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02.02.2017

21:30 Uhr

Französische Anleihen

Die Rückkehr der Risikofurcht

VonAndrea Cünnen

Investoren sehen Frankreich zunehmend kritisch. Seine neuen Anleihen wird Paris zwar gut los, aber Anleger verlangen dafür deutlich mehr Rendite. Die hat sich seit Dezember fast verdoppelt. Kommt die Euro-Krise zurück?

Auch bei französischen Anleihen verdüstern sich die Aussichten. Imago

Wolken über dem Eiffelturm

Auch bei französischen Anleihen verdüstern sich die Aussichten.

FrankfurtJochen Felsenheimer ist ein Mann klarer Worte: „Nach dem Höhepunkt der Schuldenkrise Anfang 2012 ist 2016 wohl das besorgniserregendste Jahr für die Europäische Union in ökonomischer, aber auch in politischer Hinsicht“, sagt der Geschäftsführer beim Fondshaus Xaia Investment: „Europa steht ein Schicksalsjahr bevor.“ So deutlich drücken sich nicht viele Investoren aus, aber die Ängste vor einem politischen Rechtsruck bei den anstehenden Wahlen in Europa machen vielen Anlegern Sorgen.

Besonders deutlich zeigt sich das bei französischen Anleihen. Bei den Kandidaten für die französischen Präsidentschaftswahlen im April dominieren die Gegner der Europäischen Union. Lediglich der sozialliberale Emmanuel Macron setzt sich für eine Stärkung der EU ein. Am anderen Ende will Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National, dass Frankreich aus der EU austritt. Die bürgerlichen Republikaner bangen wegen der Affäre um fiktive Jobs der Ehefrau von Spitzenkandidat Francois Fillon um ihre Chancen bei der Wahl. Dabei sieht auch Fillon die EU skeptisch und will de facto die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) beenden.

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Angesichts dieser Unsicherheiten kommt Frankreich absolut gesehen noch sehr günstig an Geld. So platzierte Paris am Donnerstag zehnjährige Anleihen über knapp vier Milliarden Euro zu einer Rendite von 1,07 Prozent. Dazu sammelte das Land knapp drei Milliarden Euro für eine Anleihe ein, die in 14 Jahren fällig wird. Dafür bot das Land Anlegern eine jährliche Rendite von 1,48 Prozent. Die Nachfrage nach beiden Papieren war groß. Aber: Im Dezember hatte Frankreich für die Aufstockung der zehnjährigen Anleihe eine Rendite von nur 0,78 Prozent bieten müssen.

Noch dramatischer wird die Lage, wenn man sich die Renditeabstände französischer zu deutschen Staatsanleihen ansieht. Sie sind so hoch wie zuletzt Anfang 2014. An diesen Risikoaufschlägen zeigt sich, dass Anleger mit Blick auf Frankreich zunehmend unsicherer werden. Seit Ende Dezember hat sich der Risikoaufschlag für zehnjährige französische Bonds auf mehr als 0,6 Prozentpunkt verdoppelt. „Die Ausweitung der Renditeabstände ist spektakulär“, urteilt David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank: „Einen so schnellen Anstieg gab es in dieser Form seit dem Jahr 2012 nicht mehr.“

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Zur Erinnerung: Bis zum Sommer 2012 bangten Anleger um den Erhalt der Euro-Zone. Griechenland hatte einen Schuldenschnitt durchgezogen, Irland, Portugal und Zypern waren unter den Euro-Rettungsschirm geflohen, und Spanien brauchte europäische Gelder für die Sanierung seiner Banken. Zehnjährige portugiesische Anleihen rentierten damals mit 11,4 Prozent, spanische mit 7,6, italienische mit 6,6 und französische mit 2,3 Prozent. Damit waren die Risikoprämien zur zehnjährigen deutschen Bundesanleihe, die damals mit 1,3 Prozent rentierte, enorm. Erst EZB-Chef Mario Draghi machte dem Spuk ein Ende als er bei seiner berühmt gewordenen Rede in London am 26. Juli 2012 versprach, alles zu tun, um den Euro zu retten.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.02.2017, 13:05 Uhr

"Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
Danke

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