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13.07.2017

14:53 Uhr

Gegen den Markttrend

Die womöglich größte Anleihenwette der Welt

Noch acht Tage Zeit hat ein bislang unbekannter Händler, damit seine millionenschwere Wette auf eine Veränderung der Anleihenrendite nicht wertlos wird. Bei dem Investment ist es egal, ob die Renditen fallen oder steigen.

Ein Händler vor den Kursen der US-Staatsanleihen an der Börsen in Chicago. Ein anderer Trader hat eine spektakuläre Wette auf die Treasuries platziert. dpa

Börse Chicago

Ein Händler vor den Kursen der US-Staatsanleihen an der Börsen in Chicago. Ein anderer Trader hat eine spektakuläre Wette auf die Treasuries platziert.

Die Volatilität (Schwankungsbreite) im Anleihemarkt steht kurz vor einem Comeback. Darauf wettet zumindest ein Bond-Händler, ablesbar an der Aktivität am Optionsmarkt. Sie signalisiert die Überzeugung, dass US-Staatsanleihen (Treasuries) in den nächsten zwei Wochen entweder stark steigen oder sehr hart fallen werden.

Der Erfolg dieser Wette, die für eine Optionsstrategie mit einem ungewöhnlich hohen Einsatz erfolgt, ist nicht an die Richtung der Renditen gebunden. Stattdessen hängt das Ergebnis davon ab, dass es wieder zu der Art von Turbulenzen kommt, die es schon seit Monaten nicht mehr gegeben hat.

Am Dienstag platzierte jemand gleichzeitig eine Position über zehn Millionen Dollar im Kauf von Put- und Call-Optionen auf Terminkontrakte zehnjährige US-Staatsanleihen (Treasury-Futures), was Börsenexperten als Strangle bezeichnen. Das zeigen Daten von der Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg und eine Beobachtung der Handelsniveaus.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Zum Hintergrund: Bei einem Strangle wird auf einen Anstieg der Volatilität oder eine Bewegung des Basiswertes spekuliert, egal ob die Bewegung nach oben oder nach unten erfolgt. Beim Kauf eines solchen Derivates werden gleichzeitig eine Put- (auf fallende Kurse) und Call-Option (auf steigende Kurse) auf einen Basiswert (in dem Fall Terminkontrakte auf zehnjährige US-Staatsanleihen) mit dem gleichen Verfallsdatum gekauft. Dadurch kann mit einer geringen Investition auf einen Volatilitätsanstieg oder eine große Bewegung spekuliert werden. Findet diese nicht statt, dann verfallen beide Optionen am Laufzeitende wertlos.

Der Markt wurde auf die Position aufmerksam, da Kontrakte im Block von rund 63.500 Stück gehandelt wurden, zeigen Daten der CME Group. Ein Strangle in dieser Größenordnung kommt selten vor und ist womöglich sogar einmalig, sagen Zinshändler, die mit dem Markt vertraut sind.

Die Position verfällt bereits am 21. Juli und sieht nach der Reaktion auf die Anhörung der Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch bereits vielversprechend aus. Allerdings sind nur kleine Bewegungen nicht ausreichend. Um nur die Prämie wieder zu verdienen, müssten die zehnjährige Rendite um rund zehn Basispunkte steigen oder fallen, ausgehend von einem Niveau bei 2,38 Prozent, zeigen Daten von Bloomberg. Sobald diese Schwelle überschritten ist, gibt es kein Limit auf den Gewinn. Dieser liegt bei rund 50 Millionen Dollar pro 25 Basispunkte Bewegung, was ausgehend vom Startniveau die Hochs und Tiefs diesen Jahres ins Spiel bringt. Derzeit liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 2,32 Prozent.

Der Kalender hält über die nächsten Tag diverse Möglichkeiten bereit, die für steigende Volatilität sorgen könnten. Vom politischen Drama in Washington abgesehen, könnten die Konsumentenpreise oder die Einzelhandelsdaten am Freitag für Bewegung sorgen. Am Tag vor der Fälligkeit der Position findet zudem die nächste EZB-Sitzung statt.

Mit der Position stellt sich der Händler auch gegen den allgemeinen Markttrend. Der Merrill Lynch Option Volatility Estimate, auch bekannt als MOVE Index, der aus Optionen auf Treasuries mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren berechnet wird, handelt per Mittwoch auf einem Allzeit-Tief.

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