Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2012

14:57 Uhr

Fitch

Euro-Ratings könnten noch im Januar fallen

VonAnnika Williamson

Die Ratingagentur Fitch kündigt einen ungemütlichen Januar für die Euro-Staaten an. Einige Ratings könnten purzeln. Für den Euro sieht Fitch nur einen möglichen Retter in der Not: Die EZB.

David Riley, Leiter der Länderbewertungen der Ratingagentur Fitch, hofft bei der Euro-Rettung auf Hilfe von der EZB. dapd

David Riley, Leiter der Länderbewertungen der Ratingagentur Fitch, hofft bei der Euro-Rettung auf Hilfe von der EZB.

DüsseldorfEs ärgert nicht nur gehetzte Anleger und herabgestufte Länder, wenn Rating-Agenturen in immer kürzeren Abständen ihr Portfolio neu bewerten: „Ratings haben sich in letzter Zeit öfters geändert, als uns lieb ist“, sagt David Riley, Chef der Länder-Ratings bei Fitch. Doch auch wenn Fitch am liebsten weniger Hiobsbotschaften verbreiten würde – noch in diesem Monat könnten einige Länder auf der Rating-Skala weiter abrutschen. Bis Ende Januar will Fitch alle Kandidaten für eine Herabstufung prüfen und neu bewerten.

Mit diesem negativen Ausblick steht Fitch nicht alleine da: Auch die Rating-Agentur Moody’s hat in einer aktuellen Studie angekündigt, dass sich 2012 weit mehr Ratings verschlechtern als verbessern werden.

Als besonders kritischen Kandidaten sieht Fitch das neueste Euro-Sorgenkind Italien. Eine Herabstufung wäre durchaus denkbar. Die Ratingagentur fürchtet Probleme bei der Refinanzierung, denn 2012 muss Italien fast 200 Milliarden Euro an Anleihen ausgeben. Eine heutige Auktion dürfte solche Befürchtungen allerdings vorerst ausräumen: Dabei zahlte Italien weniger als halb so hohe Zinsen wie bei der letzten vergleichbaren Auktion kurzlaufender Papiere. Derzeit bewertet Fitch Italien mit der Note „A+“.

Fragen und Antworten zu italienischen Anleihen

Warum sind die Anleihe-Renditen so entscheidend?

Um ihren Finanzierungsbedarf zu decken, nehmen Staaten durch Anleihen Geld an den Finanzmärkten auf. Die Renditen dieser Papiere entsprechen der effektiven Verzinsung. Je riskanter Investoren ein Engagement einschätzen, desto mehr Zinsen muss ein Land bieten.

Weshalb sehen Investoren Italien so kritisch?

Mit einem ausstehenden Volumen von rund 1,8 Billionen Euro ist der italienische Markt für Staatsanleihen einer der größten der Welt. Italien trägt gemessen an der Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Staatsschuldenlast aller Euro-Länder und steht unter hohem Spardruck. Anders als Griechenland verfügt Italien allerdings über eine hohe Wirtschaftskraft. Die Finanzmärkte trauen der aktuellen politischen Führung jedoch nicht zu, die zur Haushaltskonsolidierung nötigen Reformen durchzusetzen.

Was passiert, wenn die Lage am italienischen Anleihemarkt sich weiter zuspitzt?

In Italien werden bis Ende 2012 Anleihen unterschiedlichster Laufzeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden Euro fällig. Da die Anleihen mit festen Laufzeiten ausgegeben werden, muss das Land in regelmäßigen Abständen neue Papiere am Markt platzieren, um seine Schulden zu finanzieren. Sollten die Renditen auf den zuletzt erreichten Höchstständen verharren, könnte es für Italien unmöglich werden, neue Schulden aufzunehmen, um alte zu begleichen. Italien wäre dann wie Griechenland, Portugal und Irland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und müsste unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, um sich aus Hilfsgeldern zu refinanzieren.

Würde Italien unter den Euro-Rettungsschirm passen?

An diesem Punkt würde die Situation richtig kritisch. Experten stimmen überein, dass der Krisenfonds EFSF nicht ausreichen würde, um die Konsequenzen eines Ernstfalls in Italien zu bewältigen. Die zuletzt beschlossenen Modelle zur Hebelung des EFSF-Kreditvolumens sind noch nicht im Detail ausgestaltet und einsatzbereit. Sollte sich die Situation in Italien extrem zuspitzen, wäre außerdem davon auszugehen, dass auch der spanische Anleihemarkt kollabieren würde. Die Eurozone dürfte bei diesem Szenario endgültig auf die Zerreißprobe gestellt werden.

Wie kann eine Eskalation verhindert werden?

Um dauerhaft zu gewährleisten, dass Italien seine Schulden an den Märkten platzieren kann, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: Potenziellen Investoren muss die Furcht vor einem Zahlungsausfall genommen werden. Zweitens müsste das Rendite-Niveau auf einem für Italien tragbaren Niveau gehalten werden. Kurzfristig kann dies nach Einschätzung von Experten letztlich nur die Europäische Zentralbank (EZB) sicherstellen. Mittel- bis -langfristig kann jedoch nur Italien selbst durch entsprechende Reformen und Haushaltsdisziplin die Lage entschärfen.

Welche Rolle spielt die EZB?

Die EZB versucht bereits seit August, die Renditen für italienische Anleihen durch Ankäufe zu drücken. Die Zentralbank agiert jedoch nur auf dem Zweitmarkt. Sie beeinflusst so lediglich das Kursniveau von Papieren, die bereits in Umlauf sind. Direkte Anleihekäufe von Staaten sind für die EZB ein Tabu, anders als für ihre Pendants in den USA oder Großbritannien. Die EZB lehnt es strikt ab, als Kreditgeber der letzten Instanz Käuferstreiks am Erstmarkt zu verhindern.

Was muss nun geschehen?

Fest steht: Muss Italien länger wesentlich höhere Renditen als bisher üblich zahlen, wird die Haushaltslage stark belastet und der ohnehin hohe Schuldenstand letztlich weiter nach oben getrieben.

Solange der EFSF nicht ausreichend einsatzfähig ist und die EZB von ihren geldpolitischen Grundsätzen nicht abweicht, liegt es allein an der italienischen Politik, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Das ist jedoch ein ungewisses Unterfangen und dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

Die Ratingagenturen tendieren in dieser Krise allerdings dazu, ganzen Gruppen von Staaten mit der Herabstufung zu drohen, auch wenn die Schuldensituation bei jedem eine andere ist. „Die Krise ist eindeutig systemisch. Daher bewerten wir derzeit auch ganze Portfolios neu“, so Riley. Einen Vorschlag, wie der Teufelskreis zu brechen wäre, hat er schon parat: Die Europäische Zentralbank (EZB) muss mehr Staatsanleihen kaufen. „Ohne sie ist der Euro nicht zu retten.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Poilu

12.01.2012, 16:02 Uhr

Die Die EZB als letzter Retter, das ist nicht neu.
Das Problèm ist der Klotz am Bein der Währungsunion mit namen Angela aus Teutonien!
Je länger wir warten desto teurer wird es, ........ auch für Teutonien.

Account gelöscht!

13.01.2012, 15:30 Uhr

Ist es nicht schön? Kaum hat jemand etwas von "Entspannung" angedeutet und Italien und Spanien ihre Anleihen günstigter platziert. Schon kommt wie zu erwarten war eine Rating-Agentur um die Ecke, um wieder einmal Negatives loszulassen. Das langweilt einfach .... Diese ganzen Ratings kann man ja wohl völlig vergessen - entweder sie waren vorher völlig falsch oder sind jetzt völlig falsch. Eins geht nur ... denn so schnell können sich Bonitäten nun gar nicht ändern!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×