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17.08.2012

11:31 Uhr

Finanzmärkte

Das Casino ist geöffnet

VonChristian Panster

Der Dax erklimmt nach mehreren Anläufen den 7000er-Gipfel. Warum? Völlig egal. Gute Unternehmenszahlen und erfreuliche Konjunkturdaten sind es jedenfalls nicht. Die Börsen folgen in diesen Tagen ganz anderen Regeln.

Händler an der Börse in Chicago. Wer braucht schon Fundamentaldaten? ap

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DüsseldorfDie Börse ist nicht mehr das, was sie einmal war.  Früher, das mag vielleicht fünf oder auch ein paar Jahre länger her sein, da konnte man sich auf gewisse Regeln verlassen: Wenn es den Unternehmen gut ging und die Konjunktur lief, dann stiegen auch die Aktienkurse. Andersherum ging es abwärts an den Börsen, wenn die Geschäfte nicht so gut liefen. Soweit so schlecht.

Heute dagegen funktioniert die Börse anders: Die hohe Politik, von der es früher immer hieß, sie könne die Börsen nur kurze Zeit beeinflussen, gibt den Takt vor. Und das seit Jahren schon. Die Investoren schauen nicht mehr in die Geschäftsberichte der Unternehmen, sondern lauschen den Pressekonferenzen von Angela Merkel, Mario Monti oder Monsieur Hollande. Wenn sie sagen, man komme bei der Euro-Rettung voran, dann klettert der Dax.

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Führende Ökonomen sind überzeugt: EZB-Chef Draghi wird sein Versprechen halten, die Zentralbank wird mit massiven Interventionen an den Anleihenmärkten in die Vollen gehen – mit allen Konsequenzen.

Wenn sie sich streiten, und es so aussieht, als käme man nie zu einer Lösung, dann sausen die Kurse nach unten. „Das macht es völlig unberechenbar“, sagt der Kölner Investor Max Otte. Als Anleger brauche man deswegen eine extrem hohe Schmerztoleranz. Viel höher, als das früher der Fall war. Vielen sei dies nicht bewusst.

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Die Deutschen fürchten um ihr Geld – erst recht nach der Zinssenkung der EZB. Doch wer in vermeintlich sichere Anlagen flüchtet, tut oft genau das Falsche. Warum die Sparer Angst haben und welche Fehler sie machen.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist Mario Draghi. Der Italiener ist zwar kein Politiker, sondern Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), letztlich kommt es aber auf das Gleiche heraus. Seine vielbeschworene Unabhängigkeit steht nur auf dem Papier. Spätestens seit Beginn der Eurokrise ist Draghi den Politikern näher, als er das zugeben mag. Er ist zu einem Erfüllungsgehilfen der Euro-Regierungschefs geworden.

Die Lieblingsaktien von Max Otte

Platz 10

Delta Lloyd

Otte: sehr günstige holländische Versicherung mit wenig Exposure in Südeuropa.

 

Platz 9

Alcatel-Lucent

Otte: spottbillig; allerdings muss sich das Unternehmen fangen. 100 - 200 Prozent Potential.

Platz 8

Fuchs Petrolub

Otte: Fair bewertet mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15; aber sehr gutes Unternehmen. Langfristige Renditeerwartung: + 10%

Platz 7

Salzgitter

Otte: Zykliker und damit sehr anfällig bei Konjunkturschwankungen. Dank der Cash-Reserven aber extrem günstig.

Platz 6

Novartis

Otte: Sichere Aktie, moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis (11), großzügige Dividendenrendite (4%).

Platz 5

Energias des Portugal

Otte: Kurs bei knapp zwei Euro. Im Bieterverfahren Ende letzten Jahres hat das chinesische Unternehmen Three Gorges 3,45 Euro je Aktie bezahlt. Insgesamt haben die Chinesen sich 21 Prozent der Anteile gesichert.

Platz 4

Berkshire Hathaway

Otte: Dank eines Rückkaufangebots Buffetts lediglich knapp über Buchwertgehandelt. Potential 30 Prozent. Festgeldersatz

Platz 3

Enel

Otte: breit aufgestellter Versorger, spottbillig wie der Italienische Markt.

Platz 2

OMV

Otte: Unter Buchwert gehandelt, KGV bei sechs, Dividendenrendite 4,5 Prozent.

Platz 1

Nestlé

Otte: sicherste Aktie der Welt, derzeit fair bewertet.

Vor kurzem sagte jener Draghi, dass man alles, aber auch wirklich alles tun werde, um den Euro zu retten – koste es, was es wolle.  Ein Versprechen, wer weiß, ob er es überhaupt halten kann. Aber ganz egal, den Investoren in aller Welt hat das gereicht. Sie haben ihr Geld bereitwillig an die Börsen geschafft. In Tokio, an der New Yorker Wall Street, in London oder Frankfurt stiegen die Aktienkurse seither kräftig.  

Kommentare (30)

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pensionskonto

17.08.2012, 11:48 Uhr

Der DAX ist nur der kleine Bruder vom DOW. Extrem hohe Korrelation. Liquiditätshausse vom Feinsten - aber auch extrem gefährlich. Treiber ist die globale Null-Zins Politik. Sollte die irgendeinmal beendet werden, verziehe ich mich für längere Zeit in meinen Weinkeller

Account gelöscht!

17.08.2012, 11:55 Uhr

Man muss schon dekadent und bescheuert sein um das Treiben an den noch Börsen mitzumachen...
Die Idee dahinter war gut.... aber wie alles andere wurde auch sie pervertiert...

azaziel

17.08.2012, 11:56 Uhr

Ist die Erklaerung nicht ganz, ganz einfach? Draghi, Merkel, Monti und viele mehr verkuenden nahezu taeglich, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden soll. Das Retten – glauben sie – geht nur mit viel Geld drucken. Der Euro kann damit nicht gerettet werden. Im Uebrigen drucken auch die Amerikaner, die Briten, die Japaner und noch andere. Was retten die eigentlich? Viele Buerger haben Angst vor der Inflation, andere wissen nicht wohin mit ihrer Liquiditaet. Da kann man nur Immobilien, Rohstoffe und Aktien kaufen. Aber rechnen die Kauefer mit dem schnellen Gewinn? Oder hoffen sie lediglich ein wenig ihres Vermoegens ueber die Mutter aller Krisen retten zu koennen, die unvermeidlich bald die Welt erschuettern wird?

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