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09.07.2012

11:22 Uhr

Fehlkauf

Buffett liegt mit General Motors ziemlich daneben

Der US-Milliardär Warren Buffett ist bekannt für seinen guten Riecher. Doch diesmal langte er ziemlich daneben. Er kaufte ein großes Aktienpaket von General Motors - kurz danach gab der Kurs deutlich nach.

Die Investmentholding von Warren Buffett kaufte das bislang größtes Aktienpaket von GM kurz bevor die Titel des Autokonzerns um 16 Prozent absackten dpa

Die Investmentholding von Warren Buffett kaufte das bislang größtes Aktienpaket von GM kurz bevor die Titel des Autokonzerns um 16 Prozent absackten

Buffett hat sich einen Ruf damit aufgebaut, dass er in unterbewertete Aktien investiert. Dank dieser Strategie ist er zu einer der reichsten Männer der Welt geworden. Doch vor Fehlentscheidungen schützt das ihn und seine Holding Berkshire Hathaway nicht.

Anfang Februar kaufte Berkshire 8,47 Millionen Aktien des Autobauer General Motors. Der Durchschnittspreis lag bei 24,35 Dollar. Mitte des Monats erstand Buffett weitere 1,53 Millionen GM-Aktien für durchschnittlich 25,46 Dollar, wie Daten der National Association of Insurance Commissioners (NAIC) hervorgeht.

Am Freitag schloss die Aktie bei 20,31 Dollar, deutlich unter dem Einkaufspreis. Berkshire hatte zwar schon im Mai bekannt gegeben, dass die GM-Beteiligung aufgebaut wurde, der Preis und der Zeitraum wurden jedoch nicht genannt. Insgesamt ist durch diese Investments bis heute ein Verlust von 40 Millionen Dollar entstanden - sofern die Aktien nicht in der Zwischenzeit verkauft wurden.

Experten rechnen nicht damit, dass Buffett nun verkaufen wird. Im Gegenteil. "Wenn überhaupt, würde ich darauf wetten, dass sie weiter einkaufen, wenn sie Vertrauen in ihr Investment haben”, sagt Tom Lewandowski, Analyst bei Edward Jones.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

“Es ist wahrscheinlich der Vorteil des Berkshire-Modells, dass sie sich nicht auf” kurzfristige Ergebnisse konzentrieren müssen, sagt Meyer Shields, ein Analyst von Stifel Nicolaus. “Die langfristige Bilanz bei Aktien ist recht gut. Wenn man also in der Position ist, deutlich mehr an Markt-Fluktuation als so ziemlich jeder andere Investor aushalten zu können, dann dürfte man dazu in der Lage sein, zu profitieren.”

Kommentare (9)

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Pinus

09.07.2012, 11:58 Uhr

Buffett freut sich wahrscheinlich, dass er seine Beteiligung nun zu einem günstigeren Preis erweitern kann. Nach gerade einmal fünf Monaten den Erfolg eines langfristigen Investments zu beurteilen zeugt von äusserst beschränktem Verständnis von Berkshires Strategie.

sagler

09.07.2012, 13:01 Uhr

Wenn jemand so einen Artikel verfasst, ist entweder von Neid zerfressen, oder hat ncht ansatzweise vestanden, wie Buffett sein Vermögen aufgebaut hat und welche Ansätze er dabei verfolgt..

BGC

09.07.2012, 13:30 Uhr

- 81 Mrd Anlagevermögen in Aktien
- 250 Mio GM
- Verlust ca 0.062% auf das Anlagevermögen

= Sensation oder Alarmistische Überschrift an einem Tag ohne Eurorettung oder Eurokrisenverschärfung?

Long Berkshire.

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