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05.07.2011

15:11 Uhr

Frankfurter Gespräch

„Es werden Mittelständler pleite gehen“

VonLaura de la Motte

Mittelständler haben die Anleihe als Finanzierungsinstrument entdeckt. Kapitalmarktexperten warnen jedoch. Sie fürchten, dass gerade kleinere Unternehmen nicht in der Lage sein werden, ihre Anleihen zurückzuzahlen.

Teil der Expertenrunde: Peter von Woedtke, Uwe Nespethal und Thomas Diekes (v.l.). Quelle: BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Teil der Expertenrunde: Peter von Woedtke, Uwe Nespethal und Thomas Diekes (v.l.).

Handelsblatt: Der Markt für Mittelstandsanleihen boomt. Warum ist das so?

Uwe Nespethal: Zum einen wollen sich die Mittelständler unabhängiger von der Bankenfinanzierung machen. Gleichzeitig suchen Anleger im aktuell niedrigen Zinsumfeld nach attraktiveren Renditen. Wobei die Anlageprodukte jedoch einfach sein sollen. Seit der Krise besteht eine gewisse Scheu vor komplexen Produkten.

Johannes Führ: Ein Markt ist aber nicht wegen ein paar gierigen Privatanlegern entstanden, sondern weil es einen Umbruch im Finanz- und Bankensystem gibt. Die neuen Regulierungen nach Basel II und III zwingen die Banken dazu, Kredite entsprechend der veränderten Bonität ständig anzupassen, was eben dazu führt, das eine eintretende schwächere Bonität dann auch mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden muss.

Handelsblatt: Pumpen nur die unsoliden Mittelständler die Privatanleger an?

Führ: Die große Mehrheit der Mittelständler in Deutschland benötigt keine Fremdfinanzierung im großen Stil. 

Nespethal: Viele Mittelständler wollen dennoch die Anleihe als ergänzendes Instrument in der Finanzierungsstruktur nutzen, um in Verhandlungen mit Banken selbstbewusster auftreten und bessere Konditionen aushandeln zu können. 

Thomas Dierkes: Mittelstandsanleihen werden im Übrigen nicht ausschließlich von Privatanlegern gezeichnet. Underberg und Valensina zum Beispiel wurden zu 80 Prozent bei institutionellen Investoren wie Fondsverwaltern und Familiy Offices platziert. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass die Qualität der neuen Segmente nicht so schlecht ist, wie dies bisweilen behauptet wird.

Führ: Die Qualität der Anleihen ist allerdings sehr unterschiedlich. So hat zum Beispiel Valensia eine Prognose veröffentlicht, dass der Umsatz in den nächsten fünf Jahren tendenziell sinken wird.

Peter von Woedtke: Ich habe auch bei Air Berlin so meine Bedenken. Anleger dürfen außerdem nicht vergessen, sie haben es mit einer endfälligen Anlage zu tun. Und da sind gerade bei den kleinen Unternehmen Zweifel angebracht, ob die wirklich in der Lage sind, einen Betrag von 50 Millionen am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen.

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