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05.04.2014

08:30 Uhr

Gastbeitrag

„Wir brauchen eine neue Sicht auf das Risiko“

VonOliver Behrens

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DekaBank ist beunruhigt über die fehlende Aktienkultur in Deutschland. Die Vorsorge sei gefährdet, ebenso die Mitsprache in hiesigen Unternehmen. Was jetzt zu tun ist.

Oliver Behrens ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DekaBank.

Oliver Behrens ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DekaBank.

Die Deutschen sind durch negative Erfahrungen mit Aktien geprägt: Die Enttäuschung mit der T-Aktie, Aufstieg und Fall des Neuen Marktes sowie drei Kurseinbrüche in den vergangenen zwölf Jahren haben ihre Spuren hinterlassen.

Die aufkeimende Aktienkultur Ende der 90er Jahre litt von vornherein unter einem Geburtsfehler: Bedingt durch die rasante Entwicklung an den Börsen entstand das Bild vom Aktieninvestment als schnellem Weg zum Reichtum, als Spekulation. Die Idee des langfristigen Sparens durch die Beteiligung an erfolgreichen Unternehmen geriet dabei ins Hintertreffen.

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung von Aktien- und Aktienfondsbesitz in Deutschland zeigen eine besorgniserregende Tendenz. Nicht nur, dass die Quote insgesamt rückläufig ist, es sind vor allem untere Einkommensschichten, die hier unterrepräsentiert sind. Damit sind gerade Bevölkerungsgruppen mit vergleichsweise wenig Vorsorgerücklagen nicht in die Anlageform investiert, auf die sie unter Renditeaspekten am dringendsten angewiesen wären.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Auch junge Leute, die aufgrund des zur Verfügung stehenden Anlagehorizonts eigentlich für einen langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien prädestiniert wären, setzen auf vermeintliche Sicherheit, etwa Festgelder oder Bausparverträge. Langfristig ist diese Entwicklung dazu geeignet, unsere Vorsorgestrukturen auszuhöhlen, zumal sich die Situation der Umlagesysteme durch die demografische Entwicklung verschärfen wird.

Aktien sind Beteiligungen am Produktivkapital einer Volkswirtschaft. Deshalb hat die Zurückhaltung bei Aktieninvestments, also eine niedrige „Investitionsquote“ von deutschen Privatanlegern, auch negative Auswirkungen auf den Standort Deutschland. Privatanleger verzichten auf ein Mitspracherecht in deutschen Unternehmen.

Die Anteilseigner von Dax-Unternehmen sitzen gegenwärtig mehrheitlich im Ausland. Strategische Entscheidungen, die für deutsche Arbeitsplätze Relevanz haben können, werden so unter Umständen aus dem Ausland beeinflusst. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sollte die Politik ein Interesse an einer ausgewogenen Anteilseignerstruktur unter Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten haben, gerade in Schlüsselindustrien.

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