Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2016

13:57 Uhr

Finanzagentur des Bundes

Erste zehnjährige Bundesanleihe mit Nullzins

Der Bund bietet am Mittwoch die derzeit heiß begehrten zehnjährigen Bundesanleihen zum ersten Mal ohne Zinszahlungen an. Ein Sprecher der Finanzagentur äußerte sich auch zu negativen Zinskupons.

Ein Schild mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ vor einem Bürogebäude in Frankfurt am Main. Zum ersten Mal bringt die Behörde eine zehnjährige Bundesanleihe mit einem Zinskupon von null Prozent auf den Markt. dpa

Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland

Ein Schild mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ vor einem Bürogebäude in Frankfurt am Main. Zum ersten Mal bringt die Behörde eine zehnjährige Bundesanleihe mit einem Zinskupon von null Prozent auf den Markt.

BerlinDer deutsche Staat bietet Investoren erstmals eine zehnjährige Bundesanleihe ohne Zinszahlungen an. Die bis August 2026 laufende Anleihe soll am Mittwoch versteigert werden und bis zu fünf Milliarden Euro für die Staatskasse einbringen, kündigte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur am Dienstag an.

Das Papier ist mit einem Kupon von 0,00 Prozent zur Auktion ausgeschrieben - der Bund bietet Anlegern also keinerlei Zinsen. Die zuvor im Januar neu begebene zehnjährige Bundesanleihe war noch mit einem Kupon von 0,5 Prozent versehen, der bislang höchste Zinskupon wurde 1981 mit 10,75 Prozent festgesetzt.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die Finanzagentur folgt damit der Entwicklung an den Märkten: Dort rentiert die zehnjährige Bundesanleihe derzeit mit etwa minus 0,16 Prozent. „Wir werden keine negativen Zinskupons einführen“, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Die fünfjährige Bundesanleihe wurde erstmals Anfang 2015 mit einem Zinskupon von null Prozent angeboten, die zweijährige sogar schon im Mai 2012.

Hinter der jüngsten Entwicklung steckt die Europäische Zentralbank (EZB), die seit einiger Zeit in großem Stil Staatsanleihen am Markt aufkauft und dadurch die Zinsen drückt. Zudem flüchten Anleger angesichts des Brexit-Votums der Briten in „sichere Häfen“. Bundesanleihen sind deshalb heiß begehrt: Sie gelten bei Experten als nahezu risikoloses Investment, weil Deutschland pünktlich zurückzahlt und von allen großen Ratingagenturen mit der höchsten Bonitätsnote „AAA“ bewertet wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wiederum finanziert mit den Papieren den gut eine Billion Euro großen Schuldenberg des Bundes.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×