Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.11.2011

11:18 Uhr

Firmenanleihen

Mehr Sicherheit in Pleite-Staaten

VonAndrea Cünnen

Die Firmenanleihen aus Euro-Krisenländern locken mit hohen Renditen - und zwar mit deutlich höheren als in den Kernländern geht. Viele Anleger finden sie daher attraktiver, aber auch sicherer als die der Staaten.

Die Rendite der neuen Telecom-Italia Anleihe mit einer Laufzeit von gut fünf Jahren liegt bei über sechs Prozent. AFP

Die Rendite der neuen Telecom-Italia Anleihe mit einer Laufzeit von gut fünf Jahren liegt bei über sechs Prozent.

FrankfurtDer Fluch der Heimat trifft die Unternehmen aus den Euro-Randländern hart. Für Anleihen von Unternehmen aus Spanien, Italien und Portugal verlangen Anleger im Schnitt bei einer durchschnittlichen Laufzeit von fünfeinhalb Jahren Renditen von 4,6 Prozent. Das sind damit gut anderthalb Prozentpunkte mehr Rendite als für Unternehmen aus den Euro-Kernländern. Das zeigen Indizes der Bank of America-Merrill Lynch.

Dennoch stehen viele große Unternehmen damit immer noch besser da als ihre Heimatländer: Für viele der Firmenbonds verlangen die Investoren sogar weniger Rendite als für die Anleihen der angeschlagenen Staaten. Für Experten wie Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist das verständlich: „Die großen Unternehmen machen ihre Geschäfte nicht nur im Heimatland, haben stabile Cash-Flows und sind von daher letztlich sicherer als die Staaten“, sagt der Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der LBBW.

Die Analysten der US-Bank Morgan Stanley sehen das ähnlich: „Die Fundamentaldaten der Staaten aus den Euro-Randländern haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, für die meisten Unternehmen aber verbessert.“ Dazu kommt für die Unternehmen ein weiterer Vorteil. „Es gibt zwar noch keine Bestrebungen in diese Richtung, aber als ultima ratio könnten die großen Unternehmen ihre Firmensitze in solidere Länder verlagern“, meint Burkert.

Anleihen aus Krisenländern: Telefónica steht bei Investoren ganz oben

Anleihen aus Krisenländern

Telefónica steht bei Investoren ganz oben

Unternehmen aus den Krisenländern der Euro-Zone trauten sich im Oktober wieder mit Anleihen an den Markt. Für Experten zählt Telefónica zu den soliden Favoriten. Zum Zukauf raten sie aber dennoch nicht.

Die meisten Anleihen haben die großen Konzerne aus Spanien, Italien und Portugal in den Branchen Telekom und Versorger ausstehen. Aus Griechenland und Irland gibt es bis auf OTE Telecom und den irischen Versorger Bord Gas Eireann kaum größere Bondemittenten abseits der Finanzbranche.

Für Investoren bieten die Verwerfungen und höheren Renditen Chancen. So empfiehlt die BNP Paribas ausdrücklich Versorgeranleihen aus den Euro-Randländern im Bond-Portfolio über- und Telekomanleihen neutral zu gewichten. Damit hält die französische Großbank die Bonds von Unternehmen aus den schwächeren Ländern für interessanter als die aus den solideren Staaten. Für letztere ist das Anlageurteil für Versorgerbonds „neutral“ und für Telekombonds „untergewichten“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×