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23.04.2012

18:04 Uhr

Flucht in Bundesanleihen

Europas Politik versetzt Märkte in Schockstarre

Der Wahlsieg des Sozialisten Hollande in Frankreich, bevorstehende Neuwahlen in den Niederlanden und die Rezession in Spanien färben die Börsen weltweit rot. Aber es gab heute auch einen Fluchtpunkt für viele Anleger.

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DüsseldorfEuropa steckt wieder einmal in der Krise und wieder einmal ist es die Politik, die die Wirtschaft zum Spielball ihrer Entscheidungen macht. Allen voran sorgten die Präsidentschaftswahlen in Frankreich für reichlich Unsicherheit an den Märkten. Denn Amtsinhaber Nicolas Sarkozy musste sich in der ersten Runde der Wahlen seinem Konkurrenten François Hollande geschlagen geben. Eine Wiederwahl Sarkozys ist also fraglich und damit steht auch die Fortsetzung der mit Deutschland geführten Euro-Krisen-Politik auf dem Spiel. Hollande deutete schon im Wahlkampf an, den Europäischen Fiskalpakt nachverhandeln zu wollen.

Damit wurde an den Märkten die Sorge bekräftigt, dass sich die Richtung in der europäischen Krisenpolitik ändern könnte. „Wenn der Sozialist Francois Hollande auch in der zweiten Runde gewinnt, könnte das Misstrauen gegenüber dem Euro und den europäischen Märkte weiter wachsen“, sagte Roger Peeters, Marktanalyst beim Bankhaus Close Brothers Seydler.

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Dazu kam, dass sich nicht nur in Frankreich eine politische Veränderung abzeichnet. Die niederländische Minderheitsregierung von Ministerpräsident Mark Rutte ist nach gescheiterten Haushaltsverhandlungen zurückgetreten. Neben Frankreich gehört auch Holland zu den wichtigsten Verbündeten Deutschlands im Hinblick auf den Europäischen Fiskalpakt. Analysten befürchten nun, dass mit dem Machtwechsel in Frankreich und dem Rücktritt der Regierung Rutte der europäische Sparwille zu erlahmen droht. Des Weiteren sorgte der mögliche Verlust der Bonitätsbestnote „AAA“ auf niederländische Staatsanleihen für zusätzliche Nervosität.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:46 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Der Euro bekam heute schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was ihm drohen könnte, sollte der Fiskalpakt neu verhandelt werden. Am Montag sank die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,32 Dollar. Auch die wichtigsten europäischen Indizes stürzten heute tief ins Minus. Der deutsche Aktienindex (Dax) rutschte 3,4 Prozent ins Minus, in Frankreich musste der Pariser CAC 40 Index ein Minus von rund drei Prozent hinnehmen und der niederländische AEX-Index fiel 2,6 Prozent ins Negative. Das europäische Branchenbarometer EuroStoxx50 rauschte drei Prozent in die Tiefe auf 2.242 Zähler – den tiefsten Stand seit dem 28. Dezember 2011.

„Die Märkte haben allen Grund dazu, zu korrigieren“, sagte Patrick Moonen, Leitender Stratege bei ING Investment Management in Den Haag. Das politische Umfeld in Europa habe sich über das Wochenende nicht verbessert, hinzu kämen einige makroökonomische Daten, die klar enttäuschten, fügte Moonen hinzu.

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Wie groß der Argwohn der Anleger gegenüber Frankreich und den Niederlanden ist, zeigt auch ein Blick auf den Anleihemarkt. Die Ausfall-Versicherungen auf Verbindlichkeiten (CDS) dieser beiden Staaten stiegen heute auf den höchsten Stand seit Januar. Dagegen griffen die Investoren am Montag verstärkt zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Infolgedessen stieg der Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 140,97 Punkten und die Rendite zehnjähriger deutscher Staatspapiere sank auf 1,63 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Bestehen des Euro-Raums.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

23.04.2012, 18:12 Uhr

LOL dabei ist noch gar nichts passiert, die Sonne ging genau so auf wie gestern und der Bäcker hat genau so viel und genau die selben Brötchen verkauft. Diese Reaktionen sollten eher eine Warnung sein für das was da auf uns zusteuert.... das kann heiter werden und bislang sah ich Nostradamus Behauptung mit einem brennenden Europa, als puren Blödsinn und Fantasy an.... so langsam glaube ich aber an diese Aussage.

Account gelöscht!

23.04.2012, 18:22 Uhr

Ich mag wieder mal voellig falsch liegen, aber wenn ich mir den Euro-Kurs zum USD ansehe, hat der schon lange nichts mehr mit einer Kursbildung auf einem freien Markt zu tun. Da gibt es mittlerweile offensichtlich klare Bandbreiten. Koennte natuerlich auch ein ganz komischer Zufall sein, dass Spekulanten ihn in diesem Bereich halten wollen. Bernanke und Draghi wuessten da sicherlich mehr...

Andreas

23.04.2012, 18:58 Uhr

Ich lach mich Krank.
Sorry wie oft wurde der Untergang nun schon gepredigt....100 mal tausend mal... lächerlich diese übertrieben Reaktionen an den Märkten.... es scheint da keiner mehr den Kopf zum Denken zu nutzen und setzt die Ereignisse mal in Relation.... Krise ich kann s nicht mehr glauben...Krise ist wenn die Menschen nix zum Essen haben.....

Die Spekulatius Leute machen doch schon wieder ordentlich Kasse. Jammern aber sobald mal was nicht nach ihren Wünschen passiert....das ist Krank nur noch Krank.

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