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05.09.2011

16:26 Uhr

Flucht in Sicherheit

„Außer Deutschland bleibt nicht mehr viel“

VonRalf Drescher

Während der Dax in den Keller rast, stürzen sich Anleger auf deutsche Bundesanleihen. In der Schuldenkrise erscheinen die Papiere vielen neben Gold als letzte sichere Zuflucht. Mini-Renditen schrecken sie nicht ab.

Der Adler zeigt Stärke: Bundesanleihen sind extrem gefragt. dapd

Der Adler zeigt Stärke: Bundesanleihen sind extrem gefragt.

DüsseldorfWährend die Kurse am Aktienmarkt weiter einbrechen, sendet auch der Anleihemarkt neue Krisensignale. Die Flucht der Anleger in sichere Anlagen drückte die Rendite deutscher Staatsanleihen auf ein Rekordtief. Gleichzeitig zogen die Risikoaufschläge für Schuldpapiere aus den europäischen Peripherie-Staaten wieder deutlich an. Der Euro gab kräftig nach.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Nachmittag nur noch mit 1,87 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Einführung der Euro-Zone. Der Kurs der Papiere stieg um ein Prozent auf 103,39 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future zog um 1,65 Punkte auf ein Rekordhoch von 138,29 Punkten an.

"Was wir im Moment sehen, ist ganz klar eine Übertreibung, aber die Rendite kann durchaus noch ein Stück tiefer fallen", sagte Mario Gruppe, Volkswirt bei der NordLB. "Es ist das Ergebnis der Verunsicherung mit Blick auf die Schuldenkrise. Gruppe zufolge zweifeln große Investoren nach wie vor an der Nachhaltigkeit der bisher erarbeiteten Lösungen für die Schuldenkrise. Als Folge werde jede Meldung extrem kritisch betrachtet. Das treibe die Anleger in Bundesanleihen: "Man sucht krampfhaft nach sicheren Häfen und da bleibt im Moment außer Deutschland nicht viel übrig", fasst Gruppe zusammen.

Die jüngsten Hiobsbotschaften kamen einmal mehr aus Athen. Die Unterbrechung der Gespräche zwischen Griechenland und den Geldgebern EU, EZB und IWF schürten neue Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Landes. In der Folge sackten Anleihen aus Griechenland weiter ab. Der Kurs zehnjähriger griechischer Staatsanleihen fiel deutlich unter 50 Prozent, die Rendite stieg auf 17,62 Prozent. Entsprechend verteuerte sich auch die Absicherung von Krediten an Griechenland. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Staatsanleihen per Credit Default Swap (CDS) kostete laut Datenanbieter Markit 2,42 Millionen Euro – 192.000 Euro mehr als am Vortag.

Die wichtigsten Fragen zum Anleihetausch griechischer Papiere

Bis wann müssen sich Banken, Versicherer und Fonds entscheiden?

Morgen um 12 Uhr müssen sie der Bundesbank spätestens Bescheid geben. Die Bundesbank wiederum wird die Ergebnisse bis zum 9. September nach Athen übermitteln. Griechenland hat sich vorbehalten, den Tausch abzusagen, wenn nicht mindestens 90 Prozent der Gläubiger mitmachen.

Wer ist bislang dabei?

Commerzbank, Deutsche Bank, Dekabank, DZ Bank, BayernLB und FMS Wertmanagement, das ist die Bad Bank der HRE, haben öffentlich erklärt, mitzumachen. Dazu die Versicherungskonzerne Munich Re und Allianz.

Um welche Anleihen geht es?

Prinzipiell sind nur Anleihen betroffen, die bis Ende 2020 fällig werden. Eine Liste mit den betroffenen Bonds – insgesamt sind es 81 – wurde bereits veröffentlicht.

Gibt es verschiedene Tauschmöglichkeiten?

Ja. Die Banken können zwischen vier Varianten wählen. Bei Option eins bekommen sie eine 30-jährige Anleihe in gleichem Umfang, also ohne Schuldenschnitt. Dafür sind die Zinsen, die Griechenland zahlen muss, niedriger. Ähnlich ist es bei Option zwei, nur werden hier keine Altanleihen getauscht; stattdessen kaufen Anleger neue Bonds, sobald ihre Altanleihen zurückgezahlt wurden. Bei den Optionen drei und vier verzichten die Anleger auf 20 Prozent ihrer Forderungen, bekommen dafür aber einen höheren Zinssatz. Anleihevariante vier hat lediglich eine Laufzeit von 15 Jahren. Allerdings dürfen diese Option nur Investoren wählen, die Anleihen abliefern, die vor 2014 fällig geworden wären. Die Kreditsumme ist bei dieser Variante aber nur zu 40 Prozent abgesichert; bei den anderen drei ist es dagegen der volle Nennwert.

Ist es möglich, nur einen Teil seiner Anleihen zu tauschen?

Nein, ganz oder gar nicht. Wer tauschen will, muss seinen gesamten Bestand griechischer Bonds wandeln. Der Stichtag dafür ist der 30. Juni 2011.

Was ist mit Anleihen, die seither verkauft oder zurückgezahlt wurden?

Sie werden trotzdem berücksichtigt. Entscheidend ist der Anleihebestand am Stichtag. Sollte dieser seither kleiner geworden sein, müssen die Banken den Differenzbetrag neu in Anleihen investieren. Das geht aber nur über die zuvor beschriebene Tauschvariante zwei.

Müssen sich Anleger für eine einzige Variante entscheiden?

Nein, sie können ihren Beitrag auf verschiedene Varianten aufteilen.

Wie groß ist das Risiko der neuen Anleihen?

Ein Teil der neuen Anleihen wird börsennotiert sein. Der Kurs wird zeigen, wie hoch Investoren das Risiko einschätzen.

Welche Folgen hätte eine abweichende Risikoschätzung?

Dann müssten Bankmanager und Wirtschaftsprüfer im nächsten Quartalsabschluss prüfen, ob die Banken ausreichend Wertberichtigungen auf ihre Anleihen gebildet haben. Das könnte vor allem bei den französischen und italienischen Banken spannend werden, die bisher nur sehr geringe Abschreibungen vorgenommen haben.

Bekommen die neuen Anleihen ein Rating?

Das ist noch nicht klar. Entsprechen- de Gespräche mit den Ratingagenturen wurden aber aufgenommen. 

Von solchen Niveaus sind Italien und Spanien noch weit entfernt. Aber die Beruhigung am Markt nach den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank weicht auch hier zunehmend wieder den Ängsten vor einer Ausweitung der Schuldenkrise. Nach den jüngsten Korrekturen der italienischen Regierung an ihrem Sparpaket schätzen die Anleger die Risiken in Italien mittlerweile größer ein. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen liegt mit 5,52 Prozent deutlich über der spanischen, die am Nachmittag bei 5,21 Prozent lag. Das gleiche Bild zeigt sich bei den CDS-Prämien: Die Prämien für die Versicherung italienischer Bonds stiegen um 22.000 auf 422.000 Euro, die für spanische Papiere um 11.000 auf 401.000 Euro.

Die Skepsis der Investoren gegenüber der Euro-Zone zeigt sich auch am Kurs der Gemeinschaftswährung Euro. Dieser hat sich in den vergangenen Tagen wieder deutlich abgeschwächt. Zum Wochenauftakt ging es weiter abwärts. Im Vergleich zum Dollar notierte der Euro am Nachmittag nur noch bei 1,4060 Dollar.

Extrem fest präsentierte sich dagegen einmal mehr der Goldpreis. Nachdem der Preis für die Feinunze vor zwei Wochen binnen weniger Tage von einem Rekordhoch bei 1.911 Dollar fast 200 Dollar zurückgefallen war, hat er dieses Niveau inzwischen wieder erreicht. In der Spitze kostete Gold 1.902 Dollar je Unze, in Euro stieg der Preis bis auf 1.350 Dollar und markierte damit ein weiteres Allzeithoch.

Kommentare (3)

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Pendler

05.09.2011, 12:17 Uhr

ich sag nur 1

G O L D

F A Z
E R Y (shorts)

Ist doch egal, ob die Kurse fallen, oder steiegn, Hauptsache volatil
und Hauptsache, man weiß es vorehr.

Kalle

05.09.2011, 12:41 Uhr

Richtig, sollen die sterbenden Währungen gegen Gold ruhig schwanken, eine Unze bleibt eine Unze.

Silverager

06.09.2011, 05:30 Uhr

"Die Flucht der Anleger in sichere Anlagen drückte die Rendite deutscher Staatsanleihen auf ein Rekordtief."

Wer in diesen Zeiten Staatsanleihen für eine sichere Anlage hält, kann doch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Er hält ein Blatt Papier mit einem Zahlungsversprechen in Händen, das von Woche zu Woche weniger wert ist.
Wer eine Unze Gold oder Silber hat, hält einen tatsächlichen Wert in Händen, der von Woche zu Woche wertvoller wird.

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