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10.09.2014

19:08 Uhr

Finanzkreise

TLG Immobilien vor Börsengang?

Offenbar plant das Unternehmen TLG Immobilien den Gang an die Börse. Das berichten Finanzkreise. Erster Handelstag könnte schon in vier Wochen sein. Zum TLG-Portfolio gehören auch bedeutende Bauten in Berlin und Dresden.

Die TLG Immobilien GmbH hat ihren Sitz in Berlin und Niederlassungen in Rostock und Dresden. dpa

Die TLG Immobilien GmbH hat ihren Sitz in Berlin und Niederlassungen in Rostock und Dresden.

Frankfurt am MainNach Zalando und Rocket Internet steht Finanzkreisen zufolge nun auch TLG Immobilien in den Startlöchern für einen Börsengang. Das Unternehmen werde seine Pläne wohl in der kommenden Woche offiziell machen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

In der Regel sind es danach noch etwa vier Wochen bis zum ersten Handelstag. Der Eigner der ostdeutschen Gewerbeimmobilienfirma, der Finanzinvestor Lone Star, werde zunächst Aktien im Volumen von rund 500 Millionen Euro platzieren, berichteten die Insider.

Inklusive Schulden liegt der Wert der Immobiliengesellschaft bei etwa 1,5 Milliarden Euro.

Lone Star und die den Börsengang begleitenden Banken UBS und JP Morgan wollten sich zur Sache nicht äußern. Bei der TLG war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Lone Star hatte die TLG vor knapp zwei Jahren vom Bund gekauft. Der Wohnungsbestand der ehemaligen Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) war zuvor an die Hamburger TAG Immobilien gegangen, die sich auf billigen Wohnraum spezialisiert hat.

Zu dem gewerblichen TLG-Portfolio, das Lone Star geschluckt hat, gehören rund 800 Büros, Einzelhandelsimmobilien und Hotels in Städten wie Berlin, Dresden und Rostock. Aushängeschilder sind die Berliner „Kulturbrauerei“ und das „Zwinger-Forum“ in Dresden.

Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen käme der Teilausstieg von Lone Star über die Börse nun zwar vergleichsweise schnell. Doch der Finanzinvestor wolle das günstige Marktfenster und die starke Nachfrage nach Immobilien in Deutschland für sich nutzen, hieß es.

In dieser Woche hatte Rocket Internet ihre Börsenpläne offiziell gemacht, eine Holding junger Internet-Unternehmen, hinter der die Samwer-Brüder stehen. Das Schwester-Unternehmen Zalando kündigte sein Initial Public Offering (IPO) bereits in der vergangenen Woche an. Alle streben an die Frankfurter Börse, die sich auf einen heißen Herbst einstellen kann.

Von

rtr

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