Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2012

10:40 Uhr

Fonds

Warum die Deutschen nicht klug werden

VonAnke Rezmer

Die meisten Bürger scheuen Investmentfonds als Anlageoption. Das Unbehagen beruht jedoch oft auf Unwissen über deren Potenziale. Auch die Anbieter tragen Schuld: Ihre Produkte sind immer komplexer geworden.

Investmentfonds werfen oft viele Fragen bei den Anlegern auf. dpa-tmn

Investmentfonds werfen oft viele Fragen bei den Anlegern auf.

FrankfurtDeutsche Anleger lernen offenbar nicht dazu: Seit Jahren dokumentiert eine Umfrage des französischen Fondsanbieters Axa Investment Managers (Axa IM), dass die Deutschen wenig über Investmentfonds wissen. Nur die Hälfte von gut 1000 befragten Menschen in Deutschland konnte bestätigen, dass ein Rentenfonds in Anleihen anlegt. Nur ein Viertel wusste, dass Fondsvermögen gegen Insolvenz des Fondsanbieters geschützt ist. Und eine knappe Mehrheit hält Fonds nicht geeignet für die Altersvorsorge, allenfalls gelten sie als Produkte für Besserverdienende.

Damit führen sie den Ur-Gedanken dieser Anlageform ad absurdum, wurden Investmentfonds doch vor rund 60 Jahren gerade für das langfristige Sparen kleiner Beträge konzipiert. Jedermann sollte die Chance bekommen, sich schon mit geringen Sparsummen etwa in einem Aktienfonds am Produktivkapital der Wirtschaft und deren Erträgen zu beteiligen. In die Breite getragen wurde dies bislang jedenfalls nicht: Gerade mal 17 Prozent der Deutschen besitzen Fonds.

Ein Grund dafür könnte sein: Fonds gelten als kompliziert. Die meisten der von Axa IM Befragten meinen, ohne vertiefte Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge nicht in Fonds investieren zu können. Das sollte die Branche, die trotz Finanzkrise und magerer Kapitalzuflüsse sich offenbar noch immer gern mit den seligen Vorkrisenzeiten beruhigt, wach rütteln. Denn als Reaktion auf Börsen-Aufs-und-Abs dachten sich Produktentwickler immer komplexere Produkte aus. Man denke an Strategien, die bestimmte Abhängigkeiten einzelner Marktsegmente ausnutzen oder auszuschalten versuchen oder ausgefeilte Derivate-Strategien, um in allen Marktphasen Rendite zu erzielen.

Fonds-Gebühren im Überblick

Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

Depotbankgebühr

Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

Performance Fee

Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

Transaktionskosten

Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

Sonstige Gebühren

Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

Vereinzelt äußern Anbieter bereits, dass statt neuer Fonds-Kapriolen eher einfache, verständliche Fonds Sinn machen dürften. „Wenn die Vermittler die Strategien nicht verstehen, müssen wir darüber nachdenken“, mahnt Uwe Diehl, Geschäftsführer bei Axa IM in Deutschland. Warum also nicht schlichte internationale Aktienfonds oder weltweit anlegende Anleihefonds hervorheben?

Da die Menschen vermutlich wegen ihres geringen Wissens offenbar Beratung wünschen, sollten Anbieter zudem dafür sorgen, dass der Vermittler das Produkt gut erklären kann. Stimmen sollte auch die Entlohnung des Vermittlers, die heute oft den Verkauf bestimmter Produkte durch besondere Provisionen honoriert. Diehl plädiert für eine Entlohnung je nach Entwicklung des Fonds und nach einer Beratung gegen Gebühr.

Jahresbilanz: Was die Lieblingsfonds der Deutschen bringen

Jahresbilanz

Was die Lieblingsfonds der Deutschen bringen

Ihre Lieblingsfonds haben den Deutschen  in diesem Jahr wenig Freude bereitet. Einige der milliardenschweren Dickschiffe haben herbe Verluste eingefahren. Mit anderen kamen Anleger besser durch die Krise. Eine Bilanz.

Das alles garantiert nichts, zumal das Interesse der Deutschen an Aktien gering ist. Das könnte sich aber auch ändern, wenn vielen bewusster wird, dass sie selbst für ihr Alter vorsorgen müssen.

Die Autorin ist erreichbar unter: rezmer@handelsblatt.com

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kalle

28.01.2012, 11:09 Uhr

Die Deutschen werden langsam klug! Sehr langsam ziehen sie die Konsequenzen aus den vielen Skandalen und Betrügereien.
Dieser Beitrag soll nun noch möglichst viele bei der Stange halten, aber es wird nicht funktionieren, der Zusammenbruch der Papierwährungen zeichnet sich ab. Damit fallen auch verschiedene Anlageformen wie Lebensversicherungen und Fonds. Nur mit Mühe können die Edelmetallpreise noch im Zaum gehalten werden, durch Verkauf des Gadaffi-Goldes z.B.
Der Deutsche wird halt langsam aus Schaden klug!

haberdachs

28.01.2012, 11:12 Uhr

Klug sein hat nichts mit wissen oder nicht wissen zu tun. Klug sein heisst aus Erfahrung lernen und gegenüber denen, die einen in der Vergangenheit über den Tisch gezogen haben, gesundes Misstrauen zu wahren. Im übrigen liest sich der Artikel wie ein PR-pusher der Fondsemittenten und geht mit keinem Satz auf die - zudem ziemlich diffuse - Überschrift "Warum die Deutschen nicht klug werden" ein.

PolyPalette

28.01.2012, 11:33 Uhr

Nur meine persönliche, nicht repräsentative Sicht auf die Dinge:
Wenn meine direkte Aktienanlage über einen längeren Zeitraum trotz Krise sehr deutlich im Plus liegt, der konservative VL-Fonds bei einem der größten deutschen Anbieter aber nach 7 Jahren nur noch 2/3 des eingezahlten Betrags auszahlt, dann sollte man sich Gedanken machen, ob die Deutschen vielleicht nicht doch cleverer sind als sich die Finanzbranche das vorstellt.
Natürlich soll auch der Banker nicht hungern und für seine Arbeit gerecht entlohnt werden. Wenn aber irgendwelche Managementfees, Depotgebühren, Performanceboni und Ausgabeaufschlag den Gewinn fressen, oder sogar - wie bei mir - deutliche Verluste generieren, dann funktioniert das System nicht (mehr) und dann sollte die Branche nicht versuchen durch Diskussionen über evtl. Komplexität von der eigenen Unfähigkeit oder Gier oder Kombinationen davon abzulenken. System überdenken und entsprechend anpassen.
Vielleicht auch noch mal kurz erinnern was das Primärziel für einen Kunden bei seiner Altersvorsorge ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×