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31.01.2005

07:08 Uhr

Gebührenoffensive bei Indexprodukten

Dicke Fonds-Rabatte

VonIngo Narat

Passend zum Winterschlussverkauf startet die Deutsche Bank eine Preisschlacht bei Indexfonds. Der zur Hypo-Vereinsbank gehörende Konkurrent Indexchange muss nachziehen. „Alles viel billiger!“, würde auf den Grabbeltischen der Kaufhäuser stehen.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank überrascht mit dem Einstieg ins Geschäft für börsengehandelte Indexfonds. Der Preis-Hammer kommt noch obendrauf: Für die beiden Produkte ihrer Fondstocher DWS, die in ihrer Zusammensetzung die Struktur des Deutschen Aktienindex Dax bzw. des Euro Stoxx 50 widerspiegeln, werden nur 0,15 Prozent an jährlichen Gebühren verlangt – das sind Dumpingpreise. Ein Fondsanteil bezieht sich auf den hundertsten Teil des Indexwertes. Heute startet der Handel an der Deutschen Börse.

Damit steigt die Zahl der notierten Indexfonds auf 57. Für Anleger sind diese speziellen Produkte attraktiv. Sie zahlen keinen Ausgabeaufschlag, der bei traditionellen Aktienfonds meist fünf Prozent beträgt. Lediglich für die Bankorder fallen die auch bei Aktienaufträgen üblichen Spesen an. Darüber hinaus kassiert die Fondsfirma keine hohen Managementgebühren. Üblicherweise werden für die traditionellen und nicht börsengehandelten Aktienfonds rund 1,50 Prozent verlangt.

Außerdem kann der Anleger seine Enttäuschung über die schlechten Leistungen der Fondsmanager vergessen. Die meisten Profis scheitern an ihren Messlatten. Sie erwirtschaften eine geringere Rendite als ihre Benchmark, weil sie Länder oder Branchen falsch gewichten oder bei der Auswahl der Einzelwerte schief liegen. Warum soll der Anleger dann noch einen solchen „aktiv“ gemanagten Fonds kaufen, wenn ihm das bei einem billigeren Indexfonds nicht passieren kann?

Mit ihrer Gebührenoffensive rücken die Fonds auch noch näher an die wichtige Zielgruppe der institutionellen Anleger heran. Unternehmen, Pensionskassen oder Stiftungen hatten in den vergangenen Jahren schon größeres Interesse an diesen Produkten entwickelt. Spannend ist für sie insbesondere die vielseitige Einsetzbarkeit bei kombinierten Kassa- und Terminmarktstrategien. Jetzt locken auch noch günstige Gebühren bei den wichtigen Anlagegruppen deutsche und europäische Aktien.

Mit ihren Dumpingpreisen zwingt die Deutsche Bank den Marktführer im Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds zum Handeln. Früher als geplant kürzte die zur Hypo-Vereinsbank gehörende Indexchange die laufenden Gebühren für ihre Produkte auf Dax und Euro Stoxx 50. Auch sie verlangt ab heute nur noch 0,15 Prozent – vorher waren es 0,50 bzw. 0,40 Prozent.

Der Anleger darf sich über die Rabattschlacht freuen. Er sollte aber andere – nicht so offensichtliche – Kosten im Auge behalten, die bei traditionellen Fonds ohne Börsenhandel nicht anfallen. Es geht um die von den zuständigen Maklern an der Börse genannten verbindlichen Kauf- und Verkaufspreise. Zu diesen Preisen werden die Kundenorders für die Fondsanteile abgewickelt.

Zwischen Kauf- und Verkaufspreisen liegen beim größten Teil der börsengehandelten Indexfonds 0,20 bis 0,50 Prozentpunkte. Die genannten Produkte kommen besser weg, weil sie sich auf beliebte Messlatten mit hohen Umsätzen beziehen. Die Differenzen beim Dax-Produkt von Indexchange etwa betragen 0,04 Prozentpunkte, beim Euro-Stoxx-50- Fonds liegen sie bei 0,06 Prozentpunkten. Die Deutsche Bank peilt für ihre Offerten 0,04 Prozentpunkte an, auch wenn die Fondsprospekte bis zu 1,00 Prozentpunkte erlauben. Aber das sei eher ein theoretischer Wert, heißt es.

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