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18.01.2014

08:40 Uhr

Florian Homm

„Das wäre das Todesurteil für meinen Sohn“

VonKatharina Kort

Der Finanzjongleur liegt schwer erkrankt im Gefängnis-Hospital. Trotzdem soll Florian Homm in die USA ausgeliefert werden. Seine Mutter geht mit einem bewegenden Appell an die Öffentlichkeit.

Florian Homm: Sorgen um seine Leben. dpa

Florian Homm: Sorgen um seine Leben.

Mailand„Sie alle wissen, dass eine Auslieferung in die USA in seinem jetzigen Zustand sein Todesurteil bedeutet. Gott möge Ihnen verzeihen, ich kann es nicht!“ Mit diesen dramatischen Worten wendet sich Maria-Barbara Homm an „das Hohe Gericht in Rom, an die Leitung des Gefängniskrankenhauses, an die Herrn Doktoren 1 und 2 und an den deutschen Botschafter in Rom“. Per Hand hat die 81-jährige Frau, die nach eigenen Aussagen selbst schwer krebskrank ist, den Brief geschrieben, um ihrem 54-jährigen Sohn zu helfen.

Der jahrelang flüchtige Homm war im März bei einem Besuch in den Uffizien in Florenz von der italienischen Polizei festgenommen worden. Gemeinsam mit seiner Ex-Frau und seinem Sohn betrachtete er die Statue der „Kauernden Venus“, als ihn die Beamten baten, mitzukommen. Seitdem sitzt der mehr als zwei Meter große Deutsche in Pisa ein, wo er wegen seiner Krankheit Multiple Sklerose (MS) bereits in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde.

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Schon bald soll er in die USA ausgeliefert werden. Erst in der vergangenen Woche hat das Oberste italienische Berufungsgericht einem entsprechenden Ersuchen der Amerikaner stattgegeben.

Homms Mutter will das verhindern und erhebt auch schwere Vorwürfe gegen die Haftbedingungen: „Sie alle wussten, dass er wegen falscher Ernährung von Woche zu Woche stärker abmagerte, bis er nicht mehr laufen konnte. Darauf hat man ihm wochenlang eine Gehstütze verweigert“ schreibt sie in ihrem Appell. „Am unglaublichsten ist, dass man ihm in den letzten 3 Monaten seine amerikanischen Medikamente vorenthalten hat, was durch Zufall aufgedeckt wurde.“

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Das Buch

Florian Homm ist unter die Buchautoren gegangen. In seiner Autobiografie "Kopf Geld Jagd" rechnet er mit Feinden ab und erklärt, was er selbst falsch gemacht hat. Es erscheint im November.

Bibliografie:
Florian Homm
Kopf Geld Jagd
Finanzbuch Verlag, München 2012
363 Seiten, 19,99 Euro

Ungewöhnlicher Einstieg

Die Lektüre des Buches startet mit dem höchst ungewöhnlichen Hinweis: "Wichtiger Hinweis: Der Verlag und alle an diesem Buch beteiligten Personen wissen nicht, wo sich Florian Homm aufhält. Wir verfügen über keinerlei Adressen oder Telefonnummern noch kennen wir seinen Aufenthaltsort. Wir bitten deshalb, von Nachfragen an den Verlag abzusehen."

Die Widmung

"Für meine Tochter Isabella und meinen Sohn Conrad."

Über die Ex-Frau

"An erster Stelle möchte ich meiner Exfrau danken, die nicht nur meine Verrücktheit und Unbeständigkeit zwei Jahrzehnte lang ertrug, sondern auch unsere beiden Kinder fast im Alleingang großzog. Ihre Güte und Weisheit war eine Inspiration, ein positiveres und wahrhaftigeres Leben zu führen. Ich vergebe ihr das Jahr in der Scheidungshölle, in dem sie mich weitaus mehr terrorisierte als meine ärgsten Feinde in der Unternehmenswelt."

Über Journalisten

"In verschiedenen Artikeln wurde ein monströs-eindimensionales Bild von mir geschaffen, und half dabei, eine weltweite Menschenjagd zu starten, die jedes Menschenrecht verletzte und den formalen Rechtsweg in Amerika und Europa behinderte. Liebe Journalisten, Eure Pfuschereien haben mich angeregt, die Sache richtigzustellen, was hoffentlich wiederum auch andere Kollegen veranlassen wird, ihrer investigativen Arbeit künftig professioneller nachzugehen. Ich habe für Sie gebetet. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie Ihre boshafte Energie in Zukunft auf christlichere Weise kanalisieren können."

Über Homms Motive

"Anders als manch andere Lebensgeschichte ist dieses Buch weder der Versuch einer Selbstrechtfertigung noch steht dahinter die Absicht, ein paar lumpige Dollars zu verdienen. Ich bin zwar ohne jeden Zweifel selbstbesessen,
dennoch versuche ich, nicht den Selbstgerechten zu mimen. Insgesamt gebe ich zweifellos das Bild eines abgefeimten, habgierigen Spekulanten ab."

Über seine Vorbildfunktion

"Es wird dringend davon abgeraten, irgendeine der in diesem Buch beschriebenen Handlungen nachzuahmen."

Über sein Vermögen

"Das Manager Magazin hatte mein Nettovermögen auf rund eine halbe Milliarde Dollar beziffert. Damit lag es gar nicht so falsch. Ich besaß Schlösser, Paläste, Landgüter, Luxusapartments und reiste mit Privatjets, einer Jacht mit vier Schlafzimmern, einem Schnellboot, einem Rolls-Royce-Cabriolet und einem individuell ausgestatteten, aufgemotzten Mercedes-Cabriolet der S-Klasse. Ich besaß eine herausragende Gemäldesammlung alter Meister."

Über Feiern und Warmduscher

"Im Jahr 2006 wurde ACMH im Rahmen des Hedge Fund Review European Awards mit der Auszeichnung »Best Hedge Fund Group« und »Best Fund« geehrt. Treu meinen Prinzipien nahm ich an dieser Festivität nicht teil – nur Warmduscher verschwenden wertvolle Zeit mit Feiern. Unternehmen fürchten mich. Ich hatte sogar die multiple Sklerose besiegt. Ich war ein Wolf unter Schafen."

Über seine größten Fehler

"Ich hatte meine Seele erbärmlich verkommen lassen. Ich hatte mich dem Mammon unterworfen. Ich war primitiv und liebte das Vulgäre. Ich war geblendet von Reichtümern, Macht und egoistischen Vergnügungen. Ich spürte Gottes Verachtung. Ich wusste, dass ich vollkommen falsch handelte, und suchte unbewusst die Selbstzerstörung. Mein Autopilot steuerte auf den Hades zu. Ich war schwach und ließ mich treiben. Nichts konnte meine Abwärtsspirale aufhalten. Mein Schicksal war besiegelt."

Über Aktien-Leerverkäufe

"Ich hatte mit dem Aktienleerverkauf und der Plünderung von Unternehmen viel Geld verdient. Man muss ziemlich unsensibel und aggressiv sein, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein."

Über Geld und Glück

"Fast drei Jahrzehnte lang glaubte ich, Geld bedeute Glück. Begriffsstutzige Menschen wie ich müssen erst ihre Familie und ihr Vermögen verlieren, um zu begreifen, dass es keinerlei Verbindung zwischen Geld und Glück gibt."

Über seine Zukunft

"Ich habe seit meiner Zeit als junger Erwachsener mehrere wohltätige Einrichtungen unterstützt und die Liberia Renaissance Foundation gegründet, die nicht nur effektiv ist, sondern unter meiner Führung auch eine sehr schlanke Organisation war. Ich habe zuvor ein multinationales Unternehmen geführt. Ich habe Entwicklungsökonomie in Harvard studiert und drei Jahrzehnte lang in Entwicklungsländer investiert. Ich weiß, wie man mit Ärzten, Pharmazeuten und Forschern zusammenarbeitet. Ich habe zahllose Fusionen und Partnerschaften strukturiert und abschließend begleitet.

Ich bin keine eindimensionale Luxushure. Ich kann mich an extreme und widrige Bedingungen anpassen, mit Konflikten umgehen und Herausforderungen meistern.

Was gegen diese Zukunft sprechen könnte

"Ich würde dieses Vorhaben wirklich gerne realisieren. Ich habe noch gut 25 produktive Jahre vor mir. Hoffentlich wird in naher Zukunft kein internationaler Haftbefehl gegen mich erlassen; hoffentlich bekomme ich keine Kugel in
den Kopf, werde entführt oder verrotte in irgendeinem Gefängnis. Das würde die Entwicklung dieser karitativen Initiative schwer behindern. Auch sollte ich möglichst nicht in jahrelange Gerichtsverfahren verwickelt sein, die mich
für Monate von der Arbeit abhalten."

Homm muss im Gefängnis-Krankenhaus sein Zimmer teilen, „mit drei Schwerkranken (HIV, Hepatitis, AIDS)“, beschreibt Marie-Barabara-Homm die Zustände, „obwohl große Hitzewelle und alles voller Mücken war“.

Tatsächlich dürften die Haftbedingungen generell in Italien nicht die angenehmsten sein. Das Land ist bereits vom Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verurteilt worden, weil es zu viele Menschen in zu wenige Zellen pfercht. Es überrascht daher nicht, dass Homm auch im Gefängniskrankenhaus nicht auf ein Einzelzimmer pochen kann. Einzelzimmer sind auch in normalen italienischen Krankenhäusern die absolute Ausnahme.

Kommentare (3)

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pit

20.01.2014, 08:22 Uhr

200 Millionen - wie viele Existenzen hat er damit vernichtet? Wie viel Verzweiflung verursacht und Lebenschancen zertrümmert. Jetzt einen auf reuigen Sünder zu machen, ist verständlich; die Justiz in Deutschland geilt das auf, wenn sich der Sünder unterwirft. Trotzdem - Knast so lange wie möglich, um die Menschen von solchen Wölfen zu bewahren - und vielleicht denkt einer der vielen Bankster an dieses Schicksal. Und wenn ihm dann der Alptraum kommt - gut so. Dann ist der Knast in Italien und den USA genau das was man braucht.

Tabu

20.01.2014, 11:44 Uhr

Per Hand hat die 81-jährige Frau, die schwer krebskrank ist, den Brief geschrieben, um ihrem 54-jährigen Sohn zu helfen.
--
Was dieser gierige Soziopath seiner alten Mutter angetan
hat,wird dieser kaum ermessen können.
Auf ihre alten Tage,lebt sie seit seinem Untertauchen
in Angst um ihn..Gerade in einer Zeit,wo sie ihn am
meisten brauchte...ob sie mal in Ruhe sterben kann,
ist zu bezweifeln..
Als Sohn,würde ich mich in Grund und Boden schämen.


Saarlaender

21.01.2014, 12:43 Uhr

Millionäre halten eben fest zusammen, unabhängig von kleineren Unterschieden in der Weltanschauung. Dass Frau Wagenknecht sich für "Abschaum" einsetzt, ist nicht neu.

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