Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2015

14:52 Uhr

Fitbit-IPO

Genug Kondition?

VonChristof Kerkmann

Der Zeitpunkt für den Börsengang ist für das Unternehmen Fitbit günstig – aber gilt das auch für die potentiellen Anleger? Die sollten genau hinsehen, was aus dem Branchen-Pionier mit Fitness-Armbändern in Zukunft wird.

Das US-Unternehmen Fitbit plant seinen Börsengang. dpa

Das US-Unternehmen Fitbit plant seinen Börsengang.

DüsseldorfMit seinen Fitness-Armbändern und - Uhren will Fitbit die Menschen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren. Nun zeigt das US-Unternehmen, dass es selbst in beeindruckender Form ist: Die Zahlen, die es im Zuge seines geplanten Börsengangs vorgelegt hat, übertreffen alle Erwartungen. Damit sich die Aktie für Anleger lohnt, muss der Hersteller aber beweisen, dass ihm auf der Langstrecke nicht die Puste ausgeht.

Fitbit ist einer der ersten Anbieter von modernen Fitness-Gerätschaften, der an die Börse geht. Die Zahlen bestätigen, dass es sich um ein veritables und profitables Geschäft handelt: 2014 verkaufte das Unternehmen fast elf Millionen Geräte und verdreifachte damit den Umsatz auf 745 Millionen Dollar. Und anders als viele Internet-Firmen ist der Pionier hochprofitabel: Als Gewinn blieben 132 Millionen Dollar.

Das erste Quartal bestätigt diesen Trend, in diesem Jahr dürfte der Marktführer mehr als eine Milliarde Dollar erwirtschaften. Die Gründer bekommen den verdienten Lohn dafür, dass sie frühzeitig den Trend zu den Fitness-Gadgets erkannt haben.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Ob die Aktie mit dem Kürzel FIT für Aktionäre ein gutes Investment ist, bleibt indes unklar. Das hängt zunächst vom Preis ab: Weil die Zahlen stark sind und die Anleger die Börsen derzeit mit Geld fluten, dürfte die Firma eine ambitionierte Erstnotierung anstreben - wer dabei sein will, wird mit Sicherheit einen hohen Preis zahlen.

Gleichzeitig wird Fitbit auch in Zukunft stark wachsen müssen. Und daran sind trotz der blendenden Zahlen zumindest Zweifel angebracht. Die Trainingshelfer werden zwar nach Einschätzung von Experten zum Massenprodukt, wovon Fitbit als bekannte Marke profitieren dürfte. Allerdings wächst mit dem Markt auch der Wettbewerb: Spezialhersteller wie Garmin und Jawbone bauen konkurrenzfähige Trainingsgeräte, während chinesische Hersteller mit Kampfpreisen um die Kundschaft buhlen. Und dann sind da noch Adidas und Nike.

Gleichzeitig werfen die großen Elektronikkonzerne zahlreiche Smartwatch-Modelle auf den Markt, die neben vielen anderen Dingen auch Schritte zählen und zu mehr Aktivität motivieren - allen voran Apple mit seiner neuen Watch. Es ist gut möglich, dass die Alleskönner mit der Zeit die Spezialisten in die Nische drängen.

Überdies offenbaren die Fitbit-Zahlen eine bedenkliche Tendenz: Viele Nutzer lassen die Fitness-Tracker nach einer Zeit in der Schublade liegen. Nur ungefähr 50 Prozent aller Käufer sind heute noch aktiv, derzeit 9,5 Millionen. Dass die anderen ihre Motivationshelfer alle zwei Jahren ersetzen, wie beim Smartphone üblich, ist unwahrscheinlich. Fazit: Der Zeitpunkt für den Börsengang ist fürs Unternehmen günstig - Anleger sollten allerdings genau hinsehen, ob das auch für sie gilt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×