Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2013

17:06 Uhr

Firmenbonds

Verzweifelte Anleger investieren in Ramschanleihen

Mehr als 25 Milliarden Euro haben Anleger bislang in diesem Jahr in riskante Anleihen europäischer Firmen investiert. Selbst Experten sind überrascht von der Nachfrage. Den Unternehmen kommt das äußerst gelegen.

Der Euro rollt: Anleger investieren vermehrt in Firmenanleihen, auch in solche mit hohem Ausfallrisiko. dpa

Der Euro rollt: Anleger investieren vermehrt in Firmenanleihen, auch in solche mit hohem Ausfallrisiko.

Angesichts rekordniedriger Zinsen interessieren sich Investoren immer stärker für Firmenanleihen mit hohem Risiko. Unternehmen mit schwacher Bonität kommt das sehr gelegen. Jüngstes Beispiel ist die irische Telekomgesellschaft Eircom. Vor weniger als einem Jahr schrieb die Gruppe 1,8 Milliarden Euro Schulden ab. Nun kommt sie mit einer Anleihe wieder an den Bondmarkt zurück.

Ähnlich ist das Bild beim Folien- und Verpackungshersteller Klöckner Pentaplast aus Montabaur und bei der schottischen KCA Deutag, einem der größten Ölfelddienstleister weltweit. Beide Unternehmen sind in der Hand von Finanzinvestoren. Nach Umschuldungen reißen sich Anleger wieder um ihre Anleihen.

Klöckner und KCA gehören zu 12 Schuldnern, die in der Vorwoche Anleihen in Höhe von fast sechs Milliarden Euro platziert haben, mit Ratings von 'B' oder niedriger. Damit war es die höchste Emissionstätigkeit in diesem Segment seit mindestens Anfang 2011, zeigen Bloomberg-Daten. Die durchschnittliche Rendite im Hochzinsbereich ist von einem Allzeithoch bei 30,7 Prozent im November 2008 auf ein Rekordtief von 6,46 Prozent gefallen, zeigt ein Index der Bank of America Merrill Lynch.

„Emittenten refinanzieren Kredite mit günstigen Anleihen“, sagte Steven Mitra, Partner bei LNG Capital in London. „Die Qualität der begebenen Platzierungen hat sich in dieser letzten Welle über das gesamte Spektrum hinweg deutlich verschlechtert.“

Anleihen mit 'B'-Rating sind gemäß der Klassifizierungen der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's mindestens vier Stufen unter Anlagequalität. S&P beschreibt mit 'B' eingestufte Papiere als „anfälliger“ für Ausfälle und die mit 'CCC' bewerteten Anleihen als „zum gegenwärtigen Zeitpunkt anfällig“.

Eircom will statt der ursprünglich geplanten 310 Millionen Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahren jetzt 350 Millionen Euro begeben, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Damit sollen vorrangige Kreditlinien refinanziert werden. Moody's hat die Papiere in einer vorläufigen Einstufung mit 'Caa1' bewertet, sieben Stufen unter Anlagequalität. Im März 2012 hatte die Gesellschaft Gläubigerschutz beantragt, nachdem in 13 Jahren unter fünf Eigentümern 4,1 Milliarden Euro Schulden aufgehäuft worden waren.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Logiker

15.05.2013, 17:24 Uhr

"Gier frisst Hirn" sag ich da nur dazu...

Account gelöscht!

15.05.2013, 18:05 Uhr

@Logiker

"Gier frisst Hirn" sag ich da nur dazu."

Ich denke eher, panische Angst frisst mittlerweile Hirn. Aber es gibt auch wenig Alternativen zur Enteignungspoltik unserer Regierung. Es ist nicht nur die EZB - unsere Regierung schert diese EZB-Politik und die Aengste der Bevoelkerung wohl ueberhaupt nicht. Im Gegenteil, sie hat mehrmals betont, dass sie voll hinter dieser Politik steht. Warum betont sie eigentlich nicht, dass sie voll hinter dem deutschen Volke steht?!

RDA

15.05.2013, 19:09 Uhr

Mal schauen, wieviele Riester-Renten und Lebensversicherungen sich mit diesen Ramsch-Anleihen in Luft auflösen. Aber Kapitaldeckung ist ja angeglich generationengerechter und besser...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×