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18.01.2008

07:10 Uhr

Folgen der Kreditkrise

Börsen strafen die Banken ab

Die unerwartete "Subprimebeichte" der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hat zu Spekulationen über weitere böse Überraschungen in den Jahresabschlüssen deutscher Banken geführt.

ben/cü/hgn/sos FRANKFURT. "Es mag nicht ganz fair sein, von der Größenordnung der Abschreibungen bei HRE konkret auf die anderen Institute zu schließen. Aber das Risiko weiterer negativer Überraschungen ist ganz klar gestiegen", urteilte Sal.-Oppenheim-Bankenanalyst Thomas Stögner.

Daher setzten die deutschen Bankenaktien ihre Talfahrt am Mitttwoch fort. Auslöser war die unerwartete Nachricht vom Dienstag, dass die HRE im vierten Quartal fast 400 Mill. Euro an Wertberichtigungen auf zweitklassige (subprime) US-Immobilienkredite vornehmen muss. Obwohl die Abschreibungen weit unter den Milliardenkorrekturen einiger US-Großbanken lag, ging die HRE-Aktie über 30 Prozent in die Knie. Händler verwiesen auf den massiven Vertrauensverlust des HRE-Managements, das monatelang Subprime-Probleme von sich gewiesen hatte.

In der Folge gaben die Kurse aller übrigen deutschen Banken, deren Quartalszahlen noch ausstehen, ebenfalls deutlich nach. So verloren die Titel der anderen beiden Institute mit großem Immobiliengeschäft, Aareal und Commerzbank, innerhalb von zwei Tagen neun beziehungsweise elf Prozent an Wert. Die Postbank gab um acht Prozent nach, Branchenprimus Deutsche Bank büßte vier Prozent ein. "Wenn die Kursverluste anhalten, wird jeder Bankchef versuchen, die Veröffentlichung seiner Zahlen vorzuziehen", sagte der Chef eines Frankfurter Finanzdienstleisters. Dekabank -Chef Franz Waas sagte: "Im Sinne größerer Transparenz wäre es zu überlegen, alle Zahlen so bald wie möglich offenzulegen." Je früher das geschehe, umso eher könne man wieder Vertrauen herstellen. Nach der bisherigen Terminlage wird die Deutsche Bank am 7. Februar als nächstes Kreditinstitut ihre Zahlen veröffentlichen.

Auch am Anleihemarkt zeigten sich die Anleger weiterhin sehr nervös. Die Risikoprämien für Bankenanleihen sind seit dem Ausbruch der Subprime-Krise im Sommer in die Höhe geschnellt. Besonders deutlich lässt sich das bei Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS) ablesen, mit denen sich Investoren gegen den Zahlungsausfall von Banken absichern. Die Risikoaufschläge des von professionellen Investoren viel beachteten Index iTraxx Financials für die liquidesten CDS auf 25 europäische Finanzinstitute sind für vorranginge Anleihen und Kredite auf 55 und für nachrangige Titel auf 88 Basispunkte gestiegen.

Vor der Subprime-Krise lagen die Aufschläge unter zehn beziehungsweise unter 20 Basispunkten. Die aktuellen Aufschläge bedeuten, dass Investoren jährlich 55 000 beziehungsweise 88 000 Euro zahlen müssen, um ein Index-Portfolio auf die 25 Finanzinstitute von zehn Mill. Euro abzusichern. Die Aufschläge liegen damit aber noch unter ihren Allzeithochs vom August. Viele Fachleute erwarten, dass die Risikoaufschläge kurzfristig noch weiter steigen könnten, setzen jedoch bereits auf ein Abebben der Krise und empfehlen Bankenanleihen zum Kauf. "So hohe Risikoaufschläge wie derzeit wird man lange nicht mehr sehen", meint zum Beispiel David Brickman, Kreditstratege bei Lehman Brothers.

Der HRE als Auslöser der jüngsten Turbulenzen in Deutschland droht nun auch Ärger mit den Aktionären. "Wir prüfen gegenwärtig, ob Aktionäre der Hypo Real Estate eine Möglichkeit haben, Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Kapitalmarktkommunikation geltend zu machen", erklärte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Anlegervereinigung DSW.

Andere auf solche Klagen spezialisierte Anwälte äußerten sich ähnlich und warben damit um Mandanten. Offenbar gibt es derzeit jedoch keine Ansatzpunkte für Ermittlungen. Bei der Staatsanwaltschaft München hieß es gestern, man sei derzeit nicht aktiv. Allerdings beobachte man die Lage aufmerksam.

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