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30.01.2015

16:48 Uhr

Fitch-Studie

EZB-Programm wird die Kreditvergabe nicht ankurbeln

Das milliardenschwere Staatsanleihekaufprogramm der EZB wird kaum Früchte tragen, sagt die Ratingagentur Fitch. Die Kreditnachfrage werde gering bleiben. Eine andere Ratingagentur widerspricht allerdings der Studie.

Wegen sinkender Preise

Draghis Angst vor der Deflation

Wegen sinkender Preise: Draghis Angst vor der Deflation

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FrankfurtNach Ansicht der Ratingagentur Fitch werden die angekündigten und milliardenschweren Staatsanleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) das angepeilte Ziel voraussichtlich verfehlen. Es sei weder mit einer erhöhten Kreditvergabe der Banken noch mit gewinnerhöhenden Effekten in den Bankenbilanzen zu rechnen, hieß es in einer am Montag in London vorgelegten Studie der Fitch-Analystin Bridget Gandy.

„Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben ungewiss, und damit ist kaum mit einer erhöhten Kreditnachfrage zu rechnen“, stellte sie fest. Den Banken selbst erschwerten strengere regulatorische Vorgaben die Ausweitung ihrer Kreditausgabe.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Die EZB hatte in der abgelaufenen Woche Staatsanleihekäufe als Teil eines Aufkaufprogramms von insgesamt 1,1 Billionen Euro angekündigt. Ziel ist vor allem die Stimulation der kaum in Gang kommenden Konjunkturentwicklung in Europa. Diese historische Entscheidung werde vermutlich allenfalls vorübergehende Effekte auslösen, falls die Regierungen der Euroländer nicht ihrerseits mit Reformen das Wachstum in Gang brächten und die Banken vermehrt Mittel aus ihren Bilanzen für die Kreditausreichung zur Verfügung stellten, hieß es in der Fitch-Studie überdies.

Das internationale Regelwerk nach Basel III erlegt den Banken zunehmende Summen für die Risikovorsorge gegen notleidende Kredite auf, wie Fitch weiter erklärte. Verwiesen wurde auch auf die notwendigen Kapitalreserven, die eine verbesserte Widerstandskraft der Banken bei finanziellen Krisen zum Ziel haben, was den europäischen Steuerzahler vor weiteren Bankenrettungszahlungen schützen solle.

Laut Fitch können einzelne Banken zwar in der Lage sein, mehr Handelsergebnis zu generieren, aber die Effekte würden voraussichtlich von den niedrigeren Renditen wieder ausgeglichen. Die Bilanz falle entsprechend vermutlich neutral oder sogar leicht negativ für die Gewinne aus.

Im Gegensatz zu Fitch erwartet die konkurrierende Ratingagentur Moody's Investors Service einen „positiven, wenn auch begrenzten“ Effekt der Maßnahme auf das Wachstum in Europa, wie aus einer Studie in der letzten Woche hervor ging.

Kommentare (4)

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Herr Vittorio Queri

30.01.2015, 17:24 Uhr

>>Das milliardenschwere Staatsanleihekaufprogramm der EZB wird kaum Früchte tragen, sagt die Ratingagentur Fitch. >>

Das Programm der EZB ist ein ökonomischer Witz. QE war mal erfunden worden, um die Zinsen zu drücken und die Deflation zu bekämpfen.

Das Experiment, in USA und Japan eingesetzt, war erfolglos.

Zinsen sind in der EU auch so im bodenlosen, eine Deflationsgefahr gibt es nur bei den Südländern. Die Nordeuropäer haben eine Inflation in der Größenordnung 7 % !

QE ist eine reine Mogelpackung.

Dem Volk wird sie verkauft als konjunkturstützende Notwendigkeit, tatsächlich aber ist es Geld, um, nach Austritt bzw. Schuldenschnitt der Griechen den Südländischen Banken unter die Arme greifen zu können.

Mit anderen Worten, der Mafiosi Draghi benutzt europäische Steuergelder über die EZB in Billionen € Größenordnung um Pleitebanken aus der Patsche zu helfen.

Fuck the EU !

Account gelöscht!

30.01.2015, 17:30 Uhr

Darum geht es doch auch gar nicht, wie können die Leute nur so unendlich naiv sein. Es geht darum, wer die Party der 2000er Jahre am Ende bezahlt! Na, schon eine Ahnung, genau wir, als Sparer, Renter oder Kaufkaftgeschwächte. Aber werd das aufgrund Intelligenzvorsprung schon vor Jahren sagte wurde wahlweise als dümmlich, rechtsradikal oder Wutbürger bezeichnet. Leider ist in Deutschland mittlerweile die breite Masse so von der CDUSPDGrüne-Politik und ihren medialen Verkündungshelfern so vernebelt, dass sie es nicht mal jetzt merkt. Das nenne ich tragisch-komisch.

Herr Werner Wilhelm

30.01.2015, 18:57 Uhr

Ich glaube es geht der EZB gar nicht mehr um weitere Kreditvergaben. Durch die Aufkäufe von Anleihen jeder Art wird den europäischen Anlegern weitere Möglichkeiten genommen. Sie gehen in Aktien bis die dort erzielbare Rendite das Geld dann in Anlagen im Ausland treibt. Das Geld kommt dann mindestens zum Teil nachfragewirksam zurück oder senkt den Aussenwert des Euro noch weiter.

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