nicht zu schaffen. Im Gegenteil: Die Aktien an der Wall Street stiegen, und auch in Europa legten die Börsen kräftig zu. Die Renditen der US-Anleihen stiegen nur ganz leicht. Im Euro-Raum gingen die Renditen sogar zurück.

Die positive Reaktion der Märkte liegt auch daran, dass die Zinswende alles andere als unerwartet kam. Noch am Donnerstag hatten fast 80 Prozent der Investoren eine Zinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt erwartet. Das lässt sich an den sogenannten Fed-Fund-Futures an den Terminmärkten ablesen. Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Märkte seit Wochen auf die Zinserhöhung vorbereitet. „Es wäre ein katastrophaler Kommunikations-Reinfall gewesen, wenn die Fed die Zinsen nicht erhöht hätte“, meint Luke Bartholomew, Fondsmanager Aberdeen Asset Management. Ökonomen sehen da ähnlich: „Der Zinsschritt der Fed war überfällig“, sagen Ökonomen wie Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

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Die Chefin der US-Notenbank hat die historische Zinswende geschafft – und wird dafür gefeiert. Doch auch die Fed hat die Märkte mehrfach in die Irre geführt. Häufig hat EZB-Chef Draghi besser kommuniziert.

Doch wie wirken Zinserhöhungen überhaupt? Leitzinsen sind die Kosten zu denen sich Banken bei Zentralbanken kurzfristig Geld leihen können. Erhöhen sich die Leitzinsen, werden die Kredite für Banken teurer. Denn in der Regel geben die Banken die höheren Zinskosten weiter: Unternehmen, und auch Privatleute müssen dann mehr für ihre Kredite zahlen. Das gilt nicht nur für Kredite von Banken, sondern auch für den Markt für kurzfristige Anleihen, wo Investoren Staaten und Unternehmen über festverzinsliche Wertpapiere Geld leihen.

Kommentare (9)

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Herr Helmut Metz

17.12.2015, 16:23 Uhr

Zentralplanerische Zentralbanken sind für die Boom- and-Bust-Konjunkturzyklen und die größten Wirtschaftskatastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts ursächlich verantwortlich - allen voran die Fed:
"Was die Fed in den letzten 30 Jahren betrieben hat, ist eine Weltkatastrophe." (Roland Baader)
Wenn man die Zentralplaner nicht entmachtet und die Zentralbanken abschafft (-> Ron Paul: "End the Fed!"), wird die Katastrophe zwangsläufig eskalieren (und selbstverständlich wird das nicht geschehen).
Zum Zins-Trick der Fed:
Letzte Woche nach der EZB-Sitzung hatte ich Folgendes geschrieben:
"Da sind die EUR-Shorties heute aber in einen wunderschönen Short Squeeze reingerannt. ;-)) Wenn die Zombie-Währung Euro gegen die (bei Deflation starke) WeltleiDwährung an einem Tag um über 3 Cent zulegt, dann ist das schon eine Hausnummer.
Aufgrund des (neuen) Currency Carry Trades saugt ein stark gegen den USD steigender EUR auch noch massiv Kurzfrist-Liquidität aus dem System ab.
Was kehrt das Ganze nochmal um? Eine (klitzekleine) Zinserhöhung der FED, wodurch diese ihre "Glaubwürdigkeit" (beim Markt, nicht bei mir) behält.
Handlanger Mario Drucki tut nämlich auch garantiert nichts ohne Einverständnis seiner tatsächlichen Herren... "
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/dax-gibt-nach-euro-steigt-draghi-verliert-seine-zauberkraefte/v_detail_tab_comments/12676036.html
Ich hoffe, dass gestern Einige schlauer waren und sich richtig positioniert haben, um sich ihr Weihnachtsgeld abzuholen.
Die - im Wortsinne - größten Kapitalverbrecher auf Erden muss man nämlich bluten lassen.
Was die Fed gestern abgeliefert hat, ist nichts anderes als ein ganz übler Schwindel - und die englische Sprache hat dafür sogar noch eine viel, viel treffendere Bezeichnung: CONFIDENCE-TRICK. Tatsächlich wird das auch das Ende des Vertrauens in die Fed einleiten, und das bedeutet gleichzeitig das Ende des Vertrauens in die von ihr emittierte Monopoly-Währung:
https://www.youtube.com/watch?v=3bNfFNGX9eg

Herr Wolfgang Bürger

17.12.2015, 16:48 Uhr

...für den Normalbürger: Geld regiert die Welt.

Account gelöscht!

17.12.2015, 16:57 Uhr

Fazit meines Portfoliomanager und Vermögensverwalter, Produktivkapital/vermögen (Aktien) bleiben auch weiterhin die bevorzugte Asset-Klasse bei der Altersvorsorge und der Vermögensbildung/-erhalt. Variieren kann dabei lediglich die Aktienquote bzw. %-Gewichtung in einem gut diversifizierten und strukturierten Wertpapier- und Immobilien-Portfolio.

Wer dies anders sieht, und weiterhin wie der finanzanalphabetische Michel, Milliarden sinnlos auf Sparkonten und TG bunkert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden und auch der nächsten Generation kein finanziell sorgenfreies vererben.

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