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04.12.2013

13:25 Uhr

„Gefährliches Spiel“

Bill Gross warnt vor Folgen der Geldflut

Anleger sollten sich von der Liquiditätsschwemme nicht täuschen lassen, mahnt Bill Gross. Der Manager des weltgrößten Anleihefonds Pimco warnt vor zu viel Kauflaune – und verrät worauf er setzt.

Pimco-Gründer Bill Gross. „Die Zentralbanken lassen den Anlegern keine Wahl.“ Reuters

Pimco-Gründer Bill Gross. „Die Zentralbanken lassen den Anlegern keine Wahl.“

FrankfurtDie nie dagewesene Menge an Liquidität, die die Zentralbanken in das Finanzsystem pumpen, erhöht das Risiko eines weltweiten Abrutschens der Vermögenspreise, sagte Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds bei Pacific Investment Management Co. (Pimco).

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln”, schreibt Gross in seinem monatlichen Investmentausblick, der am Dienstag auf der Pimco- Website veröffentlicht wurde.

Die Federal Reserve, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank und die Bank of England „machen es den globalen Märkten vor. Im Prinzip sagen sie den Investoren, dass sie keine Alternative haben, als in riskantere Anlagen zu gehen oder hochwertige Anlagen zu hebeln.”

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Gross bekräftigte, dass Pimco sich auf kürzer laufende Treasuries, Hypotheken- und Unternehmensanleihen konzentriert, die davon profitieren werden, dass die Fed ihren Leitzins seit Jahren nahe null hält. Die US-Notenbank hatte die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt, als die Finanzkrise 2008 ausbrach, und zugesagt, sie niedrig zu belassen, bis Wirtschaft und Beschäftigung nachhaltige Erholungszeichen aufwiesen.

„Wenn die Geld- und die Haushaltspolitik das reale Wachstum, das die Märkte eingepreist haben, nicht herstellen können - und das haben sie nicht getan -, dann werden die Investoren am Rand” beginnen, weniger risikoreiche Investments zu präferieren.

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