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17.01.2009

10:24 Uhr

Fünf Fragen an: Thomas Stolper

„Die Dominanz des Dollars schwindet allmählich“

Thomas Stolper ist Devisenexperte bei Goldman Sachs in London. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Banker, wie interessant Dollar-Investments für Euro-Anleger sind und welchen Einfluss die Zinsentscheidungen der Notenbanken auf die Entwicklung des Dollarkurses haben.

Der US-Dollar ist nach wie vor die führende Weltwährung - wird sich das durch die Finanzkrise ändern?

Die Finanzkrise hat sehr deutlich die extremen Ungleichgewichte in den USA offenbart. Das ist sicherlich auch den Ländern mit großen Währungsreserven klar geworden. Die Euro-Zone steht im Vergleich zu den USA deutlich besser da. Eine deutlich höhere Sparquote und eine mehr oder weniger ausgeglichenen Leistungsbilanz sind Ausdruck dieser Entwicklung. Es ist daher zu vermuten, dass der Euro längerfristig als Reservewährung immer wichtiger wird und größere Bedeutung erlangt.

Wie rasch wird das gehen?

Solche Veränderungen brauchen viel Zeit. Die globalen Zahlungssysteme und Rohstoffmärkte werden vom Dollar dominiert. Eine rapide Umstellung auf andere Währungen ist kostspielig und ohne massiven Vertrauensverlust in den Dollar kaum zu rechtfertigen.

Wie interessant sind Dollar-Investments für Euro-Anleger heute?

Wegen der aggressiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed und der verbleibenen externen Defizite der Vereinigten Staaten von Amerika erwarten wir eine graduelle Abwertung des Dollars im weiteren Verlauf dieses Jahres. Wir erwarten auch, dass die Devisenmärkte volatil bleiben werden. Beide Faktoren machen Dollar-Anlagen für Euro-Anleger relativ uninteressant.

Welchen Einfluss haben Zinsentscheidungen der Notenbanken auf die Entwicklung des Dollarkurses?

Wenn Zentralbanken - wie zuletzt - ihre Zinsen praktisch auf null senken und dann unkonventionelle Politikinstrumente einsetzen, verlieren die Zinsunterschiede ihre Bedeutung. Wir erwarten dass die Politik der Fed weiter aggressiver bleibt als die der Europäischen Zentralbank. Dies ist negativ für den Dollar.

Wo sehen sie den US-Dollar auf Sicht von zwölf Monaten?

Wir sehen ihn bei etwa 1,45 Dollar je Euro.

Die Fragen stellte Udo Rettberg.

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