Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.08.2015

15:13 Uhr

Franken-Kredite

Zusatzkosten setzen polnischen Banken zu

Das Geschäft mit Franken-Krediten schien vielversprechend – nicht nur in Polen. Doch mit der Aufwertung kam das Ende. Die Wechselkursverluste sollen die Gläubiger tragen. Polnische Institute bringt das in Bedrängnis.

Als zahlreiche Hypothekenbesitzer ihre Schuld in Schweizer Franken umwandelten, stand der Kurs noch günstig – mit der Wechselkursfreigabe Anfang des Jahres jedoch gewann der Franken dramatisch an Wert. dpa

Vom Vorteil zum Verlust

Als zahlreiche Hypothekenbesitzer ihre Schuld in Schweizer Franken umwandelten, stand der Kurs noch günstig – mit der Wechselkursfreigabe Anfang des Jahres jedoch gewann der Franken dramatisch an Wert.

FrankfurtMögliche zusätzliche milliardenschwere Belastungen im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten haben polnische und einige ausländische Banken am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Auslöser der Verkäufe ist ein geplantes Gesetz, dass es polnischen Kreditnehmern ermöglicht, ihre in Schweizer Franken aufgenommenen Hypotheken in Zloty umzuwandeln. Die Geldhäuser bleiben bei diesen Geschäften wohl auf Verlusten in Höhe von 19 Milliarden Zloty (4,5 Milliarden Euro) sitzen – doppelt so viel wie im ursprünglichen Entwurf. Im vergangenen Jahr verdiente die heimische Branche insgesamt 16 Milliarden Zloty (3,8 Milliarden Euro).

PKO, Bank Zachodni, die Commerzbank-Tochter mBank, BPH und Getin Noble verloren bis zu 28 Prozent. Letztere waren mit 0,80 Zloty zudem so billig wie nie zuvor. Auch ausländische Institute, die über ihre Polen-Töchter Franken-Kredite vergeben haben, standen unter Druck. Die spanische Santander büßte 0,3 Prozent ein, die deutsche Commerzbank 1,1 Prozent und die portugiesische BCP fünf Prozent. Der US-Mischkonzern General Electric (GE), der eine große Finanzsparte hat, gab im vorbörslichen US-Geschäft 0,6 Prozent nach.

Gemeinschaftswährung: Polen will Debatte um Euro-Beitritt

Gemeinschaftswährung

Polen will Debatte um Euro-Beitritt

Polens Präsident Bronislaw Komorowski fordert eine Diskussion über einen Beitritt seines Landes in die Euro-Zone. Polen will zwar grundsätzlich den Euro einführen, konkrete Pläne gibt es aber bislang nicht.

Ähnlich wie viele Ungarn hatten Anfang des Jahrtausends zahlreiche Polen Kredite in Franken aufgenommen, um von den niedrigen Zinsen zu profitieren. Wegen der Aufwertung der Schweizer Währung seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 können sie ihre Raten aber oft nicht mehr zahlen. Das Gesamtvolumen der Franken-Kredite beläuft sich auf 144 Milliarden Zloty. Das entspricht etwa acht Prozent der jährlichen polnischen Wirtschaftsleistung.

Dem geplanten Gesetz zufolge werden die Kreditnehmer so gestellt, als hätten sie ihre Hypotheken in Zloty aufgenommen. 90 Prozent der entstandenen Wechselkursverluste werden den Gläubigern aufgebürdet. Ungarn hatte die Banken ebenfalls kräftig zur Kasse gebeten.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Carl Andersen

06.08.2015, 17:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Marc Schmutz

06.08.2015, 17:20 Uhr

Herr Andersen, welche grandioser Kommentar.
Bin erleichtert dass Carry Trades scheinbar ein rein polnisches Problem sind. Dann brauchen wir uns ja um den weiteren Verfall der EM Währungen keine Sorgen zu machen. Und ich war schon fast besorgt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×