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19.01.2010

08:44 Uhr

Finanzmarktrally

Warnung vor der „Monsterblase“

VonAndrea Cünnen, Jörg Hackhausen, Christian Panster

Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit billigem Geld. Die Investoren suchen händeringend nach Anlagen. Ein gefährliches Gemisch. Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini warnt gar vor der nächsten Monsterblase. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wo. Erwischt es wieder die Aktienmärkte? Sind diesmal die Anleihemärkte dran? Oder droht die Gefahr an ganz anderer Stelle?

Händler an der Chicagoer Rohstoffbörse. Reuters

Händler an der Chicagoer Rohstoffbörse.

FRANKFURT. Die nächste Spekulationsblase kommt bestimmt. Darin sind sich viele Experten inzwischen schon einig. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wo. Erwischt es wieder die Aktienmärkte, die eine kräftige Erholung der Konjunktur bereits eingepreist haben? Sind diesmal die Anleihemärkte dran? Wie viel Spekulation steckt in den Rohstoffpreisen? Oder droht die Gefahr an ganz anderer Stelle?

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, warnte gestern vor neuen Spekulationsblasen. Mit ihren Investitionen hätten die Regierungen zwar dafür gesorgt, dass eine neue Große Depression ausgeblieben sei. Die größte Herausforderung sei nun, wie man aus dieser Politik wieder aussteige und wie man mit den angehäuften Schulden umgehe.

Eigentlich sei es ganz leicht, eine Blase zu erkennen, behauptet Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank. Aber erst dann, wenn sie geplatzt sei. Guter Witz. Doch vielen ist nicht gerade zum Scherzen zumute, wenn sie an Bernanke denken. Sie sagen, er oder besser gesagt die US-Notenbank sei überhaupt erst schuld an der Entstehung von Spekulationsblasen.

Die Notenbanken tun, was sie meistens tun, wenn die Weltwirtschaft in Gefahr ist: Sie senken radikal die Zinsen und fluten die Finanzmärkte mit billigem Geld, um den Wirtschaftskreislauf wieder in Gang zu bringen. Eine Art Frischzellenkur. In den USA teilt die Notenbank Federal Reserve die Dollar praktisch kostenlos an die Wall-Street-Banken aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist auch nicht gerade knauserig. Auf ein Prozent hat sie den Leitzins im vergangenen Jahr gesenkt - und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Noch sei der wirtschaftliche Ausblick zu unsicher, sagt EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Das billige Geld zirkuliert auf den internationalen Märkten, immer auf der Suche nach vermeintlich lukrativen Anlagemöglichkeiten. An der Wall Street, in Europa, in den abgelegensten Regionen der Welt.

"Es drohen Gefahren aus der hohen Liquidität und dem sinkenden Risikobewusstsein der Investoren. Auch haben die Banken ihre Eigenhandelsaktivitäten wieder hochgefahren. Es bilden sich bereits wieder erste Blasen", sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Die Notenbanken stünden vor der Herausforderung, rechtzeitig die Liquidität im Markt zu reduzieren, ohne jedoch die Erholung der Konjunktur zu schädigen. Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini warnt gar vor der nächsten "Monsterblase".

Kommentare (8)

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AJ

19.01.2010, 12:08 Uhr

bitte keine Panikmache! Es ist nicht zu vermuten, daß uns der nächste große Crash ins Haus steht. Aber sicherlich werden sich die Märkte noch einmal deutlich nach unten korrigieren. interessant ist, daß fast alle Märkte unisono im Gleichschritt nach oben marschieren. Man könnte das auf die viele Liquidität im Markt schieben aber auch als "Gegenbewegung" zum übertriebenen Absturz der Märkte Ende 2008/ Anfang 2009 interpretieren. Schließlich ist der damals erwartete Weltuntergang ausgeblieben. Auf dem Aktienmarkt befinden sich die Kurse in etwa auf dem Niveau des "Lehman-Schocks". Man kann also nicht sagen, daß hier die Kurse "heißgelaufen" sind. Auf dem Markt für "Corporate bonds" wird es bald zu einer Korrektur kommen. Nichtsdestotrotz: Wer Papiere von solventen Unternehmen und einer Restlaufzeit von 2-5 Jahren hat, dem kann das ganz egal sein. Er hält die Papiere bis zum Ende und erhält noch Zinsen, die weit über dem üblichen Niveau liegen. Da kann es ihm auch egal sein, wenn zwischendurch die Anleihe nur noch zu 70 oder 80% gehandelt wird. Alle, die zwischendurch an ihr Geld wollen, sollten langsam aussteigen und die Gewinne mitnehmen. Diejenigen, die zu Kursen von 40% oder 50% eingestiegen sind, haben dies sicherlich schon getan.

rainer repke

19.01.2010, 14:54 Uhr

ich sehe noch keinen Grund auszusteigen. Auch da nicht, wo ich Gewinn habe. interessant ist, als ich im Marz o9 Aktien kaufen wollte, rieten mir alle banken, nicht zu kaufen. Das sind alles anegstlich Kraemerseelen, keine Kaufleute.

ich habe mindestens 7 wenn nicht 8 Krisen ueberstanden, auch die letzte.

Dabei habe ich gewonnen, verloren, im Ende und (bisher) ueberlebt. Und nicht so schlecht.

Es ist doch ganz einfach: man braucht ein bischen Mut um zu kaufen, dann etwas Glueck, dann Mut um zu verkaufen oder nicht. Dazu braucht man wieder etwas Glueck um das richtig zu machen.

Man kann das mit viel Research machen oder ganz einfach nach Gefuehl. Das Resultat ist nicht anders.

Die Frage ist, ob man diesen Zirkus mitmachen will, weil es einem Spass macht, sonst laesst man es lieber, oder nicht.

im Moment wissen wir nicht, da die Staaten die
banken mit Geld vollgepumpt haben, was echt ist und was nicht. ich denke, wenn man gut mischt, beste Aktien, beste Kurzlauefer in besten Waehrungen, Kasse fuer ca. 1 Jahr leben, eine immobilien, die bezahlt ist, dann koennte man hoechstens noch ein Landgut kaufen um im Zweifel Lebensmittel zu haben.

Einige versuchen die boersen als unsicher anzusehen, weil sie wollen, dass die Staaten mehr Geld einschiessen. Sollten die Staaten nicht tun.

Zusammengefasst: Spass muss sein.

Euer
Rainer

Jonas

19.01.2010, 16:22 Uhr

Die aktuelle Krise wurde nicht beseitigt, sondern nur aufgeschoben und damit schlimmer gemacht.
Das Dicke Ende kommt garantiert, und nicht nur die gnadenlos aufgeblasenen Aktienkurse werden dabei abstürzen, sondern ganze Länder die mit ihren Staatshaushalten nicht ind er Lage sind, die Fehler ihrer banken aufzufangen.

Es fehlt immer noch die strafrechtliche Verfolgung derer, die uns durch Verstoss gegen bestehende Gesetze (Aktienrecht §93 etc.) in diese Krise stürzen.

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