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23.07.2012

17:30 Uhr

Finanzmärkte

Alles muss raus

Die Euro-Krise schlägt voll auf die Finanzmärkte durch. Der Euro droht unter 1,20 Dollar zu rutschen, die Aktienkurse geben kräftig nach. Am härtesten trifft es die Papiere der Banken. Der Schlussverkauf hat begonnen.

Händler an der Börse Frankfurt. dpa

Händler an der Börse Frankfurt.

Am Nachmittag bekommt der Dax einen Schlag und sackt in sich zusammen. Als klar wird, dass auch die New Yorker Wall Street mit Kursverlusten in den Handel starten würde, werfen immer mehr Investoren an den europäischen Börsen ihre Aktien auf den Markt. Der Dax verliert zuletzt mehr als drei Prozent, der Index für europäische Standardwerte, der Euro Stoxx 50, schneidet kaum besser ab. Auch er rutscht mehr als drei Prozent ab.

Investoren in aller Welt fürchten um den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone - und um die Finanzstabilität Spaniens.
Noch stärker erwischt es die Börsen in Madrid und Mailand, wo die Leitindizes um 3,1 und 3,9 Prozent absackten. Der spanische Ibex markiert mit 5905 Zählern den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Nicht nur Aktien, auch Anleihen werden eilig verkauft. Die Renditen für spanische Bonds etwa steigen zeitweise auf ein neues Allzeithoch bei mehr als 7,5 Prozent. Wenn das so weiter geht, wird Spanien nicht mehr lange für seinen riesigen Schuldenberg zahlen können. Der Euro rutscht erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 1,21 Dollar.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

"Es braut sich was zusammen", schreiben die Analysten der Metzler-Bank. "Die Nerven der Akteure dürften in den kommenden Tagen erneut auf eine harte Probe gestellt werden." Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank meint sogar: "Der K.O. der Eurozone ist zunehmend eine Frage des Zeitpunkts und weniger des 'Ob'." Seine Bank habe das Risiko des Scheiterns der Eurozone zuletzt auf 20 Prozent beziffert. "Nach den jüngsten Entwicklungen liegt dieses Risiko jenseits der 40-Prozent-Marke mit zunehmender Tendenz."

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Die Investoren fürchten um die Stabilität von Griechenland und Spanien. Am stärksten bekommen das die Aktien der Banken zu spüren. Niemand will sie mehr im Depot haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht bereit, Griechenland nochmals Finanzhilfen zu gewähren. Da Athen aber wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung keine Prognose über einen Verbleib der Griechen in der Euro-Zone abgeben. Wirtschaftsminister Philipp Rösler gibt dem Land dagegen kaum noch Chancen dafür. Am Dienstag wird die Troika aus EZB, IWF und EU in Athen zur Prüfung der bisherigen Sparanstrengungen erwartet. Griechenland wartet derzeit nach Angaben aus dem deutschen Finanzministerium auf die Freigabe einer weiteren Tranche von gut 31 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfeprogramm.

Der Volatilitätsindex VDax, der sogenannte Angstindex der Frankfurter Börse, klettert um bis zu 33 Prozent in die Höhe auf ein Fünf-Monats-Hoch von 28,98 Punkten. Das ist das größte Tagesplus seit der Atom-Katastrophe von Fukushima Katastrophe im März 2011. Sein pan-europäisches Pendant, der VStoxx, stieg am Montag ebenso wie der US-amerikanische Vix um gut 25 Prozent.

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In Spanien breitet sich die Finanzkrise unterdessen immer weiter aus. Nach Valencia muss nun offenbar bald auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten, wie am Sonntag bekannt wurde. Laut Händlern wird spekuliert, dass Spanien doch noch unter den Rettungsschirm springen muss. Bisher will die Regierung in Madrid lediglich für ihre Banken Hilfsgelder der Euro-Partner annehmen.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

23.07.2012, 15:50 Uhr

LOL, das war noch garnix....das Beste kommt ja noch.

Account gelöscht!

23.07.2012, 16:07 Uhr

Spanien-10jährige Zinsen seit Stunden flach um 7,5%, sieht schwer nach Zentralbank-Intervention aus. Aber der Mario Printi hat wohl dazugelernt, diesmal nicht mit dem Vorschlaghammer punktuell, diesmal mit der Dampfwalze alle Gebote flach abwalzend?

Nachgedacht

23.07.2012, 16:08 Uhr

Jetzt schlägt die Stunde der sogenannten " Schwarzmaler " , Pessimisten oder Verschwörungstheoretiker.

Was werde ich doch seit 2-3 Jahren von meinem Umfeld verlacht und verspottet wegen meiner Prognosen zum Fiat Money , Kaufkraftverlust und dem Tod alledem was in Papier investiert ist.

Jetzt lehne ich mich zurück und geniesse die Rasur und Schur der gefälligen Systemschafe.

Ihr Gezetere und ihr Blöken ist mir ein Jungbrunnen.

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