Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2013

09:27 Uhr

Fondsmanager im Interview

„Europa stellt das größte Risiko dar“

VonJörg Hackhausen

Der Einbruch an den Börsen war übertrieben, meint Michael Ganske. Der Fondsmanager erklärt, wo er investiert, warum er kein Problem mit autokratischen Staaten hat und warum er Europa für das größte Risiko hält.

Die Börse in Shanghai ist zuletzt kräftig gefallen. dpa

Die Börse in Shanghai ist zuletzt kräftig gefallen.

Herr Ganske, Sie investieren in Anleihen aus Schwellenländern wie China, Indonesien oder Brasilien. Die sind zuletzt abgestürzt. Was ist schief gelaufen?
Weltweit sind die Kurse extrem schnell gefallen. Die Charts sehen dramatisch aus! Die Schwellenländer hat es besonders erwischt, aber nicht allein, auch US-Staatsanleihen sind unter Druck geraten.

Was war der Auslöser?
Als Bernanke angedeutet hat, dass er Anleihekäufe unter Umständen zurückfahren wird, kam Panik auf. Die Investoren fürchteten, dass die US-Notenbank ihre expansive Geldpolitik zu früh beenden könnte, und dass die Zinsen steigen. Ich glaube aber schon, dass Investoren zu heftig darauf reagierten.

Warum sorgt das weltweit für Schockwellen?
Es ist nach wie vor so, dass sich alle an der US-Notenbank orientieren. Sie ist die Referenz – für die Investoren, genauso wie für die anderen Zentralbanken. Wenn sie ihren Kurs ändert, ändern sich die Spielregeln.

Michael Ganske ist seit April als "Head of Emerging Markets" bei Rogge Global Partners in London tätig.

Michael Ganske ist seit April als "Head of Emerging Markets" bei Rogge Global Partners in London tätig.

Kam das wirklich so überraschend?
Die wenigsten hatten eine so schnelle Bewegung erwartet. Selbst jemand wie Bill Gross von Pimco wurde völlig auf dem falschen Fuß erwischt und musste deutliche Verluste verkraften.

Was ist mit Ihnen?
Mich hat das auch überrascht - nicht so sehr die Aussage von Bernanke, die ohnehin nur in einem Nebensatz fiel, sondern eher die heftige Reaktion darauf. Ich halte das für übertrieben. Eigentlich sollten wir froh sein, dass die US-Notenbank künftig weniger Geld drucken will, weil das gleichzeitig bedeutet, dass sie erwartet, dass sich die US-Wirtschaft erholt.

Tut sie das wirklich?
Das ist genau die Sorge an den Märkten. Die Investoren fürchten, dass die US-Notenbank die Wirtschaftslage zu positiv beurteilt, dass sie aus dem Quantitative Easing aussteigt, obwohl es dafür noch zu früh ist. Deshalb ist das Misstrauen im Moment so groß.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

Was denken Sie?
Ich denke, dass die Geldpolitik bislang richtig gut funktioniert hat, und dass die Fed weiterhin sehr besonnen vorgehen wird. Selbst wenn sie die Anleihekäufe im kommenden Jahr bis auf null reduzieren wird, werden die Zinsen noch auf lange Zeit niedrig bleiben. Bernanke hat gesagt, dass die Leitzinsen mindestens bis 2015 nahe null bleiben werden. Das haben die meisten offenbar überhört.

Eines Tages wird die Zeit der absoluten Niedrigzinsen zu Ende gehen. Was dann?
Anleihen sind 30 Jahre lang sehr gut gelaufen, weil die Zinsen immer weiter gefallen sind. Jetzt beginnt sozusagen die zweite Spielhälfte. Es kommt eine Zeit mit etwas höheren Zinsen, was zu einer Neubewertung von Anleihen führten wird. Deshalb sind Anleihen aber nicht tot.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Parallax

02.07.2013, 10:07 Uhr

"Ich denke, dass die Geldpolitik bislang richtig gut funktioniert hat, ..."

so asozial kann nur jemand reden, der gut daran verdient hat und der die kalte Vermögensenteignung über die Flutung der Märkte mit frischem Geld ignoriert oder sogar gut heißt.

Es geht im FInanzwesen nur noch darum, das Geld von den Dummen zu trennen und das funktioniert mit Fiat Money einfach am Besten. Man muss kein Vermögen wegnehmen oder besteuern, sondern macht es einfach wertloser und streicht sich die Gewinne über die Ausschüttung ein.

diwi

02.07.2013, 10:19 Uhr

Was für ein Schwätzer! "Föderalisierung der Schulden ...." Klar, dass er als Banker das will. Damit er weiter in Ruhe zocken kann.

Ich kann es gar nicht glauben, dass man das Gewäsch solcher Leute hier noch abdruckt. Das ist reine Lobbyarbeit, sonst nichts.

Account gelöscht!

02.07.2013, 12:38 Uhr

China stürtzt seit 07 ab-zumindest die Börse für inländische Anleger-Warum?Darum:Die Chinesen müssen ihre Aktien zu Geld machen,um Kredite zu tilgen und Konsum zu finanzieren.Bloß Scheiße wenn die dann immer weniger wert sind.... .

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×