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03.06.2015

11:53 Uhr

Fifa drückt Börse

Blatter-Rückzug lässt Aktienkurse in Katar stürzen

Die Kurse an der katarischen Börse sind am Mittwoch eingebrochen. Die Investoren fürchten, dass der Rückzug von Fifa-Präsident Joseph Blatter den Verlust der für 2022 im Land geplanten Weltmeisterschaft bedeuten könnte.

Blatters Rücktritt reicht nicht

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DohaKatarische Aktien sind nach dem ankündigten Rücktritt von Fifa-Präsident Joseph Blatter am Mittwoch gefallen. Die Enstscheidung des Chefs des Weltfußball-Verbandes weckte Sorgen, dass der Golfstaat das Austragungsrecht an der Fußball-WM im Jahr 2022 verlieren könnte.

Der QE Index fiel um bis zu 3,2 Prozent, der höchste Verlust an einem Tag seit März, bevor er einen Teil der Verluste wieder wettmachte. Blatter hatte am Dienstagabend seinen Rücktritt angekündigt – eine Woche nachdem US-Ermittler und Schweizer Behörden Ermittlungen gegen Fifa-Offizielle eingeleitet hatten. Die Schweizer Behörden prüfen die Rechtmäßigkeit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar.

„Derzeit entwickelt sich der Markt in Korrelation zu Nachrichten von der Fifa“, sagte Tariq Qaqish, ein Fondsmanager von Al Mal Capital PSC in Dubai. „Es gibt zwar keine wirkliche Bestätigung, dass ein neuer Präsident den Verlust des Gastgeberrechts bedeuten könnte, aber die Unsicherheit schafft eine Menge Sorgen und drückt den Markt.“

Katar gibt umgerechnet etwa 180 Milliarden Euro aus für Infrastrukturprojekte in Vorbreitung auf das weltweit von den meisten Fernsehzuschauern verfolgte Ereignis. Die Wahl Katars hatte eine Kontroverse ausgelöst, da es dem Land an Fußball-Tradition mangelt und dort im Juni und Juli extrem hohe Temperaturen herrschen – also in den Monaten, in denen das Turnier eigentlich veranstaltet wird. Die Fifa hatte unter Blatter den Termin auf kühlere Monate verschoben, was viele Fußball-Verbände zur Reorganisation ihrer Terminpläne zwingt.

Um 11 Uhr Ortstzeit lag der Aktienmarkt in Katar 1,3 Prozent im Minus bei 12.029 Punkten. Ein Sprecher des katarischen WM-Organisationskomittee wollte keine Stellung nehmen zum Blatter-Rücktritt. Er sagte lediglich, dass dies eine andere Angelegenheit als die des Gastgeberrechts sei.

Die Anklagepunkte gegen die Fifa-Funktionäre

Copa Americà

1986 erwirbt das Unternehmen Traffic Brazil die weltweiten Vermarktungsrechte für die Südamerika-Meisterschaft. Fünf Jahre später fordert CONMEBOL-Präsident Nicolas Leoz für eine Vertragsverlängerung eine sechsstellige Summe an Schmiergeld. Ein namentlich nicht genannter Mitverschwörer (#2) veranlasst die Zahlung einer sechsstelligen Summe in US-Dollar auf ein Konto, das Leoz zugeschrieben wird. Bis 2011 erhält Leoz Zahlungen für jede Auflage des Turniers, diese erhöhen sich jedes Mal und erreichen einen Millionenbetrag. Für die weltweiten Vermarktungsrechte der vier Copa Americas von 2015 an werden bereits insgesamt Schmiergelder in Höhe von 110 Millionen an elf CONMEBOL-Offizielle vereinbart.

Gold Cup

Mit Hilfe des gleichen Mit-Verschwörers (#2) wird ein System wie bei der Copa America aufgebaut. Traffic USA erwirbt von 1996 an für fünf Auflagen auch die Vermarktungsrechte der Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft. Bis zum Turnier 2003 fließen Hunderttausende Dollar an Schmiergeldzahlungen an CONCACAF-Präsident Jack Warner. Diese werden ebenfalls versucht, über Mittelsmänner zu verschleiern. Warners Nachfolger Jeffrey Webb erhält 1,1 Millionen für seine Zusage der Rechte am Gold Cup und CONCACAF Champions League 2012 an Traffic USA. Für die Turniere im folgenden Jahr sind es bereits zwei Millionen.

Copa Libertadores

Rund um 2000 hält Leoz auch hier die Hand auf und bekommt von einem Mit-Verschwörer (#5) einer Sport-Marketing-Agentur Schmiergeld- und Kickback-Zahlungen für die Werberechte an der südamerikanischen Vereins-Königsklasse. 2006 weist Leoz #5 an, aus dem Werbekontrakt mit dem CONMEBOL mehr als zwei Millionen US-Dollar auf persönliche Konten in Schweiz und Paraguay zu lenken.

Brasilianische Nationalmannschaft

Ein multinationaler Sport-Ausrüster aus den USA erwirbt 1996 die Ausrüsterrechte für zehn Jahre für 160 Millionen US-Dollar. Der Ausrüster stimmt zu, weitere 40 Millionen an eine Tochter von Traffic Brasil zu zahlen. Die Hälfte fließt als Schmiergeld von Mit-Verschwörer (#2) an eine weitere namentlich nicht genannte Person. 2002 wird der Ausrüstervertrag vorzeitig aufgelöst.

WM-Vergabe 2010

CONCACAF-Präsident Warner berichtet einem Mitverschwörer, dass hohe FIFA-Offizielle, die südafrikanische Regierung und das südafrikanische Bieter-Komitee bereit seien, eine Zahlung von Südafrikas Regierung in Höhe von 10 Millionen Dollar an den CFU zu arrangieren. Diese soll „die afrikanische Diaspora unterstützen“. Mitverschwörer #1 versteht, dass Warner, er selbst und Mitverschwörer #17 für Südafrika als Gastgeber der WM 2010 stimmen sollen. Warner deutet an, dass er das Angebot akzeptiert und sagt Mitverschwörer #1 zu, eine Million Dollar weiterzureichen.

Die südafrikanische Regierung soll die Zahlungen daraufhin jedoch nicht direkt aus Regierungstöpfen vornehmen können. In drei Margen weist ein hochrangiger FIFA-Funktionär an, dass zehn Millionen Dollar von einem FIFA-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto fließen. Das Geld landet schließlich auf Konten im Namen der Karibischen Fußball-Union CFU und CONCACAF, kontrolliert von Warner, in Trinidad und Tobago. Durch Geldwäsche bei Mittelsmänner fließen Teile des Geldes schließlich zu Unternehmen in Trinidad und Tobago sowie Warners Privatkonten. Mit-Verschwörer #1 erhält mehr als 750.000 Euro von Warner.

Fifa-Präsidentschaftswahl 2011

Mit-Verschwörer #7, ein hoher Funktionär der FIFA und des asiatischen Verbands AFC, erklärt 2011 seine Kandidatur für das FIFA-Präsidentenamt. Ende April fließen 363 537,98 Dollar von einem Konto, das Mit-Verschwörer #7 kontrolliert auf ein Konto des CFU, das Warner kontrolliert. Im Mai stellt #7 den CFU-Verbänden seine Kandidatur vor, Warner sagt den Funktionären, dass sie sich ein „Geschenk“ abholen könnten. Die Repräsentanten erhalten jeweils einen Umschlag mit 40 000 US-Dollar. Nachdem das System aufliegt und Warner von seinen Posten zurücktritt, veranlasst Mit-Verschwörer #7 eine Zahlung von mehr als 1,2 Millionen Dollar auf ein Konto, das Warner kontrolliert.

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