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27.02.2017

17:04 Uhr

Finanzinvestoren

Deutsche Unternehmen im Fokus

Versicherer, Pensionsfonds und reiche Privatanleger haben der Beteiligungsbranche Milliarden anvertraut, die sie möglichst lukrativ investieren soll. Dabei rückt der deutsche Markt in den Blickpunkt.

Der größte Deal von Private-Equity-Firmen war 2016 die Übernahme des Immobilienunternehmens OfficeFirst mit dem Büro- und Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen durch den US-Investor Blackstone für 3,3 Milliarden Euro. dpa

Private-Equity

Der größte Deal von Private-Equity-Firmen war 2016 die Übernahme des Immobilienunternehmens OfficeFirst mit dem Büro- und Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen durch den US-Investor Blackstone für 3,3 Milliarden Euro.

BerlinDeutsche Unternehmen rücken nach dem Brexit-Votum noch mehr in den Blick internationaler Finanzinvestoren. Im vergangenen Jahr kauften Beteiligungsgesellschaften nach Daten der Beratungsfirmen PwC und Bain Capital für rund 25 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu und gaben damit gut 80 Prozent mehr für Firmen-Übernahmen aus als 2015.

In ganz Europa stagnierte das Volumen dagegen. „Durch das Brexit-Referendum hat der ohnehin boomende deutsche Markt noch einmal einen zusätzlichen Schub bekommen, sagte Private-Equity-Experte Steve Roberts von PwC am Montag auf dem Branchenkongress „Super Return in Berlin. Immer mehr Private-Equity-Firmen balgten sich um deutsche Unternehmen. Das werde die Preise weiter steigen lassen.

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Bei Beteiligungsfonds für Firmenkäufe herrscht Hochstimmung. Die Branche sitzt weltweit auf einem Rekord-Geldberg. Doch bei den Kapitalgebern für Gründer ist die Euphorie verflogen.

„Ich bin besorgt, was die Preise angeht. Wie weit kann das gehen? Aber ich würde mich immer für Deutschland entscheiden, bringt Ron Ayles, dessen Arbeitgeber Advent gerade gegen Bain Capital und Cinven um den hessischen Arzneimittel-Hersteller Stada buhlt, die Stimmungslage in der Branche auf den Punkt. Für Stada könnten sie einschließlich Schulden am Ende bis zu fünf Milliarden Euro zahlen. Im vergangenen Jahr war die 3,3 Milliarden schwere Übernahme des Immobilienkonzerns OfficeFirst („The Squaire) durch den US-Investor Blackstone die größte Akquisition eines Finanzinvestors in Deutschland.

„Es kommen viele neue Investoren nach Deutschland. Wenn sie heute ein Unternehmen für 300 Millionen Euro verkaufen wollen, schauen sich das 50 Private-Equity-Firmen an - vor zehn Jahren waren es vielleicht 20, sagt Ken-Oliver Fritz, Deutschland-Co-Chef der Investmentbank Lazard. Die Folge: "Der Wettbewerbsdruck dürfte in diesem Jahr noch einmal zunehmen - auch und gerade auf dem deutschen Markt, erwartet PwC-Experte Roberts.

Aggressive Strategie

Der Druck kommt von den Anlegern: Versicherer, Pensionsfonds und reiche Privatanleger haben der Beteiligungsbranche Milliarden anvertraut, die sie möglichst lukrativ in den Kauf und Weiterverkauf von Unternehmen investieren soll - weltweit allein im vergangenen Jahr 589 Milliarden Dollar.

Die Berater von Bain & Company schätzen, dass die Fonds auf rund einer halben Billion Dollar sitzen, für die sie noch keine Verwendung gefunden haben. Daher fahren sie eine aggressivere Strategie. „Heute geht man bewusst mehr Risiko ein. Lieber setzt man eine Übernahme in den Sand, als auf Dauer zu wenig zu investieren, sagt Lazard-Deutschland-Co-Chef Eric Fellhauer.

Die Bewertungen seien – gemessen am operativen Ergebnis – so hoch wie: Investoren seien bereit, mehr als das Zehnfache des Ebitda zu zahlen, sagt Bain-Experte Rolf-Magnus Weddigen. Das bringt sie aber noch mehr unter Druck: „Je höher die Bewertung beim Einstieg, desto schwieriger ist es für Private-Equity-Fonds, die Renditeerwartungen ihrer Investoren zu erfüllen.

Dann müsse man eben operativ mehr Wert schaffen, fordert Advent-Manager Ayles. Nach einer Umfrage des deutschen Branchenverbands BVK erwarten die Private-Equity-Manager, dass die Bewertungen in diesem Jahr nicht weiter steigen.

Oft kaufen sie mangels anderer verfügbarer Ziele von anderen Private-Equity-Fonds - zu höheren Preisen, mit höheren Schulden. Permira-Chef Jörg Rockenhäuser sieht hier aber eine Trendwende: Wir erwarten 2017 mehr Abspaltungen von Großkonzernen, mehr Fälle, in denen Finanzinvestoren Unternehmen von der Börse nehmen. Dabei machen sich viele Private-Equity-Firmen auf anziehende Zinsen und den nächsten Konjunkturabschwung gefasst. Es wird eine Zeit kommen, in der die Zinsen wieder steigen. Und das wird hart für uns, unkt Till Burges von Harbourvest. Gerade deswegen seien deutsche und Schweizer Unternehmen gefragt, sagt Bain-Experte Weddigen. Diese Unternehmen haben wiederholt bewiesen, wie gut sie weltwirtschaftliche Herausforderungen bewältigen.

Von

rtr

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