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25.01.2010

13:48 Uhr

Frank Hagenstein

„Ausfallrisiko für Euro-Länder extrem gering“

VonAndrea Cünnen

Frank Hagenstein ist für Rentenfonds zuständiger Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. Handelsblatt-Redakteurin Andrea Cünnen sprach mit ihm über die Verwerfungen im Euro-Raum und welche Folgen der Zahlungsausfall eines Staats haben könnte.

Frank Hagenstein leitet den Bereich Renten bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. (Quelle: pr) Pressebild

Frank Hagenstein leitet den Bereich Renten bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. (Quelle: pr)

Handelsblatt: Viele Staatsanleihen aus dem Euro-Raum kommen unter Druck. Sind sie noch sicher?

Frank Hagenstein: Das kommt darauf an, wie Sie Sicherheit definieren. Das Risiko, dass Länder aus dem Euro-Raum ihre Schulden nicht bedienen, halte ich für extrem gering. Wir haben aber – anders als vor der Finanzkrise – auch bei Staatsanleihen die Gefahr deutlicher und schneller Kursverluste.

Und warum erwarten Sie keine Ausfälle im Euro-Raum?

Hagenstein: Der Dominoeffekt, den der Zahlungsausfall eines Landes wie zum Beispiel Griechenland auslösen würde, wäre verheerend. Sofort würde über die Zahlungsfähigkeit Portugals und anderer wirtschaftlich schwächerer Euro-Länder spekuliert. Die Banken und die gesamte Wirtschaft kämen unter massiven Druck, die Aktienmärkte würden einbrechen. Kurz gesagt: Einen Fall wie nach der Lehman-Insolvenz mit all den dramatischen Auswirkungen auf das Finanzsystem will niemand riskieren.

Dann können Anleger doch jetzt griechische Staatsanleihen mit gut sechs Prozent Rendite kaufen und die Kursverluste aussitzen...

Na ja, ich bezweifle, dass Anleger noch ruhig bleiben, wenn die Kurse griechischer Staatsanleihen von derzeit knapp 100 auf zum Beispiel 80 Prozent ihres Nominalwertes fallen, was zwischenzeitlich möglich wäre. Deshalb achten wir auch auf Ausgewogenheit in unseren Rentenfonds.

Sind denn Rentenfonds für Euro-Staatsbonds noch sicherer als die Fonds für Unternehmensanleihen?

So pauschal nur, wenn in einem Staatsanleihe-Fonds nur Papiere aus Deutschland, Frankreich, Holland oder Österreich liegen. Aber auch da können sich die Risiken – und Chancen – schnell ändern. Vor neun Monaten standen die Kurse österreichischer Staatsbonds unter Druck, weil man dort große Risiken wegen der Verflechtungen mit Osteuropa sah.

Nach welchen Kriterien wählt Deka Investment Staatsanleihen aus dem Euro-Raum aus?

Wir analysieren die Kennzahlen mit Blick auf Verschuldung, Wirtschaftswachstum und politischer Stabilität genau so detailliert wie die Bilanzen bei Unternehmen. Das ist nötig geworden, weil wir einen Risikotransfer der Unternehmen auf die Staaten sehen. Denn je mehr sich die Staaten aufladen, um Konjunktur und Unternehmen zu stützen, desto höher treiben sie ihre Verschuldung und gefährden ihre eigene Bonität.

Hat sich Ihr Ansatz geändert?

Ja, Länderanalysen stehen bei uns seit einem Vierteljahr besonders im Fokus. Ausgeweitet haben wir sie aber schon im Herbst 2008 mit den ersten staatlichen Rettungsschirmen. Und Länderrisiken sind bei uns jetzt auch der Analyse für Unternehmensbonds vorgeschaltet. Denn letztlich können Unternehmen nur so stark sein, wie der Staat, der oben drüber steht.

Sind für Ihre Einschätzungen die Urteile der Ratingagenturen wichtig?

Ignorieren kann man sie nicht, aber Ratings sind oft ein Blick auf historische Kennzahlen. Man muss aber bei der Bonitätsbeurteilung nach vorne sehen und täglich am Ball bleiben. Da sind Risikoprämien häufig aufschlussreicher als Ratings.

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