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01.01.2010

08:00 Uhr

Finanzmärkte

Angst vor der Staatspleite geht um

VonDirk Heilmann

Die Finanzmärkte werden 2010 ihre Aufmerksamkeit den Staatsfinanzen und der Gefahr hoher Inflationsraten zuwenden. Wenn die Zinsen steigen, wird es ungemütlich für die Regierungen.

Geschlossenes Kleidungsgeschäft in Athen. Zweifel an Griechenlands Finanzen wecken Ängste vor dem einem Staatsbankrott. dpa

Geschlossenes Kleidungsgeschäft in Athen. Zweifel an Griechenlands Finanzen wecken Ängste vor dem einem Staatsbankrott.

DÜSSELDORF. Ein Gespenst geht um auf den Finanzmärkten - das Gespenst des Staatsbankrotts. Die Zweifel an der Bonität Griechenlands schickten zum Jahresschluss Schockwellen durch die Märkte. Doch bisher seien das nur Vorboten kommender Turbulenzen, warnen Ökonomen. Die Angst vor der Staatspleite löst die Angst vor der Bankenpleite ab.

"Griechenland war nur ein Vorgeschmack auf das, was auf andere Länder zukommen wird", prophezeit Joachim Fels, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Morgan Stanley. "Die Finanzmärkte werden 2010 das Thema Staatsbankrott und damit das Thema Inflation spielen." Das sind höchst ungemütliche Aussichten für die Regierungen der westlichen Industriestaaten: Kaum haben sie den Flächenbrand Finanzkrise unter Kontrolle, droht neue Gefahr.

Regierungen haben in der Not Billionenrisiken übernommen

Heraufbeschworen haben sie das selber. Um einen Kollaps des Weltfinanzsystems zu vermeiden, haben Regierungen und Notenbanken seit Herbst 2008 den Banken faule Kredite und riskante Wertpapiere in Billionenhöhe abgenommen, die Märkte mit billigem Geld geflutet und Rekordkonjunkturpakete geschnürt, um die Realwirtschaft aus ihrer Schockstarre zu befreien

.

So haben sie eine weltweite Depression vermieden - und sich selber in eine Falle manövriert. Ein zu rascher Ausstieg aus der lockersten Geldpolitik aller Zeiten droht eine neue Welle von Bankenpleiten auszulösen. Zugleich ist noch nicht abzusehen, wann die Realwirtschaft ohne die weitere Zufuhr von Konjunkturstützen wachsen kann.

Rasanter Anstieg der Staatsverschuldung

Noch nie ist die Staatsverschuldung in so vielen Ländern gleichzeitig in so kurzer Zeit so extrem gestiegen. Irland etwa rutscht von einem Haushaltsüberschuss in ein Defizit von fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ähnliche Höhen erreichten die USA und Großbritannien. Deutschland bewegt sich in Richtung eines Defizits von sechs Prozent und eines Schuldenbergs von 80 Prozent des BIP und steht damit noch geradezu solide da.

Kommentare (10)

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Manfred

01.01.2010, 15:44 Uhr

Die gesamte Entwicklung ist doch langweilig.Weil die Geschichte beweist,daß alles schon mehrfach erlebt wurde.Enden wird das (wie immer) in einer Währungsreform.Mit allen Mitteln wird versucht dieser selbst verschuldeten Situation zu entrinnen.Die Notenbanken stellen den Staaten (Schuldnern) jede gewünschte Summe zur Verfügug,natürlich neu gedrucktes Geld.Das tun die banken, obwohl sie wissen diese Gelder niemehr zurück zu erhalten. Das ist doch alles Wahnsinn, beweist aber die Hilf und Ausweglosigkeit.

k.-h.

01.01.2010, 17:48 Uhr

Die investmentbanker insbesondere haben - natürlich - das interesse, im Neuen Jahr ein neues Spiel zu spielen. Sie werden sich bereits oder in den nächsten Wochen darauf eingestellt haben, "baisse" zum nächsten profitablen Geschäft zu erheben. So wie sie ab Frühjahr 2009 die Propagandamaschine auf Hausse laufen ließen - und von den Kollegen bei FED und Government dabei liquide unterstützt wurden - läßt sich Geld stets auch mit dem Gegenteil verdienen. So ist das Leben und es ist gut so - doch nicht so ganz, wenn der Öffentlichkeit gewisse Details vorenthalten werden. Auf diese Weise arbeiten gewisse Leute daran, sich und ihre Arbeitgeber abzuschaffen, bzw. schwerst zu beschädigen. Und dann ist das gar nicht mehr gut. Die Linie zwischen intelligentem Geschäft und bloßer Ausnutzung der Allgemeinheit ist dünn und seit dem Subprime-behaverioual-Disturbance sehr brüchig.

Jonas

01.01.2010, 18:30 Uhr

Die Analyse ist falsch.
Griechenland hat seinen banken gar nicht so viele Milliarden abgenommen, die Probleme von Griechenland liegen in jahrelanger Staatsneuverschuldung.

irland ging es die Jahre gar nicht so gut, denn die angeblichen Wachstumsraten waren alles Spekulationsblasen.

Japan zeigt mit 20 Jahren Stagnation eben, daß eine riesige Staatsverschuldung NiCHT beherrschbar ist, Argentinien geht es nicht schlechter.

Wer aus der Krise lernen will, musst erst mal die berechnungsmethoden so ändern, damit Spekulationsluftblasen keine Steigerungen hinterlassen, damit belastungen nicht weggeschoben werden können, Risiken ncht ausgebucht werden könnnen, weder in bankenbilanzen noch Staatshaushalten, denn erst dann wird sich der bonigesteuerte investmentdamager nicht mehr zum aufblasen virtueller Zahlen engagieren. Erst wenn die Zahlen die Realität widerspiegeln (am besten die Realität eine menschenfreundlichen Staates), wird die Arbeit der zahlenorientierten Dumpfbacken auch realen Nutzen für den bürger bringen.

Also bitte: Kredite richtig rechnen, Staatsvermögen richtig rechnen, PublicPrivatPartnership und ähnliche Verträge als Schulden in den Staatshaushalt einrechnen, Renten und beamtenpensionen zusammenführen damit die Zukunftsbelastung richtig gerechnet werden kann und vollständig aus zweckgebundenen Einnahmen finanzieren damit die wahre belastung erkennbar ist,

und dann, ja dann viel kürzer treten. Ein Staat kann auch die Hälfte seiner Ausgaben machen, er muss dann halt man den Amigos sagen, daß es vererst nichts mehr gibt. Und wenn dabei eine ganze bussigesellschaft zusammenbricht: Sie hat es nicht anders verdient.

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