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04.06.2012

15:31 Uhr

Finanzmärkte unter Druck

Explosives Gemisch

VonChristian Panster, Jörg Hackhausen

An den Börsen geht es abwärts. Die Euro-Krise droht den Rest der Welt anzustecken. Die Zeit für eine Lösung läuft ab, warnt ein weltbekannter Investor. Nun soll es wieder mal die Notenbank richten.

Händler in New York am Boden: An den Finanzmärkten geht es seit Wochen abwärts. AFP

Händler in New York am Boden: An den Finanzmärkten geht es seit Wochen abwärts.

Die Nervosität an den Aktienmärkten wächst. Der deutsche Aktienindex (Dax) rutschte am Montag erstmals seit Januar wieder unter die Marke von 6.000 Punkten. Im Laufe des Tages grenzte der Index seine Verluste ein. Doch das kleine Börsenwunder, von dem viele Investoren vor wenigen Wochen noch sprachen und das den Index zeitweise wieder deutlich über 7.000 Zähler trug, ist längst vergessen. Sein Plus von knapp 18 Prozent vom Jahresauftakt - immerhin der größte Kursgewinn in einem ersten Quartal seit 1998 - hat der Dax damit binnen weniger Wochen fast komplett wieder aufgezehrt.

Und es könnte sogar noch schlimmer kommen. An den Märkten braut sich ein explosives Gemisch zusammen. George Soros, der weltbekannte Hedge-Fonds-Manager, sagte am Wochenende im italienischen Triest, die Euro-Krise drohe die Europäische Union zu zerstören und sie in "ein verlorenes Jahrzehnt" zu stürzen, wie es in den 1980er Jahren in Südamerika der Fall war. Das sei es, was Deutschland und andere Länder erkennen müssten, meint Soros. Es gäbe noch immer keine Lösung für die Probleme der Euro-Zone.

Der US-Investor sieht vor allem die Deutschen in der Pflicht. Es gebe viele Möglichkeiten, um die hohen Finanzierungskosten von Schuldenländern abzumildern, aber alle diese Möglichkeiten erforderten die aktive Unterstützung der Deutschen Bundesbank und der Bundesregierung, sagte Soros. Viel Zeit bleibe mehr nicht mehr, vielleicht noch drei Monate.

Die europäischen Spitzenpolitiker allerdings streiten nach wie vor über die richtige Therapie der Eurokrise. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat jüngst nochmals bekräftigt, einer Einführung von Eurobonds unter keinen Umständen zustimmen zu wollen. Die anfängliche Zinsangleichung bei der Euro-Einführung habe die falschen Impulse gesetzt, sagte die Kanzlerin. Einige Euro-Staaten hätten zu viel in den Konsum gesteckt und Reformen vernachlässigt. Genau dies müsste nun nachgeholt werden. Eurobonds dagegen würden die Bereitschaft, schmerzhafte Reformen durchzusetzen, eher behindern. Sparen lautet Merkels Therapie für die Krise.

Anleger im Krisenmodus

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Würde es helfen, wenn die EZB die Geldschleusen weiter öffnet

In der Vergangenheit stellte die EZB klammen Banken billig Milliarden zur Verfügung, um ein Austrocknen der Geldflusses zu verhindern und die Konjunktur anzukurbeln. Die Institute hatten ihre Kreditvergabe im Schlussquartal 2011 so stark gedrosselt wie seit der Lehman-Pleite nicht mehr. Eine weitere EZB-Geldspritze könnte die Lage kurzfristig entspannen. Beobachter rechnen allerdings damit, dass die EZB ihr Pulver zunächst trocken hält und den Ausgang der Griechenland-Wahl am 17. Juni und den EU-Gipfel Ende des Monats abwartet.

Sollte die EZB die Zinsen weiter senken?

Europäische Ökonomen plädieren angesichts einer drohenden Rezession im Euro-Raum für Zinssenkungen. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation.

Was kann die EZB sonst noch tun?

Denkbar wäre auch, dass die Währungshüter erneut Geld in die Hand nehmen, um Anleihen kriselnder Euroländer aufzukaufen. Das würde den angeschlagenen Staaten helfen, die sich nur noch relativ teuer frisches Geld besorgen können und letztlich auch das dortige Bankensystem stabilisieren. Während Deutschland so günstig wie nie Geld bei Anlegern einsammeln kann, muss etwa Spanien immer höhere Zinsen bieten, um neue Bonds am Markt unterzubringen. Das erschwert den Sparkurs solcher Länder. Letztlich kann die EZB die Krise allein jedoch nicht lösen.

Wie geht es weiter?

In diesen hochnervösen Zeiten sind Prognosen naturgemäß sehr schwierig. Bereits vermeintlich kleinere Nachrichten können die Märkte kräftig durcheinanderwirbeln. Das gilt nicht nur für Unternehmensnachrichten, die angesichts der zu Ende gegangenen Bilanzsaison in den kommenden Woche spärlicher werden dürften. Auch Reaktionen der Märkte auf politische Nachrichten sind weiter an der Tagesordnung. Doch wie in so vielen Fällen gibt es auch hier eine alte Börsenregel: „Politische Börsen haben kurze Beine“.

Genau das Gegenteil will Francois Hollande. Der neue französische Präsident ist davon überzeugt, dass nur Wachstum Europa aus der Malaise führe. Und dafür brauche es nicht nur Sparpläne, sondern vor allem Investitionen. Hollande ist nicht allein mit seiner Meinung. Gemeinsam mit US-Präsident und Barack Obama und dem italienischen Ministerpräsident Mario Monti hat er erst kürzlich versucht, Kanzlerin Merkel zum Einlenken zu bringen. Bislang ohne Erfolg.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

04.06.2012, 15:47 Uhr

Eurokrise steckt die Welt an??? Also sorry....was unterscheidet die USA denn von Griechenland? Dass die USA einfach weiter munter Geld ohne Ende drucken...wenn sie das nicht könnten + zeitgleich den gesamten Erdball verarschen, wäre jedem Deppen inzwischen klar dass die längst bankrott bis über beide Ohren sind. Einfach mal die Geldmengenentwicklung der USA anschauen....der Dollar ist nicht mal das Papier wert auf dem er steht.

maui

04.06.2012, 15:50 Uhr

Soll wieder einmal Deutschland die gesamte EU-Zone finanzieren? Aus dem hier auch schon sehr hohen Budgetdefizit?? Soll doch SOROS seine abwitzigen, seine perversen Milliarden nach Brüssel bzw. die EZB überweisen!! Der Knatterton ist sowieso schon Asbachuralt, rastet nicht damit er nicht komplett verrostet. Dann geht die Währungsunion halt unter. Wichtiger ist die kulturelle Vielfalt der Menschen und Nationen innerhalb Europas, die auf perverse Weise durch die Finanzmärkte eliminert wird.

pensionskonto.de

04.06.2012, 15:55 Uhr

Schaut man sich die Bilder von DAX, Nikkei und Dow an, ist vor allem eines zu erkennen: der Weg in die nächste Rezession - also alles noch recht logisch. Leider gibt es keine Möglichkeit mehr mit Zinssenkungen oder deficit spending dagegen zu steuern. Der Ruf nach Notenbankgeld ist höchst fragwürdig, nachdem alle Tugenden solider Finanzpolitik abhanden gekommen sind. Was bleibt? Dieses mal wird´s wohl ein echter crash sein, mit allem was dazugehört, ohne Möglichkeiten effektiv dagegenzusteuern. Was erwarten wir auch schon von einer Chaoten-Regierung? Einen Plan B?

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