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20.12.2011

15:11 Uhr

Frankreich

Anleihenkauf für 178 Milliarden Euro

Das um seine Top-Bonität kämpfende Frankreich muss im kommenden Jahr Anleihen im Wert von 178 Milliarden Euro aufnehmen.

Der französische Finanzminister François Baroin während einer Rede. AFP

Der französische Finanzminister François Baroin während einer Rede.

ParisUnter dem Druck der Rating-Agenturen und vor dem Hintergrund der Euro-Krise muss Frankreich im nächsten Jahr 178 Milliarden Schulden aufnehmen. 78,7 Milliarden Euro Staatsdefizit müssten ausgeglichen und unter anderem 97,9 Milliarden Schulden zurückgezahlt werden, teilte das Pariser Finanzministerium am Dienstag mit. Die Rating-Agentur Fitch drohte mit der Herabstufung des Euro-Rettungsfonds EFSF und nannte Frankreich als Grund.

Die drei großen Rating-Agenturen haben Frankreich mit dem Verlust der Topbonität AAA gedroht, was bei der Aufnahme neuer Schulden in der Regel zu höheren Zinsen führt. Die 178 Milliarden Euro, die im Laufe des Jahres 2012 aufgenommen werden müssen, beziehen sich nach Angaben der staatlichen Schuldenbehörde AFT auf mittel- und langfristige Staatsschuldtitel. Für 2011 war die Aufnahme von insgesamt 184 Milliarden Euro vorgesehen. 

Fitch erklärte, die Bestnote für die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsfonds hänge entscheidend von dessen Garantiegeberländern Frankreich und Deutschland mit ihrem AAA-Status ab. Durch die Herabstufung des Ausblicks für Frankreich auf „negativ“ am vergangenen Freitag habe sich „das Risiko einer Herabstufung des EFSF erhöht“. Zuvor hatte bereits Anfang Dezember die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) dem Fonds mit dem Entzug der Topnote gedroht, nachdem die Agentur Deutschland, Frankreich und vier weitere Euro-Staaten vor einem Entzug ihrer Bestnote gewarnt hatte. Auch die dritte große Rating-Agentur, Moody's, sieht Frankreichs AAA-Bestnote in Gefahr. Die Rating-Agenturen hatten jeweils die hohe französische Staatsverschuldung als einen Hauptgrund genannt.

Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs wäre nach den Worten des französischen Präsidentenberaters Henri Guaino „völlig ungerechtfertigt“. Der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ vom Dienstag sagte er: „Das einzige Risiko besteht darin, zu einem Ziel der Spekulation zu werden.“ Der Berater von Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte weiter, es müsse auf jeden Fall vermieden werden, dass sich „der Zweifel“ festsetzt. „Der Zweifel nährt den Zweifel und lässt die Zinsen steigen“, sagte er. So könne ein Land, das seine Schulden problemlos bezahlen könne, am Ende finanziell stranguliert werden. Es müsse alles getan werden, um nicht in diesen „Teufelskreis“ zu geraten.

Die französische Regierung will die AAA-Topnote unbedingt erhalten und hat bereits zwei rigide Sparpläne aufgelegt, um das hohe Haushaltsdefizit zu drücken. Im Zuge der europäischen Schuldenkrise waren aber zeitweise die Risikoaufschläge für französische Staatsschuldtitel im Vergleich zu Deutschland drastisch angestiegen. Bei einer neuen Ausgabe von Schuldpapieren musste der Staat deshalb im November bereits deutlich höhere Zinsen bezahlen. Dies belastet wiederum den Haushalt.

 

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