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25.08.2015

14:08 Uhr

Fragen zum Börsencrash

War das jetzt ein „Flash Crash“?

China hat am Montag die Börsen erschüttert. US-Finanzminister Larry Summers warnt davor, dass die Turbulenzen nur der Anfang gewesen sein könnten. Was Investoren zu den Ereignissen wissen müssen.

Börsencrash in China

„Das ist der Vorbote einer globalen Finanzkrise“

Börsencrash in China: „Das ist der Vorbote einer globalen Finanzkrise“

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Frankfurt/New YorkUS-Investoren hatten ihren Arbeitstag am gestrigen Montag mit Nervosität begonnen, nachdem Ängste vor einer Konjunkturabkühlung die Märkte weltweit erschüttert hatten. Die Sorgen manifestierten sich, als der Standard & Poor's 500 Index in den ersten Handelsminuten um 5,3 Prozent absackte. Es war der stärkste Innertages-Verlust seit vier Jahren und der Auftakt zu einer Achterbahnfahrt: Der Markt erholte sich, um danach wieder zu fallen.

Das Muster wiederholte sich während des gesamten Handelstags, und am Ende schloss der Leitindex mit einem Minus von 3,9 Prozent. Bis dahin kam es zu wilden Kursschwankungen, Handelsaussetzungen und Volatilität in einem Ausmaß, das es seit Jahren nicht gegeben hatte. Die Lage war derart dramatisch, dass der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers auf Twitter Vergleiche zu früheren Markteinbrüchen zog und erklärte: „Wir könnten uns am Anfang einer sehr ernsten Situation befinden.“

Jenen Investoren, die grübeln, was das alles zu bedeuten hat, möchten wir hiermit Antworten auf einige der wichtigsten Fragen zu den Ereignissen vom Montag geben.

Arten von Kauf- und Verkauforders

Bestens

Bei dieser unlimitierten Order werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis verkauft.

Billigst

Gibt der Anleger die Order billigst, werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis gekauft.

Limit

Der Anleger nennt für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren einen Höchst- oder Mindestkurs. Ober- oder unterhalb dieser Grenze werden dann keine Aktien geordert.

Stop-Buy-Order

Der Anleger kann eine Grenze angeben, oberhalb der Aktien gekauft werden sollen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Buy-Limit

Zusätzlich zur Grenze, ab der Aktien gekauft werden sollen, kann der Anleger auch ein Limit für den maximalen Preis angeben.

Trailing-Stop-Buy

Ein Trailing Stop-Buy basiert auf einer Stop-Buy-Order. Es wird also ein Kurs festgesetzt, bei dem gekauft werden soll. Allerdings passt sich der Stop-Buy automatisch an, wenn der Kurs fällt.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Buy auf 110 Euro festgesetzt. Fällt dann der Kurs auf 95 Euro, fällt auch der Stop-Buy auf 105 Euro. Der Abstand zwischen Kurs und Stop-Buy wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

Stop-Loss-Order

Sobald ein bestimmter Kurs unterschritten wird, werden die Aktien verkaufen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Loss-Limit

Will der Anleger unterhalb einer bestimmten Grenze Aktien verkaufen, jedoch nicht jeden Preis zahlen, kann er die Stop-Loss-Order auch mit Limit einrichten.

Trailing-Stop-Loss

Analog zur Stop-Loss-Order wird auch beim Trailing Stop-Loss ein Kurs festgesetzt, bei dem Aktien verkauft werden sollen. Dieser Stop-Loss wird bei steigenden Kursen jedoch automatisch angepasst.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Loss auf 90 Euro festgesetzt. Steigt dann der Kurs auf 105 Euro, steigt auch der Stop-Loss auf 95, der Abstand zwischen Kurs und Stop-Loss wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

One-Cancels-Other-Order

Bei einer Order nach dem Prinzip One-Cancels-Other werden quasi zwei Orders abgegeben. Damit ist der Anleger gleichzeitig für steigende und fallende Kurse gerüstet. Das Stop-Limit sichert den Anleger bei einem Kurssturz ab und mit dem oberen Verkaufslimit kann er sich auf einen Kurs festlegen, bei dem er Gewinne mitnehmen möchte.

War das ein „Flash Crash“?

Der Markteinbruch vom 6. Mai 2010 wurde später „Flash Crash“ getauft. Er löste damals einen Schock aus. Ohne Vorwarnung gab der Markt fast eine Billion Dollar an Börsenbewertung ab, um fast augenblicklich den größten Teil der Verluste wieder aufzuholen. Am gestrigen Montag gaben die Preise zwar ebenfalls schnell nach, aber das erschien als ein angemessenes Abbild der Investorenstimmung. Ängste vor einer weltweiten Konjunkturabschwächung ließen die Indizes weltweit nachgeben, angeführt von einem 8,5-Prozent-Rückgang des chinesischen Shanghai Composite Index. Darüber hinaus gab es Sorgen, dass die US-Notenbank bald die Zinsen anheben wird, was nach Meinung mancher den seit sechs Jahren laufenden Bullenmarkt abwürgen könnte. Als Reaktion auf die schlechte Stimmung beendete der S&P 500 den Handelstag mit seinem stärksten Verlust seit August 2011. Damit behielt der Markt bis Börsenschluss die Richtung bei, die er am Morgen eingeschlagen hatte.

Sind denn nicht einige Aktien abgestürzt?

Viele Aktien hatten mit Verlusten eröffnet, darunter die von General Electric Co. und JPMorgan Chase & Co. Innerhalb von Minuten stürzten beide weiter ab, um insgesamt bis zu 21 Prozent.

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Der Dax rasselt kurzzeitig auf ein Jahrestief – die Talfahrt an den Börsen erinnert an den Crash in der Finanzkrise 2008. Doch es gibt auch Unterschiede, die Hoffnung machen.

Gab es Schutzmechanismen?

Nach dem Flash Crash von 2010 war ein Schutzsystem eingerichtet worden um zu verhindern, dass einzelne fehlgeleitete Handelsgeschäfte die Preise insgesamt nach unten treiben. Händler sollen keine Preise stellen, die außerhalb einer bestimmten Prozentspanne über- oder unterhalb des Durchschnittskurses einer Aktie liegen. Die Regel griff am Montag aber nicht bei GE, JPMorgan und anderen Aktien - möglicherweise deswegen, weil die erlaubten Kursspannen in den ersten Handelsminuten des Tages breiter sind. Die Verluste waren zwar groß, aber nicht groß genug. Am Ende des Tages waren die Abgaben bei GE und JPMorgan weniger drastisch: Sie lagen bei 2,9 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent.

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