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03.01.2007

07:00 Uhr

Festverzinsliche Wertpapiere

Laufzeiten: In der Kürze liegt die Würze

VonAndrea Cünnen

Seit Jahren empfehlen Anleihestrategen bei festverzinslichen Wertpapieren auf kurze Laufzeiten zu setzen. Das mag man fast nicht mehr hören, vor allem deshalb, weil die Strategen bis vor einem Jahr damit falsch lagen. Doch das Blatt hat sich gewendet.

FRANKFURT. In der Kürze liegt die Würze, und Anleger sollten bei Anleihen vor allem Laufzeiten von maximal drei Jahren kaufen.

2006 war das erste Jahr seit 1999, in dem Investoren mit langlaufenden Staatsanleihen Schiffbruch erlitten. Die Kurse sanken und fraßen die durchschnittlichen Zinserträge auf. Unter dem Strich machten Anleger deshalb mit den Staatsanleihen aus dem Euro-Raum mit Laufzeiten ab zehn Jahren einen Verlust von 3,7 Prozent. Bei Anleihen mit Fälligkeit in ein bis drei Jahren blieb dagegen unter dem Strich immerhin ein mageres Plus von 1,7 Prozent.

Zwar steigen die Renditen von Kurzläufern seit dem Herbst 2005, in dem sich langsam die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) ankündigten, mehr oder weniger stetig. Das geht natürlich mit Kursverlusten einher, die fallen aber weniger stark aus als bei Langläufern, weil das Kapital nicht so lange gebunden ist. Dieses Szenario sollte sich auch in diesem Jahr – in abgeschwächter Form – fortsetzen.

Die EZB hat seit Dezember 2005 die Leitzinsen in sechs Schritten von zwei auf aktuell 3,50 Prozent erhöht, und Volkswirte rechnen mit noch ein bis zwei weiteren Anhebungen in diesem Jahr. Zweijährige Bundesanleihen werfen aber jetzt schon 3,87 Prozent Rendite ab und damit so viel wie zuletzt im Juli 2002 als der Schlüsselzins im Euro-Raum bei 3,25 Prozent lag. Die Renditeanstiege der Kurzläufer dürften sich somit in Grenzen halten.

Auch bei zehnjährigen Anleihen rechnen Strategen auf Sicht der kommenden zwölf Monate mit weniger deutlichen Renditeanstiegen und Kursverlusten als 2006. Dennoch ergibt ein Engagement in zehnjährigen Staatsanleihen kaum noch Sinn – das gilt besonders für Privatanleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten. Der Grund: Die Renditeunterschiede sind verschwindend gering, von daher wird eine längere und damit mit Blick auf zum Beispiel die Inflationsentwicklung riskantere Anlage nicht entlohnt. Zehnjährige Bundesanleihen werfen gerade mal 0,05 Prozentpünktchen mehr Rendite ab als Zweijährige.

In diesem Jahr könnte die so genannte Zinskurve wie schon im November 2006 invers werden, dann bringen kurze Laufzeiten mehr Rendite als lange. Hauptgrund für diese Konstellation ist, dass sich die ein- bis dreijährigen Anleihen an der Zinspolitik der EZB orientieren. Langlaufende Anleihen im Euro-Raum hängen dagegen an der Entwicklung der US-Bonds. Und in den USA hält sich noch die Hoffnung auf erste Zinssenkungen in diesem Jahr. Die Zinskurve in den USA ist schon lange invers, auch dort sind Bonds mit kurzer Laufzeit deshalb die erste Wahl.

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