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07.05.2011

09:04 Uhr

Finanzplanung

Wenn Anleger ihre Finanzen aus dem Blick verlieren

VonLaura de la Motte

Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate, Tagesgeld: Viele Verbraucher verlieren mit der Zeit den Überblick über ihre Finanzen. Da hilft nur eins: Ordnung schaffen. Familie Mustermann verrät wie.

Häufig kümmern sich Anleger nicht genug um ihre Finanzen. Quelle: CAEPSELE

Häufig kümmern sich Anleger nicht genug um ihre Finanzen.

FrankfurtHand aufs Herz, wer blickt beim eigenen Vermögen noch richtig durch? Familie Mustermann, unser Serienbeispiel, geht es wie vielen. Sie hat ihre Anlageziele aus den Augen verloren. Herr Mustermann, 47, und Frau Mustermann, 44, verfügen über ein freies Vermögen von 300.000 Euro. Das steckt unter anderem in einem uralten Investment-Fonds, dazu kommen ein paar einzelne Aktien und Bundesanleihen - und hübsche Sümmchen schlummern gleich auf mehreren Tagesgeldkonten.

"Der häufigste Fehler, den Anleger machen, ist, sich für eine bestimmte Anlage zu entscheiden und sich dann nicht mehr darum zu kümmern", sagt Arndt Stiegeler, Vorstand des Financial Planner Stability Board (FPSB), das Finanzberater fortbildet und zertifiziert.

Fallstricke bei der Vermögensbildung

Aktien

Wer in Einzelaktien investieren möchte, braucht viel Zeit, um sich mit den Unternehmen zu beschäftigen. Für eine ausgewogene Streuung muss zudem in mindestens 20 bis 25 Werte investiert werden. Das gelingt einfacher über Fonds. Diese kosten zwar einen Ausgabeaufschlag, aber wer seine Einzelaktien häufig umschichtet, zahlt dafür ebenfalls Gebühren.

Anleihen

Auch hier sind Anleihefonds einzelnen Titeln vorzuziehen. Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Ihre Kurse fallen, wenn das Zinsniveau steigt. Da in den nächsten Monaten in Europa und Amerika mit Zinserhöhungen gerechnet wird, sollten Anleger nur Anleihen mit kurzer Restlaufzeit (Duration) kaufen. Finanzberater empfehlen derzeit eine maximale Duration von drei Jahren. Bei Anleihen handelt es sich faktisch um einen Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Aufgrund der derzeitigen Schuldenkrise in der Euro-Zone und Amerika raten einige Experten von Staatsanleihen aus diesen Ländern ab und empfehlen lieber Papiere von Norwegen und Australien oder von soliden Unternehmen.

ETF

Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) folgen in ihrer Wertentwicklung bestimmten Kursbarometern – zum Beispiel dem Stoxx Europe 50 oder dem S&P 500. Kauf und Verwaltung von Indexfonds kostet Anleger viel weniger als herkömmliche Fonds.

Edelmetalle

Anleger sollten nur Fonds kaufen, bei denen das Edelmetall tatsächlich hinterlegt ist. Wer direkt Gold oder Silber kauft, muss die Lagerung bezahlen.

Zertifikate

Zertifikate sind nur etwas für Profis. Wer nicht versteht, was sich hinter den meist komplizierten Produkten verbirgt, sollte lieber die Finger davon lassen. Generell taugen Zertifikate nur als Beimischung.


Hinzu kommt, dass das Portfolio der Mustermanns nicht besonders ausgewogen ist. Der Fonds und die Anleihen decken ausschließlich die Region ab. Die Mustermanns haben lediglich ein paar internationale Einzelaktien. "Hier zeigt sich die konservative Einstellung vieler Anleger, aber auch der eine oder andere Modetrend", sagt Stiegeler.

Die Mustermanns würden am liebsten die gesamte Verantwortung für ihr Erspartes delegieren. Eine individuelle Vermögensverwaltung wird jedoch nur für gut Betuchte angeboten, die über mehr als 500.000 Euro verfügen. Für diese passt der Verwalter die Anlagestrategie an die Finanzplanung und die Marktsituation ständig an und hält die Klienten über die Vermögensentwicklung auf dem Laufenden. Wer weniger Vermögen hat, kann nur eine standardisierte Beratung in Anspruch nehmen und muss selbst aktiv bleiben - das heißt regelmäßig überprüfen, ob das Portfolio die Erwartungen noch erfüllt.

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