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19.09.2013

15:50 Uhr

Fed-Entscheidung

Begeisterte Börsianer, allgemeines Entsetzen

VonJörg Hackhausen, Dietmar Neuerer

Die Börsen legen kräftig zu. Die Zinsen von Anleihen sinken. Der Dollar rutscht ab. Mit seiner Entscheidung, weiter Geld zu drucken, erfreut Ben Bernanke die Anleger – und sorgt zugleich für Fassungslosigkeit.

Fed-Chef Ben Bernanke bleibt der lockeren Geldpolitik treu. dpa

Fed-Chef Ben Bernanke bleibt der lockeren Geldpolitik treu.

Düsseldorf, BerlinBen Bernanke sorgt für ungläubiges Staunen, wieder einmal. Jeder, der darauf gehofft hat, dass der Chef der US-Notenbank Fed zur Vernunft kommen würde, ist entsetzt. Denn seit gestern Abend ist klar: Die Welt wird noch lange vom billigen Geld abhängig sein. Allein die Investoren sind begeistert.

„Alles bleibt, wie es war! Die Fed wird den Märkten weiterhin billiges Geld zur Verfügung stellen”, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Helaba in einem Kommentar. „Kurzfristig wird die Entscheidung der Fed die Risikofreude an den globalen Finanzmärkten deutlich erhöhen“, sagte Frank Engels, Portfoliomanager bei Union Investment.

Die Aktienmärkte legten am Donnerstag kräftig zu. In Frankfurt stieg der Dax um mehr als hundert Punkte auf 8750 Zähler – ein neues Allzeithoch. Zuvor hatten bereits die Börsen in New York und Tokio deutlich gewonnen. Die Kurse von Anleihen legten ebenfalls erheblich zu, umgekehrt fielen die Renditen. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen gaben so stark nach wie zuletzt im November 2011.

Heftig fiel die Reaktion auch an den Devisenmärkten aus: Der US-Dollar wertete gegen alle wichtigen Währungen ab. Das britische Pfund, der japanische Yen und der Euro gewannen. Die europäische Gemeinschaftswährung verteuerte sich auf 1,3568 Dollar.

Die Währungen der Schwellenländer, die in den vergangenen Wochen unter Druck geraten waren, reagierten ebenfalls mit kräftigen Kursgewinnen. Die indische Rupie stieg um drei Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als vier Wochen, die indonesische Rupie legte 1,5 Prozent zu. Die türkische Lira zog um drei Prozent an.

Was seit der Lehman-Pleite aus 100.000 Euro wurde

US-Dollar

93.951 Euro

Sparbuch

103.100 Euro

Tagesgeld

107.600 Euro

Zehnjährige US-Staatsanleihe

125.607 Euro

Bondindex Rex

128.958 Euro

Rohöl (Brent)

130.859 Euro

Zehnjährige Bundesanleihe

131.206 Euro

Dax

142.031 Euro

Nikkei-225

147.685 Euro

Dow Jones

173.651 Euro

Gold

180.185 Euro

FTSE China

181.333 Euro

MDax

193.279 Euro

Silber

214.136 Euro

Quelle

Thomson Reuters, FMH; Startdatum: 15. September 2008; in Euro gerechnet. Enddatum: 15. September 2013

Was genau ist passiert?

Vor wenigen Monaten kündigte Bernanke an, dass das Ende des billigen Geldes näher rücke, sobald sich die US-Wirtschaft erhole. Die Investoren stellten sich auf einen schmerzlichen Entzug ein, sie spekulierten bereits auf steigende Zinsen. Weltweit stürzten die Kurse von Aktien und Anleihen ab, besonders heftig erwischte es Schwellenländer wie Indien oder Brasilien. Zugleich ließ die Ankündigung aber darauf hoffen, dass die Welt eines Tages wieder ohne Geldspritzen der Notenbanken auskommen könnte.

Kommentare (35)

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VICTOR_KRUGER

19.09.2013, 14:37 Uhr

Bernanke weiß schon, was er tut.

Nun ist Draghi in Zugzwang.
Mal sehen, wie der Chef der EZB reagiert.

Analyst_des_HB

19.09.2013, 14:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Radek

19.09.2013, 14:48 Uhr

Die deutschen Ökonomen, die Bernanke kritisieren, haben wenig Ahnung. Bernanke und erst recht seine designierte Nachfolgerin, die noch mal eine Schippe d´rauf legen wird, wissen, es gibt keinen Weg zurück, ohne einen Supercrash an den Bösen zu riskieren.

Schon die bekanntgewordene Personalie der FED ,wodurch um ersten Mal eine Frau an die Spitze kommt, hat schon vor der Entscheidung am Mittwoch für die "Eingeweihten" für Klarheit gesorgt, wohin die Reise geht.

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