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11.02.2014

18:57 Uhr

Federal Reserve

Neue Chefin Yellen will Notenpresse drosseln

Bewährungsprobe für Janet Yellen: Mit ihrer Anhörung vor dem US-Kongress stand die neue Fed-Chefin erstmals im grellen Scheinwerferlicht der Finanzwelt. Sorgen um die Unruhen an den Finanzmärkten macht sie sich nicht.

Erster öffentlicher Auftritt als neue Fed-Chefin: Janet Yellen verteidigt am Dienstag die Drosselung der Notenpresse vor dem US-Kongress. dpa

Erster öffentlicher Auftritt als neue Fed-Chefin: Janet Yellen verteidigt am Dienstag die Drosselung der Notenpresse vor dem US-Kongress.

WashingtonDie Aussicht auf Kontinuität in der Geldpolitik der US-Notenbank hat der Wall Street am Dienstag kräftige Gewinne beschert. Aussagen aus der Antrittsrede der neuen Fed-Präsidentin Janet Yellen katapultierten den Dow Jones Industrial zeitweise wieder über die 16 000-Punkte-Marke. Mit plus 1,22 Prozent bei 15 994,77 Zählern schloss der US-Leitindex dann zwar knapp darunter, setzte insgesamt aber seine Mitte der vergangenen Woche gestartete Erholung fort. Der S&P-500-Index stieg um 1,11 Prozent auf 1819,75 Punkte. Der Nasdaq 100 rückte ebenfalls um 1,11 Prozent vor und schloss bei 3621,72 Punkten.

„Der Markt mag Beständigkeit, und was gesagt wurde, ist konsistent mit dem, was wir seit Monaten gehört haben“, begründete ein Börsianer die sehr positive Stimmung am Aktienmarkt.

Yellen, die an diesem Tag dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses Rede und Antwort gestanden hatte, versprach in Sachen Geldpolitik „große Kontinuität“. Die milliardenschweren Wertpapierkäufe, mit der die Fed die Wirtschaft anschieben will, würden „in maßvollen Schritten“ weiter verringert, soweit sich die konjunkturelle Erholung fortsetze, hieß es. Die Geldpolitik der Fed werde aber noch lange nach Einstellung der Wertpapierkäufe locker bleiben. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sagte die neue Fed-Chefin Yellen, dass mehr getan werden müsse, um ihn zu unterstützen.

Bewegung scheint es auch beim Thema Erhöhung der Schuldenobergrenze zu geben. Nach einem Bericht der „Washington Post“ zeichnet sich eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten ab. Abgeordnete der Republikaner wollten das Schuldenlimit für ein Jahr erhöhen, hieß es in der Zeitung.

Refinanzierungsbedarf der größten Staaten der Welt 2014

USA

Fällige Bonds: 3,1 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 218 Milliarden Dollar

Japan

Fällige Bonds: 2,4 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 87 Milliarden Dollar

Italien

Fällige Bonds: 468 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 79 Milliarden Dollar

Frankreich

Fällige Bonds: 410 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 61 Milliarden Dollar

Deutschland

Fällige Bonds: 268 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 39 Milliarden Dollar

Kanada

Fällige Bonds: 248 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 13 Milliarden Dollar

Großbritannien

Fällige Bonds: 181 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 75 Milliarden Dollar

China

Fällige Bonds: 143 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 58 Milliarden Dollar

Brasilien

Fällige Bonds: 121 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 24 Milliarden Dollar

Indien

Fällige Bonds: 85 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 47 Milliarden Dollar

Russland

Fällige Bonds: 10 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 11 Milliarden Dollar

Neben Yellens Rede standen einige Unternehmen besonders im Blick. Der Mobilfunkkonzern Sprint hatte im vierten Quartal 2013 erheblich besser abgeschnitten als erwartet, was der Aktie zu einem Plus von 2,73 Prozent verhalf. Seit dem Abschalten des Nextel-Netzes im Sommer vergangenen Jahres hatte Sprint zwar Kunden eingebüßt, mit 69 000 waren es im vierten Quartal allerdings weit weniger gewesen als befürchtet.

Die Papiere der Börse IntercontinentalExchange (ICE) stiegen nach Vorlage ihrer Quartalsbilanz um gut 2 Prozent. Der Börsenbetreiber, der im November den Kauf der NYSE Euronext samt deren europäischer Derivatenbörse Liffe abgeschlossen hatte, hatte im vierten Quartal ein höheres Ergebnis je Aktie eingefahren als von Analysten erwartet worden war. Die ICE will zudem die europäische Euronext wieder an die Börse bringen. Der Börsengang sei „auf Kurs“, teilte die auf den Rohstoffhandel ausgerichtete ICE mit. Details wurden allerdings nicht genannt.

Im Dow war das Papier von Cisco Systems der einzige Verlierer. Es gab vor der Vorlage von Quartalszahlen an diesem Mittwoch um 0,53 Prozent nach.

Die Apple-Aktien gewannen im Nasdaq-Auswahlindex 1,32 Prozent. Am Mannheimer Landgericht ist der Prozess um eine Milliardenforderung des deutschen Patentverwerters IPCom gegen den iPhone-Hersteller gestartet. Die Zivilkammer wird zunächst über eine mögliche Verletzung des Patents befinden. Erst danach könne gegebenenfalls auch die Höhe des Schadenersatzanspruchs zum Gegenstand der Verhandlung vor dem Landgericht werden, hieß es.

Der Euro geriet nach den Aussagen von Yellen unter Druck und stand zum Handelsschluss an der Wall Street bei 1,3637 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,3676 (Montag: 1,3638) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7312 (0,7332) Euro. Am US-Rentenmarkt sanken richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen um 15/32 Punkte auf 100 7/32 Punkte und rentierten mit 2,725 Prozent.

Von

dpa

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